|
CD-Review:
|
![]() |
|
|
|
Endlich hat der Schreiber Gelegenheit, seine Kontinente umfassende Sprachgewandtheit Kund zu tun. Die erste Rock & Roll Band aus Finnland hält Einzug im Home of Rock. Alku aina hankala (aller Anfang ist schwer), das weiß ich natürlich, deswegen nehmt Euch ruhig ein paar Minuten, um den Knoten aus der Zunge wieder rauszukriegen. WILD WILLIE & NO BIG DEAL kommen aus Finnland. Und wie kommen Finnen zu uns ins Home of Rock? Ganz einfach. Eines Tages kommt ein Email von einem Petri und der will die CD der Band VOODOO CHILD bei uns kaufen (was auf der Hand liegt, denn fränkische Bluesrocker sind in Finnland bestens bekannt). Ich schreib ihm also in strengstem Hochdeutsch zurück, wie er zahlen kann und dann die CD bekommt und er antwortet, ob ich das ganze doch vielleicht in Englisch schreiben könnte, denn er versteht von meinem Deutsch nur wenig bis nichts weil er schließlich Finne sei. Der Finne an sich ist bei uns nicht als geborener Rock'n'Roller bekannt. Klar, die LENINGRAD COWBOYS kennt jeder. Mancher vielleicht noch die beiden Platten der GRINGOS LOCOS. Weniger bekannt sind Bands wie PEER GÜNT, die bereits 16 (!) Scheiben veröffentlicht haben. Und nur noch wenige kennen die finnischen Ur-Rock & Roller HURRIGANES. Die Band treibt in der finnischen Tundra schon seit vielen Jahren ihr Unwesen, spielt auch bei größeren Festivals und hat sich in Finnland einen guten und in einschlägigen Kreisen bekannten Namen erspielt. 1996 haben sie erstmals den Schritt ins Studio gewagt und eine Mini-CD mit sieben Titeln eingespielt. Se on vähän liian paksu (das ist ein dicker Hund), denk ich mir, denn mit Send Me More Money ist ein absolutes Shuffle-Highlight auf der kleinen Scheibe. Ein Boogie gewordener Hilferuf von Sänger Willie an seine Mutter (!), als er sich auf einer USA-Reise befand. 20 Minuten simpler aber wirkungsvoller und gute Laune machender Rock & Roll-Spaß. Miellyttää enemmän joku olut (Bitte noch ein Bier) und dann geht's ab in den zweiten Teil der kleinen Exkursion nach Suomi. Vorab sei den Herren eines gesagt: Die Krawattenbindeanleitung auf dem Cover von "Tie Up & Jive" funktioniert nicht! Außer einer Kehlkopfquetschung, einem abgeklemmten Ohr und einer letztlich zerrissenen Krawatte, kann ich jetzt genau so wenig wie vorher diese blöden Dinger binden. Die Musik ist wiederum eine ganz hervorragend gelungene Mischung aus 50er-Jahre Rock'n'Roll, Rockabilly und grundgutem Rhythm & Blues, den selbst die britischsten Pub-Rocker und Biertrinker nicht besser hingekriegt hätten. Acht Coversongs und sieben eigene insgesamt. Und die fallen mitnichten gegen die alten Klassiker ab. Ganz im Gegenteil. Befreit von den Vorlagen (und die sind in dieser Musik naturgemäß stilistisch nicht sehr variierbar), rocken die Jungs einige wirklich feine Nummern runter. Bad Girl beispielsweise geht so richtig ins Bein. Und nebenbei hört man sehr deutlich, dass die Band handwerklich auf der Höhe der Zeit ist. Feine Gitarren, astreiner Gesang, sauberer Bums von hinten. In Finnland heißt es bekanntlich oft: Alavilla mailla hallan vaaraa (in niederen Lagen Bodenfrostgefahr). Das wussten auch Dr. Feelgood, als sie WILD WILLIE & (NO) BIG DEAL für ihr Vorprogramm verpflichtet haben. Wo Willie und die Boys rocken friert garantiert nichts ein! Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.06.2002
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|