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My Soul Sings

Live From G12 Bogota/Colombia
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My Soul Sings - Live From G12 Bogota/Colombia
My Soul Sings - Live From G12 Bogota/Colombia, Furious? Records, 2009
Martin Smith Vocals, Guitar
Stuart Garrard Guitar, Background Vocals
Jon Thatcher Bass, Synth-Bass
Tim Jupp Piano, Keyboards
Paul Evans Drums
Produziert von: delirious? Länge: 72 Min 29 Sek (CD) Medium: CD & DVD
CD:
1. Rain Down8. History Maker
2. God Is Smiling9. Break The Silence
3. God's Romance10. Deeper
4. Hallelujah11. Majesty
5. Bliss12. Kingdom Of Comfort
6. Love Will Find A Way13. Stare The Monster Down
7. All God's Children14. My Soul Sings
DVD:
1. Rain Down8. Break The Silence
2. God Is Smiling9. Deeper
3. Bliss10. Majesty
4. Love Will Find A Way11. Paint The Town Red
5. All God's Children12. Kingdom Of Comfort
6. How Sweet The Name13. Stare The Monster Down
7. History Maker14. My Soul Sings

Ich bin erschüttert! Da existiert eine Band seit 1993, hat im Vorprogramm von BON JOVI (2001) und Bryan Adams (2002) gespielt, sorgt inzwischen rund um den Globus für ausverkaufte Hallen und im Home Of Rock werden sie bisher nicht erwähnt. Die Rede ist von delirious? aus dem Königreich westlich des Ärmelkanals und wahrscheinlich ist die Tatsache, dass es sich um eine christliche Rockband handelt, der Grund, warum sie bisher bei uns noch keine Erwähnung gefunden haben. [Eher sind Jon-Boy Jovi und Bryan Adams, der Strumpfhosenheld, Grund für die bisherige Absenz - wir haben es nicht so mit diesen höllenharten Brutalrockern. Red.]
Wie auch immer und was auch immer der Grund gewesen sein mag, Fakt ist: mit dieser Review über dieses geniale Quintett werden wir sie wahrscheinlich auch zum letzten Mal hier erwähnen, denn die fünf Briten sind auf "Farewell"-Tour rund um den Globus unterwegs.

Bevor ich aber auf das Abschiedsgeschenk eingehe, noch ein paar Infos zu der Band, deren Name wirklich klein und mit Fragezeichen geschrieben wird, wobei das Satzzeichen keinen weiteren Grund hat außer dem, dass einer der Jungs Graphiker ist und es cool fand, den Namen mit diesem Zeichen zu versehen. Gegründet 1993 benannte man sich erstmal nach dem christlichen Jugendevent "Cutting Edge" in Littlehampton, zu dem sie als Band fungierten und bekannte christliche Lieder nachspielten. Aber damit beginnt die Erfolgsstory der Briten um den charismatischen Frontmann Martin Smith. Erste eigene Songs erscheinen auf den Demotapes "Cutting Edge 1-4" (die man inzwischen auch auf CD bekommen kann) und verkaufen sich wie die bekannten warmen Semmel. Drei Jahre später entschließen sich die Herren Martin und Stewart Smith, Stuart Garrard, Jon Thatcher und Tim Jupp, den ursprünglichen Namen in delirious? abzuändern, gründen dazu ihr eigenes Label "Furious? Records" und beginnen mit der Arbeit am ersten kompletten Album "King Of Fools", das 1997 erscheint und in den Britischen Charts bis auf Platz 13 klettert. Die christliche Musikszene wird auf das Quintett aufmerksam, was dazu führt, dass inzwischen Songs wie I Could Sing Of Your Love Forever, History Maker, Majesty oder What A Friend I've Found aus den Liederbüchern christlicher Jugendgruppen nicht mehr wegzudenken sind.
Wer jetzt aber meint, hier wird man mit der üblichen "Jesus-Loves-You-Trallala"-Musik genervt, ist schwer auf dem Holzweg unterwegs! [Man sehe sich nur die Songtitel an... Red.] Die Faszination an delirious?, die tatsächlich weltweit die Menschen in die Konzerthallen unterschiedlichster Größe lockt, liegt einerseits im Tiefgang der Texte als auch in der Musik begründet. Die Texte handeln nicht nur davon, wie lieb uns Gott hat und was wir doch alles für schlimme, schlimme Sünderlein sind, sondern auch davon, dass Christen in dieser Welt eine Verantwortung haben, mit der man entsprechend umzugehen hat. Die Musik hingegen ist sehr nah an den Sound der Iren U2 angelehnt, so dass man den Briten einen entsprechend Erfolg vorhersagte. Gut, soweit ist es nicht gekommen - aber diese Musik ist weit entfernt von dem, was man Sonntagmorgens aus den Kirchen zu hören bekommt. Hier wird mit Sounds gebastelt, die Gitarre darf solieren und rocken, der Bass rumpelt schön begleitend durch die Lieder, das Keyboard füllt das aus, was der Rest der Band an Teppich nicht gelegt bekommt und die Drums hauen den ganzen Tross ordentlich nach vorne - das Ganze in mainstreamige Kompositionen verpackt, es macht einfach Spaß, sich das anzuhören! Und die Jungs sind eine unbestrittene Liveband. Da können sie ihr Charisma und ihre Spielfreude erst richtig ausspielen. Ich selbst hatte leider nur ein einziges Mal die Gelegenheit, die Jungs live zu erleben. Das war im Sommer 2006 im Berliner Olympiastadion, wo sie im Rahmen eines großen christlichen Festivals als vorletzte Band auftraten und drei Lieder zum Besten gaben. Die Gänsehaut, die sich bei ihrem Song Majesty einstellte, ist bis heute noch nicht verschwunden. Das war nicht nur faszinierend, das war ergreifend!!!

Nun sind sie also auf "Farewell"-Tour, weil sich Martin Smith mehr seiner Familie und andern Projekten widmen möchte. Mit dem gleichen Argument verabschiedete sich Anfang 2008 bereits Stewart Smith von den Trommeln und überließ die Sticks Paul Evans.
Damit auch wirklich jeder in den Genuss dieser Abschiedstournee kommen kann, gibt es zum Trost für die, die keine Karten mehr ergattern können, nun diesen Abend aus Bogota, Kolumbien. Wenn man sieht, wie hier 12.000 Fans abgehen, fragt man sich, warum unsere Kirchenvorstände sich das nicht als Lehrvideo für ansprechende Kirchenmusik ins Regal stellen. delirous? klingen nicht nach Orgelmief, hier wird straight nach vorne gerockt, lauthals mitgesungen und einfach nur eine riesige Party gefeiert. Dass die Band dabei showtechnisch nicht hinterm Mond lebt, ist auf der DVD bestens zu sehen. Martin Smith, Mann mit Charisma und dem Charme des netten Lausebengels von nebenan, weiß wie man christliche Musik zelebriert, damit sie Kopf, Herz und die Beine anspricht. Dabei muss er sich stimmlich nicht hinter Bono Vox verstecken, denn diese Stimme ist einfach nur - sorry - göttlich!
Stuart Garrard begeistert mit einem "The Edge"-ähnelnden Spielstil, Tim Jupp legt an den Tasten und Samples die richtigen Akzente zu denen Jon Thatcher am Bass das richtige Fundament baut. Paul Evans gibt die Richtung an den Drums vor und die Crowd vor der Bühne weiß es entsprechend zu würdigen. Das ist musikalisch wie textlich begeisternd und ansteckend.
Mit diesem Package verabschieden sich delirious? nun also und mag es nicht wirklich wahrhaben wollen, wenn sie das letzte Lied erklingen lassen. Aber so ist das nun mal: man hört auf, wenn es am Schönsten ist. Die Briten nutzen die Gelegenheit und geben noch mal einen Überblick über ihr Gesamtwerk, von den Anfängen bis hin zum aktuellen Langeisen "Kingdom Of Comfort" aus dem letzten Jahr. Somit gibt es relativ wenig Überschneidungen zur "Now Is The Time - Live At Willow Creek Chicago"-Veröffentlichung aus dem Jahr 2006. Also heißt es noch mal abrocken und Modern-Worship-Service im heimischen Wohnzimmer feiern, abrocken, mitsingen und wenn sie nach der letzten Verbeugung im Dunkel des hinteren Bühnenbereichs verschwinden, möchte man am liebsten hinterher rennen und sie bitten noch nicht zu gehen. Aber ich vermute, dass sie das mit dem Abschied Ernst meinen, genauso wie mit ihrem Glauben.

Was bleibt zum Schluss? Ein großes DANKE an die Jungs von delirious? für die vielen tollen Songs, die sie geschrieben haben, für ihr unermüdliches Reisen rund um den Globus und für den Beweis, dass Rockmusik immer ihren Platz in den Gottesdiensten haben muss, allen sturen Traditionalisten zum Trotz.
Ich verbeuge mich vor den fünf Herren und hoffe, dass sie ihre Überlegung wahr machen und dieses Jahr doch noch mehr Konzerte in Deutschland spielen, als die beiden bereits absolvierten.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 09.06.2009

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