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All Night Long

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All Music Guide (englisch)

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All Night Long
All Night Long, Eleven Seven Music, 2010
Josh Todd Vocals
Keith Nelson Guitars, Backing Vocals
Stevie D. Guitars, Backing Vocals
Jimmy Ashhurst Bass, Backing Vocals
Xavier Muriel Drums, Percussion, Backing Vocals
Produziert von: Marti Frederiksen & Keith Nelson Länge: 43 Min 09 Sek Medium: CD
1. All Night Long7. I Want You
2. It's A Party8. Liberty
3. These Things9. Our World
4. Oh My Lord10. Bliss
5. Recovery11. Dead
6. Never Say Never

Nichts Neues bei BUCKCHERRY. Die Amis kriegen einfach kein durchgängig starkes Album auf die Reihe. Da mögen die Verkaufszahlen zuhause noch so fulminant sein, bei uns wird diese Band bis auf weiteres nur ein Fall für die letzten Fans von GUNS N' ROSES, MÖTLEY CRÜE und die Balladen von POISON, AEROSMITH und Konsorten sein. Da hilft auch nicht, dass für "All Night Long" wieder Marti Frederiksen als Produzent und Co-Songschreiber bemüht wurde und die letzten Reste früheren Alternative-Lärms über Bord geworfen wurden - BUCKCHERRY bleibt eine Möchtegern-L.A.-Kapelle für allesfressende Eighties-Poser.

Dabei fängt "All Night Long" so toll an mit dem erfrischend anspruchsbefreiten Titelsong und dem nicht weniger sinnfreien It's A Party. Das ist prima Hard Rock für die Stunden mit dem Bierkrug in der Hand, mehr braucht man dafür nicht. Ist doch lustig, wenn man mal kurzerhand das Gepatsche von Joan Jetts I Love Rock'n'Roll zitiert und eine zünftige Slash-Gitarre drüberlegt (wer dabei an We Will Rock You denkt, hat zu lange auf dem "Rolling Stone" geschlafen). Aber schon beim dritten Song dürstet man nach Rache an den Songwritern. Derlei Genöle und Breitbandgedudel bekommt man von jedem dritten Clown bei "American Idol" geliefert, da braucht es keine gestandene Band, die ach so stolz auf ihr zehnjähriges Jubiläum in unveränderter Besetzung ist.
Oh My Lord bedient sich wenigstens bei AC/DC, dabei kann man bekanntlich wenig falsch machen, allerdings sind All Night Long und Oh My Lord nicht nur wegen der phonetischen Ähnlichkeit dermaßen austauschbar, dass man den Herren Keith Nelson und Josh Todd den Selbstplagiatpreis 2010 überreichen darf. Entschuldigung bitteschön, so dummdreist hat sich wirklich noch kaum eine ernsthafte Rockband binnen 10 Minuten selbst kopiert. Und nein, nicht mal STATUS QUO würden sich so eine Frechheit herausnehmen.
Recovery wildert in der eigenen Vergangenheit und Never Say Never rockt bis auf den windelweichen Chorus richtig gut. Wem will man mit diesen massenkompatiblen Anbiederungen gefallen? Und für wen sind I Want You und Bliss gemacht? Für die Fans von NICKELBACK, mit denen BUCKCHERRY demnächst auf eine längere Tour gehen? Och, Leute, das ist so durchsichtig und für ernsthafte Rocker inakzeptabel, dass man schon wieder lachen muss ob der Naivität. Da kann Liberty mit einer Slide aufwarten wie es will, man nimmt BUCKCHERRY nicht das Schwarze unter den Fingernägeln ab. Unterm Strich ist das alles nur plumper Stadion-Rock für eine ganz und gar unwissende Jubelmasse. Auch der eigentlich feist drückende Abschlusssong Dead eiert im Refrain wieder in Mainstream-Gefilden umher, dass einem übel werden könnte. Aber hier gibt es wenigstens noch ein richtiges Gitarrengemetzel - welches live erstmal reproduziert werden will. Die Zweifel daran sind in Kenntnis früher Konzertaufnahmen hiermit angemeldet.

Das intelligente Publikum in Europa wird BUCKCHERRY weiterhin misstrauisch gegenüberstehen, da kann in den USA passieren was will. Anzunehmen ist, dass BUCKCHERRY mit der nächsten CD als Classic-Rock-Act angepriesen wird, und das unter Missachtung der Tatsache, dass diese Band nichts als humorfreien Banalrock abliefert und von "Classic" schon aufgrund des Alters weit entfernt ist. Wenigstens einen Funken Selbstironie könnten sich die fünf schwer tätowierten "Rockstars" leisten, die wirklich großen Vorbilder wie beispielsweise KISS tun das schon lange - und überzeugen damit in ihrer offensichtlichen Unehrlichkeit viel mehr als die Nachgeburt. BUCKCHERRY bleibt ein Retortenbaby ohne eigene Identität.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.07.2010


 
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