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Face The Promise

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Face The Promise
Face The Promise, Capitol Records, 2006
Bob Seger Vocals, Acoustic & Electric Guitar, Slide Guitar, Percussion, Synthesizer, Synthesizer Strings
Kid Rock Vocals, Slide Guitar (Real Mean Bottle)
Patty Loveless Vocals (The Answer's In The Question)
David Cole Electric Guitar, Percussion
Brent Rowan Acoustic & Electric Guitar
Kenny Greenberg, Biff Watson Electric Guitar
Larry Paxton, Glenn Worf Bass
Eddie Bayers, Steve Brewster, Paul Leim Drums
Erik Darken Drums, Percussion
John Hobbs, John Jarvis, Gordon Mote Piano
Jim Hoke, Randy Leago Tenor Sax
Sam Levine Baritone Sax
Bill Huber Trombone
Steve Herman Trumpet
Aubrey Haynie Fiddle, Mandolin
Shaun Murphy, Bernie Barlow, Laura Creamer, Thornetta Davis, Leslie Mills, Eric Sean Murphy, Barbara Payton, Background Vocals
David Angell, Zeneba Bowers, David Davidson, John Catchings, Connie Ellisor, Carl Gorodetzky, Jim Grosjean, Craig Nelson, Carole Rabinowitz-Neuen, Pamela Sixfin, Elisabeth K. Small, Gary Van Osdale, Mary Kathryn Van Osdale, Matthew Walker Strings
Produziert von: Bob Seger Länge: 43 Min 32 Sek Medium: CD
1. Wreck This Heart7. No More
2. Wait For Me8. Real Mean Bottle
3. Face The Promise9. Won't Stop
4. No Matter Who You Are10. Between
5. Are You11. The Answer's In The Question
6. Simplicity12. The Long Goodbye

Was für Ian Hunter gilt, gilt exakt für Bob Seger: Er kann machen was er will, es wird immer großartig sein. Aus anderen Gründen zwar, aber die sind im ersten Schritt gleichgültig.
Leider gilt auch weiterhin, was alles an negativen Dingen über die heutige Schallplattenindustrie bereits gesagt wurde: Sie ist beherrscht von Dilettanten. Auch fast ein Dreivierteljahr nach Veröffentlichung in den USA fühlt sich kein Schwein bei Universal bemüßigt, die CD endlich auch bei uns regulär in die Läden zu stellen. Was für ein Armutszeugnis.

Bob Seger kennt jeder. Er war einer der ersten Konsens-Rock'n'Roller überhaupt, akzeptiert von Hausfrauen, Radiohörern, Kunstliebhabern und Hardrockern. Im Ergebnis stehen gut 50 Millionen seiner Werke in den weltweiten Plattenschränken. Dafür mag es drei Gründe geben. Die Fähigkeit, wunderschöne Balladen und mächtig dampfende Rocker ohne jeden Bruch aneinander zu reihen einerseits. Eine allzeit unwiderstehliche, großartige Band hinter und neben sich zu haben andererseits. Doch vor allem: Eine Stimme, die nicht durch Mark und Bein geht, sondern von den Haarspitzen bis zum kleinen Zeh alles in beängstigende Schwingung versetzt und gleichzeitig Hirn, Herz und Bauch glücklich macht. Bob Seger ist ohne Zweifel der Übervater aller Rock-Shouter und "Face The Promise" reiht sich nahtlos in die Kollektion seiner Klassiker ein. Punktum.
Ein paar Fakten. Die SILVER BULLET BAND ist nicht dabei, "Face The Promise" ist ein Soloalbum mit einer Legion geheuerter Studioasse. Unterschied? Zu aller Überraschung kaum merklich, nur die Bläsersätze schneiden nicht so messerscharf. Die Songs sind in einem Zeitraum seit etwa dem Jahr 2000 entstanden. Es könnte auch 1975 sein. Zwei Duetts sind enthalten: The Answer's In The Question mit Patty Loveless und Vince Gills Real Mean Bottle mit Kid Rock. Eine Ballade, ein Rocker, Kid Rock hat gegenüber Loveless die Nase vorne, er kickt den alten Bob während Patty Loveless leicht tantig anmutet. Bob Segers Stimme ist ein klein wenig altersmilder geworden, wer von Nachlassen spricht hat keine Ahnung. Eigenzitate? Jede Menge.

Macht eure Fenster auf, brüllt wie vom Affen gebissen "Are you ready for old time rock and roll" hinaus und dreht den großen Regler am Verstärker weit nach rechts. Wreck This Heart wird den Muff bei den Nachbarn vertreiben, Against The Wind, sorry, Wait For Me versöhnt die Hausmeisterin gleich anschließend wieder. Shaun Murphy (seit 1973 bei Bob und bekanntlich schon lange Frontfrau von LITTLE FEAT) und die anderen Hintergrundsänger sind vielleicht manchmal etwas zu laut abgemischt, lassen den Titelsong aber richtig abheben, No Matter Who You Are lebt vom typischen Piano und dem unglaublich catchy Text und so geht es weiter, die gesamte Dreiviertelstunde.
Auch wenn man im Jahr 2007 Detroit nicht mehr so laut brummen hört wie damals, große Songs wie Are You packen Männlein und Weiblein an den Eiern und drücken zu bis es knackt. Seger biedert sich nicht dem Zeitgeist an, dafür ist seine private Welt wohl auch zu weit von diesem entfernt, dennoch passen seine Lieder ins Heute. Das ist verblüffend, immerhin hat sich an seinem Songwriting nichts verändert, auch wenn beispielsweise Simplicity oder Between problemlos für einen topmodischen Act konzipiert sein könnten. Na ja, natürlich von der Stimme und den Stax-Hörnern in Simplicity abgesehen. Purer Kraft-Groove.

Wenn man an dieser CD überhaupt etwas bemängeln kann, dann die an einigen wenigen Stellen störenden Streicherarrangements. Wegen denen ist Kid Rock sicher nicht zum Seger-Fan geworden. Es muss verdammt cool sein, seine eigene Stimme neben der eines Orkans zu hören, und dafür hat sich der kleine Spinner auch mächtig angestrengt. Um ehrlich zu sein: so gut hat man ihn noch nie erlebt. Wird aus dem tatsächlich noch ein echter Rocker? Oder passt einfach nur die schwitzige Version des New-Country-Schlagers Real Mean Bottle perfekt zu ihm? Gut gemacht, Jungchen.
Zum Abschluss macht einen The Long Goodbye unendlich traurig. Auch wenn es mit den Worten "I'm still here" endet und wohl von seinem an Alzheimer erkrankten Schwiegervater handelt, die Hoffnung schwindet, diesen Stimmkoloss noch einmal auf europäischen Bühnen bewundern zu können.
Wer Bob Seger bei einem Konzert Ende 2006 bzw. zu Beginn dieses Jahres erlebt hat (siehe hier und hier), sollte sich diese Erinnerung für immer konservieren. Uns bleibt nur ein famoses Album.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.06.2007

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