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Todd Wolfe

& Under The Radar

Borrowed Time

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Borrowed Time
Borrowed Time, Hypertension Music, 2009
Todd Wolfe Guitars & Lead Vocals
Suavek Zaniesienko, Ed Canova, Rob Fraser & Tad Wadhams Bass & Vocals
Dave Hollingsworth Drums
Michael Fossa Keyboards
Gäste:
Leslie West Vocals & Lead Guitar (Baby I'm Down)
Rich Frikkers Drums (You're Not The Only One)
Nick Pierone & Susan Cowsill Vocals (California)
Mary Hawkins Vocals (If This Is Love)
Michelle Glass Vocals (Tears Of Rage)
Produziert von: Todd Wolfe Länge: 53 Min 26 Sek Medium: CD
1. Ready For Love6. If This Is Love
2. Baby I'm Down7. Big Nosed Kate (Borrowed Time)
3. Cold Black Night8. Who's Been Talking
4. You're Not The Only One9. Oh Well
5. California10. Tears Of Rage

Es hat ein ziemliches Weilchen bis zur neuen CD gedauert, Todd Wolfe war noch nie ein Schnellzug, dafür kommt "Borrowed Time" deutlich anders als die letzte Studio-CD "Delaware Crossing" von 2003 daher - ein "Vorwärts in die Vergangenheit"-Album sozusagen. Aber mit Progress, das darf man bei allem Blues nicht übersehen.
Der sympathische Gitarrist aus Pennsylvania hat dafür eine Schar Musiker ins Studio geholt, die man bisher mit ihm zusammen noch nicht gehört hat (außer Dave Hollingsworth am Schlagzeug) und lässt die Sache insgesamt sehr entspannt anrollen. Die deutsche Plattenfirma hat der Band noch den Namen T.W. & UNDER THE RADAR und ein neues Cover spendiert und außerdem die Tracklist auf der CD gehörig durcheinander gewürfelt. Bisschen lästig, bei Playern die die Titel anzeigen. Das zu den Äußerlichkeiten.

In der Tat startet "Borrowed Time" blueslastiger als man es zuletzt von Wolfe gewohnt war, der Opener Ready For Love beschwingt funky, Baby I'm Down mit Akustik- bzw. Slide-Gitarre plus Leslie West als Co-Sänger und erfreulich dezentem Gitarrenspiel, Cold Black Night ist reinrassiger Blues und You're Not The Only One reüssiert als Gitarre & Drums-Blues. Erst das von Sheryl Crow mitverfasste und von Susan Cowsill gesanglich veredelte California steigert das Tempo, selbstverständlich ohne sich in den Hochgeschwindigkeitsbereich oder gar in Gitarrenegomanien zu begeben. Das hat Todd Wolfe nicht nötig, er schiebt lieber subtil mit einem druckvollen Rockriff von hinten an und lässt ein schneidig-filigranes Solo vor dem E-Piano herflüchten. Sehr geschmackvoll, das.
Noch eine Gastsängerin: Mary Hawkins aus Philadelphia macht If This Is Love zu einem Höhepunkt des Albums. Eine leider offensichtlich nur lokal halbwegs bekannte Blues-, Soul- und Jazzsängerin, die mächtig viel Gefühl in der Stimme hat. Antesten: maryhawkins.com. Wolfe gibt dazu seine schönste Südstaaten-Gitarre und das Wurlitzer Piano schlägt einmal mehr seinen Konkurrenten Fender Rhodes. Überhaupt sind die Keyboards auf "Borrowed Time" mehr als eine Erwähnung wert. Michael Fossa ist kein aufdringlicher Klimperer, begleitet dafür umso angenehmer und gibt fast allen Songs eine weitere überaus stilvolle Note. Guter Mann, man höre den Groover Big Nose Kate (Borrowed Time). Ein schöner Jam-Bluesrocker, der vom verstorbenen Kollegen Hörstmann schon beim Konzert im letzten Oktober als tolle Nummer ausgemacht wurde. Da war die CD in den USA bereits erschienen und bei der Tour käuflich zu erwerben.
Ganz am Ende gibt es noch mal Jam, diesmal sogar sieben Minuten lang. Tears Of Rage ist eigentlich ein unverfänglicher Blues-Shuffle, gleitet dann aber als vermeintlicher Hidden Track in eine hübsch psychedelische Reprise von You're Not The Only One ab. Davor gibt es jedoch noch Peter Greens Oh Well, das man eigentlich wirklich nicht noch mal bräuchte - außer eben von Todd Wolfe und seiner formidablen Band. Allen Respekt für diese feurige Version, die zwar nah am Original ist, trotzdem richtig Spaß macht. Ein wenig Whole Lotta Love baut Todd auch noch ein.

"Delaware Crossing" war sicher das griffigere und massentauglichere Album, "Borrowed Time" ist das gewagtere, denn heutzutage einen so deutlichen Schritt zurück in den Blues zu machen ist mutig. Dass der Versuch gelungen ist, darf man Todd Wolfes Fähigkeiten als Songwriter und Musiker und auch seinem besonderen Talent für wunderschöne Arrangements zuschreiben. Eine niemals nervende, bewusst zurückhaltende CD, die gerade dadurch eine Menge Können offenbart.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.05.2009

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