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Open Fire

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Open Fire
Open Fire, Relapse Records, 2007
Kyle Thomas Vocals
Ryan Lake Guitar
Erik Larson Guitar
Mike Bryant Bass
Bryan Cox Drums
Gast:
Hormel Flansuego Percussion
Produziert von: Ian Whalen Länge: 42 Min 54 Sek Medium: CD
1. The Cleansing7. A Dreamer's Fortune
2. Void Of Harmony8. Valor
3. Words Of The Dying Man9. Open Fire
4. The Beggar10. Brave The Rain
5. None Shall Return11. Greed
6. Whiskey War

Ken Kelly ist nicht Frank Frazetta. ALABAMA THUNDERPUSSY sind meilenweit entfernt von feinsinnigen Tönen. So viel zum sechsten Album des Prügelpacks aus Virginia.
Die martialische Malerei auf dem Cover heißt "The Eve of Legends" und stammt von eben Ken Kelly. Der hat unter anderem für KISS und MANOWAR den Pinsel geschwungen und erreicht nur manchmal die Klasse des großen Frazetta und dessen Kunstwerke für MOLLY HATCHET. "The Eve of Legends" allerdings sieht richtig lässig-kitschig kriegerisch aus, was wiederum wunderbar zum Bild auf dem Backcover passt, für das sich die fünf Berserker im Garten unter Bäumen und im Stühlchen ablichten ließen. Ja ja, das Böse ist immer und überall.
Und ganz genau unter diesem Blickwinkel muss man ALABAMA THUNDERPUSSY und ihre neue CD "Open Fire" betrachten. Da wird zwar wild der Morgenstern geschwungen und gar grausig gebrüllt, aber am Ende des langen und blutigen Tages setzt man sich doch gern mit einem Tässchen Bier in die Laube und krault sich bedächtig das lange Haar. Vielleicht fällt einem dabei ja auch der nächste Trick zur Aufrechterhaltung des Schlimme-Finger-Images ein.

Die Donnerpussies haben ihren Sound "weiterentwickelt". Es dröhnt lange nicht mehr so Stoner-mäßig wie früher, und auch die früher offenherzig gezeigten Bezüge zum Southern Rock sind im Hintergrund verschwunden, dafür kommt es jetzt metallischer und, Odin sei's gedankt, abseits von dümmlichem True-Metal-Pommesgabel-Gepose. Also schön altmodisch heavy, im Untergrund verwurzelt, letztendlich glaubhaft. Ob das Planung oder Zufall ist, oder tatsächlich der Einfluss des inzwischen dritten Sängers Kyle Thomas (ehemals EXHORDER, FLOODGATE und zuletzt WITCH, bei denen er völlig anders sang und klang), ist nicht überliefert. Letzteres eher nicht, denn Thomas stieß wohl erst nach dem Songwriting zur Band. Außerdem ist der Mann nichts für einen nüchternen Magen, all zu grobmotorisch krakeelt er sich durch die knappe Dreiviertelstunde. Passt aber letztendlich auch, denn ein Eric Adams reicht der Welt vollkommen. Schön ist Thomas' heiseres Geschrei nicht, aber wirksam. Wenn er sich wie im Titelsong durch die Hölle growlt, muss man nicht nur grinsen, man sperrt auch die Haustür ab, nicht dass die Nachbarin auf dumme Gedanken kommt.

Produzent Ian Whalen, den man bisher nur aus dem Umfeld der Todesmetaller LAMB OF GOD kannte, hat gute Arbeit für "Open Fire" geleistet. So druckvoll und frisch hört man Retro-Metal heutzutage selten. Die Scheibe klingt im besten Wortsinn naturbelassen, viele Schönheitsoperationen hat es am Computer vermutlich nicht gegeben, sieht man vom etwas künstlich klingenden Gitarrensolo auf The Cleansing ab (nomen est omen). Die Produktion verdeckt unterm Strich auch ein paar kompositorische Mängel, denn nicht alle 11 Songs können das anfangs hohe Niveau halten. Wo die ersten Nummern wie eine losgelassene Mongolenherde durch die Steppe donnern, schleicht sich zwischendurch auch mal relativ sinnentleerte Dumpfheit ein. (Party-) Stampfer wie Words Of The Dying Man entschädigen dafür aber ausreichend, und wenn in The Beggar zweistimmige Gitarren einen lavaesken Stoner-Boogie intonieren, klopft man automatisch die Mottenkugeln aus der alten Kutte und schwingt beseelt mit.
Das Double-Riffing in Whiskey War macht auch Laune, vor allem wenn es von einem so schönen Solo abgelöst wird. Da hat doch jemand offenbar Whiskey In The Jar und ganz olle Klamotten von PRIEST schon mal gehört. Vielleicht der beste Moment der CD.
Der bereits erwähnte Titeltrack Open Fire ist das brachialste Werk, erinnert beinahe an EXHORDER und Thrash-Konsorten. Ideal für Kids, die ihre renitenten Eltern zum Schweigen bringen wollen, und subtil wie Ulli Hoeness bei der Schiedsrichterschelte. Keinesfalls für zarte Gemütchen geeignet.

ALABAMA THUNDERPUSSY haben einen veritablen Krachbolzen eingetrümmert, keine Frage. Vom Mainstream bleiben sie damit trotz leichter Neuausrichtung natürlich meilenweit entfernt, demzufolge wird sich die Popularität der freundlichen Gesellen weiterhin in Grenzen halten. Für uns jugendliche Liebhaber echten Metals bleiben sie eine nennenswerte Hausnummer. Und auch wenn sie ihren Humor gut verstecken: Witzig ist das alles durchaus.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.03.2007

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