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Peter Guralnick

Sweet Soul Music

Rhythm & Blues und der Traum von der Freiheit
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Bosworth Music
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All Music Guide (englisch)

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Sweet Soul Music
Sweet Soul Music, Bosworth Music, 2009
ISBN: 3865433219
Umfang: 541 Seiten (Broschiert)
Preis: 29,95 Euro

Peter Guralnick ist vermutlich einer der bekanntesten und anerkanntesten Musik-Chronisten der USA. Liest man über die Geschichte der amerikanischen Musik nach dem zweiten Weltkrieg, stößt man früher oder später auf seinen Namen. Er hat über Elvis Presley geschrieben, über Sam Cooke und Robert Johnson, über Country und eben über Soul.
"Sweet Soul Music" erschien in den USA schon vor mehr als zwanzig Jahren und ist dort fast schon legendär. Zu einer Übersetzung ins Deutsche konnte man sich aber dennoch erst jetzt durchringen: 541 Seiten geballte Soul-Geschichte. Dementsprechend gespannt ließ ich mich darauf ein. Aber es gelang mir nicht wirklich, die allgemeine Begeisterung um dieses Werk nachzuvollziehen. Das liegt sowohl an Guralnicks Zugang, als auch an Stil und Gestaltung.

Irritierend wirkte zuerst die pedantische Fokussetzung: Guralnick definiert zu Anfang sehr genau was Soul ist (beziehungsweise zu sein hat) und zieht harte Trennstriche gegen andere Musikrichtungen (R&B, Rock und so weiter). Später muss er das aber immer wieder aufweichen, weil viele Interviewpartner die Systematik nicht nachvollziehen oder Zusammenhänge unverständlich bleiben. So bildet Elvis Presley natürlich immer wieder einen wichtigen Kumulationspunkt, dessen Wechselwirkung mit den Soul-Künstlern aber immer nur am Rande erwähnt wird - weil er selber nicht Soul war. Zumindest fragwürdig bleibt auch die bewusste Entscheidung nur Künstler aus den Südstaaten einzubeziehen (Soul ohne Motown???).
Nicht nur hierbei hat man das Gefühl, dass die Realität weniger beschrieben als konstruiert werden soll. So werden zum Beispiel Interview-Aussagen von Ray Charles gleich mehrfach korrigiert: Wenn Ray in einem Interview ein bestimmtes Stück als nicht besonders charakteristisch für seine Entwicklung beschreibt, erläutert Guralnick über zwei Seiten, warum es das eben doch ist. Als Ray erklärt, dass er Musik vor allem mit dem Herz macht, korrigiert Guralnick, dass er eigentlich ein recht kühler Perfektionist war.
Die Struktur von "Sweet Soul Music" ist dabei recht verwirrend. Es stellt nacheinander die Biographien verschiedener Musiker vor, die aber dann immer wieder von seitenlangen Erläuterungen der Geschichte einzelner Labels oder anderer Formationen unterbrochen werden. Außerdem neigt der Autor zu einer recht hohen Detaildichte, so dass man von der Aufzählung von Namen von Bandleadern, Musikern, Produzenten, Journalisten, Titeln, Alben, Covern von Titeln, Labels, Verlagen, Städten und Stadteilen hin und wieder etwas überfordert ist. Ein wirkliches Gefühl für die Zeit und die Umgebung kommt dabei nicht auf.
Spannend wird es immer dann, wenn die Künstler und sonstige Musikschaffende selber ausführlich zu Wort kommen, Anekdoten erzählen, ihre Sicht auf die Musik, ihre Entwicklung und Bedeutung darlegen oder erklären wieso und auf welche Art sie welche Einflüsse aufgenommen haben. Die enorme Anzahl dieser Statements und Interview-Auszüge beeindruckt. Sehr gut sind auch die immer wieder eingestreuten Hinweise auf bestimmte Stücke und Alben, die unbekannt oder fast vergessen sind (Sam Cooke und King Curtis, 1963 live im Harlem Square Club, Miami - GE-NI-AL!!!).

Am Ende steht die Frage was dieses Buch sein will: Für ein Nachschlagewerk ist es zu unstrukturiert, für einen Überblick zu umfangreich, für einen Rückblick recht emotionslos, für eine Einführung zu detailliert und zu verwoben um als Interviewsammlung durchzugehen. Also lege ich es nach 541 Seiten erst einmal weg und werde es auch so schnell nicht wieder hervorziehen.

Marius Gastrock, (Artikelliste), 06.10.2009


 
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