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Eddie Martin

Contrary Mary

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Contrary Mary
Contrary Mary, Blue Blood Records, 2008
Eddie Martin Acoustic & Electric Guitars, Slide Guitar, Harmonica, Vocals
Marion Dolton Electric & Upright Bass
Michael Wiedrich Drums
Gäste:
Gary Baldwin Hammond B3
Polly James & Nadine Gingell Backing Vocals
Gurmit Singh Doll Drums
Produziert von: Eddie Martin & Joshua J Macrae Medium: CD
1. Contrary Mary6. Give It Time
2. Something About You Baby (I Like)7. Better The Devil You Know
3. Watching The Weather8. Strong For You
4. Month Of Mondays9. Living For The Weekend
5. Beautiful Miracles10. Ingolstadt

Das ist sie also, die neunte Scheibe des "besten Bluesgitarristen seit Clapton". Diesen Hinweis habe ich so oft gehört, dass er mir aus den Ohren hängt. Nun hat es tatsächlich mal eine Zeit gegeben, als Clapton als ziemlich guter Bluesmusiker bekannt war. Allerdings ist der alte Mann inzwischen - na, sagen wir mal - müde und kann deshalb als Vorbild kaum noch herhalten. Zumal es inzwischen Bluesmusiker gibt, denen Clapton nicht das Handtuch reichen kann. Zum Beispiel, um nur einen zu nennen, Eddie Martin. Mir würde also der Vergleich mit dem ehemals großen Meister stinken, aber vermutlich ist Eddie so abgeklärt, dass ihm das egal ist.
Dick Heckstall-Smith sagt, es gibt seit den siebziger Jahren keinen besseren Musiker als Eddie. Das kann man natürlich leicht sagen, wenn man zusammen in der Band gespielt hat. THE GROUNDHOGS hieß die Kapelle, und Eddie gehörte dazu. Aber ob es das Lob denn nun trifft?

Eddie Martin kommt aus London, einer der Kulturmetropolen der Welt, zumindest Englands. Natürlich würde man heute auch Luton oder Reading zu London zählen, wenn er dort geboren wäre. "Contrary Mary" ist allerdings in Bristol aufgenommen worden, über das man sagt:

"Es war ein Computer in Bristol
der schrieb nächtens diese Epistel:
Mein Kernmagnetspeicher
wird weicher und weicher,
vor Sehnsucht, geliebteste Christel."

Aber das nur nebenbei. Eddies Vorbilder waren auch eher selten englische Blueskünstler, sondern vielmehr solche, die Texas- oder Chicago-Einflüsse transportierten. Er mochte den Sound von T-Bone Walker, Lightning Hopkins und Muddy Waters. Pete Brown brachte ihm das Slide Guitar-Spiel bei und seitdem benutzt Eddie Martin auch dieses. Zum Beispiel bei Contrary Mary. Er singt und slidet dazu im Chor. Das klingt klasse, macht aber das Klangbild streckenweise dünn. Und das im ersten Stück auf einer CD? Na ja, Eddie muss es ja wissen.
Something About You Baby (I Like) wird dann auch gleich voller und runder. Polly James und Nadine Gingell singen eine ordentliche zweite Stimme, das gibt zusätzlich Dampf. In Watching The Weather kommt die Harp zum Einsatz. Ich hab noch nie gehört, dass jemand so gut Gitarre und zugleich Harp spielen kann. Ob da nicht gedupt [das ist mindestens ostwestfälisch! Red.] wurde?
Give It Time ist ein Walking Boogie. Mittendrin bricht er ab, der Bass läuft weiter und die Leadgitarre spielt leise darüber bis plötzlich die ganze Gruppe wieder einfällt und das Stück gemeinsam zu Ende bringt.
Etwas albern ist das Stück Ingolstadt. Obwohl Eddie Martin durchaus mit großem Erfolg in Deutschland gespielt hat, singt er "Wie never cross the bridge to Ingelstett" und "Ingelstett - no coming back". Wenn er jemals nach Ingolstadt kommt, kann er nur hoffen, dass dieser Text inzwischen vergessen ist, sonst regnet es faule Eier gegen einen, der es eigentlich nicht verdient hat.

Eddie Martin ist ein guter und vielseitiger Blueser, den ich gerne mal live erleben möchte. "Contrary Mary" ist sicher nicht seine beste CD.

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 18.07.2008

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