|
|
| Black Masses, Rise Above Records, 2010 |
| Justin Oborn |
Guitar & Vocals |
| Liz Buckingham |
Guitar |
| Tas |
Bass |
| Shaun Rutter |
Drums |
| Produziert von: Liam Watson |
Länge: 59 Min 06 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Black Mass | 5. Satyr IX |
| 2. Venus In Furs | 6. Turn Off Your Mind |
| 3. Night Child | 7. Scorpio Curse |
| 4. Patterns Of Evil | 8. Crypt Of Drugula |
 |
Doom Metal ist sicher kein Hort der gesteigerten Lebensfreude, auf ein fröhliches Halali wartet dabei zwar niemand, wenn aber doch, dann vergebens. Trotzdem gibt man sich als mit BLACK SABBATH aufgewachsener Mensch immer mal wieder gerne den Enkeln der Ur-Doomer hin. Warum? Weil Doom manchmal urgewaltig groovt und weil Doom die vielleicht letzte Musik ist, die noch wirklich ein paar Spießer erschrecken kann. Wohlgemerkt, die Musik kann den drögen Karl-Heinz im Feinrippunterhemd erschrecken, über so manche Doom-Musiker darf ruhig ein jeder ein bisschen erschrocken sein.
Justin Oborn, der Gründer und Chef von ELECTRIC WIZARD ist so ein Vogel, dem man nach der Einfuhr seiner Platten gerne ein Wellness-Wochenende für Geist und Körper spendieren möchte. Die krude Gedankenwelt, die sich seit mittlerweile 17 Jahren und 6 CDs mitsamt den ultradoomigen Klanglawinen über den Zuhörer ergießt, scheint durchaus ein Fall für die Couch zu sein. Zwar versteht man kaum einen Text, aber wenn man sie liest oder die Eigen"werbung" der Band betrachtet, darf man sich einiges fragen. Ob da ein paar Spinner kiffen oder Bong rauchen, wenn juckt das schon, aber all die Metaphern von Horror, Drogenspaß, Satanismus und verfassungsfeindlichen Symbolismen sind grenzwertig. Und ganz ehrlich gesagt, sie zeugen nicht unbedingt von der gesteigerten Intelligenz des englischen Provinzfinsterlings. Egal, wie viel Satire in dem ganzen Luzifer-Mumpiz enthalten ist, mit gewissen Dingen spielt man einfach nicht.
Die Musik von ELECTRIC WIZARD kann einen hingegen durchaus faszinieren. "Black Masses" ist wieder ein (beinahe) maximal heftiger Angriff aus der Zwischen- und Untergrundwelt des Doom Metal, kann aber speziell mit dem vorletzten Album "We Live", das ein echtes Statement war, nicht mithalten.
Wie bei ELECTRIC WIZARD üblich, wurde auch diesmal ausgesucht antiquarisches Studioequipment verwendet, was zum gewohnten - und gewünschten - Sounddesaster führt. Man kann das charmant finden, man darf sich allerdings auch gerne fragen, ob diese Retro-Koketterie nicht eigentlich handwerkliche Mängel kaschieren soll. Analog ist toll, aber analoger Soundschrott bleibt Soundschrott. Andererseits ist der Tontechniker und Produzent Liam Watson mit seinem ToeRag Studio bekannt für analoge Aufnahmetechnik und hat dafür sogar schon einen Grammy kassiert, also wird es wohl am Songmaterial liegen, warum "Black Masses" nur zur Hälfte explodiert.
In der Tat ist es so, das zu wenig Geräusch im Gehirn hängen bleibt, um "Black Masses" zu einem Pflichtwerk zu machen. Im Ohr bleibt hingegen viel hängen, vor allem kaputte Trommelfelle. "Black Masses" mangelt es an Riff-Erdrutschen, an Struktur und an Ideen. 60 sehr lange und leider auch sehr gleichförmige Minuten schleppt sich das Böse dahin, gibt dem Guten aber keine Chance zum fairen Kampf. Will sagen: Wenn man kurz vor Mitternacht mit "Black Masses" in den Kopfhörern einschläft, kann die Bösartigkeit so dramatisch nicht sein. Familien-Doom ist das zwar deswegen noch lange nicht, aber Originalität schreibt sich anders.
|