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Clapton

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Clapton
Clapton, Reprise Records/Warner Music, 2010
Eric Clapton Vocals & Guitars, Mandolin
JJ Cale Guitar & Vocals
Doyle Bramhall II Guitar, Hi Hat, Percussion, Vocal Arrangements
Derek Trucks Guitar, Slide Guitar
Greg Leisz Pedal Steel Guitar
Willie Weeks, Chrias Severan Bass, Upright Bass
Jim Keltner, Abe Laboriel, Jr., Jeremy Stacey, Herman Labeaux Drums & Percussion
Walt Richmond Hammond Organ, Piano, Wurlitzer
Allen Toussaint Piano
James Poyser, Paul Carrack, Sereca Henderson Hammond Organ
Wynton Marsalis Trumpet
Kim Wilson Harmonica
Shery Crow Vocals (Diamonds Made From Rain)
u. a.
Produziert von: Eric Clapton & Doyle Bramhall II Länge: 62 Min 05 Sek Medium: CD
1. Travelin' Alone8. That's No Way To Get Along
2. Rocking Chair9. Everything Will Be Alright
3. River Runs Deep10. Diamonds Made From Rain
4. Judgement Day11. When Somebody Thinks You're Wonderful
5. How Deep Is The Ocean12. Hard Times Blues
6. My Very Good Friend The Milkman13. Run Back To Your Side
7. Can't Hold Out Much Longer14. Autumn Leaves

Ach ja, Eric Clapton hat eine neue Platte mit dem aufschlussreichen Namen "Clapton". Man könnte das abtun und sagen: Für die Welt des Rock & Roll ist diese Nachricht so unwichtig wie jedes andere Werk des Steinzeitgitarrengottes seit "Just One Night" von 1980, dem letzten kreativen Lebenszeichen des damals "Slowhand" genannten Engländers. Er hat schauderhafte Platten seither eingespielt, er ging durch elendigliche Drogenhöllen und private Desaster, aber er war immer ein Superstar, auch wenn seine Musik niemals mehr an die Großtaten der Sechziger und Siebziger heranreichte. Wie hätte sie auch sollen, der Mann hat ja nie etwas erfunden, er war in seinen besten Momenten einfach nur ein genialer Interpret, entsprechend gingen ihm irgendwann die Ideen aus und er konnte sich nur noch wiederholen beziehungsweise seine Einflüsse mehr oder weniger ansprechend zitieren. Und so viele Inspiratoren hat er nicht. Vom Blues abgesehen wären da noch der Blues und der Blues zu nennen. Zur allgemeinen Überraschung hat er die Palette diesmal um die ganz und gar artfremden Herren Jazz und Swing erweitert, damit sich Grandpa Blues nicht so einsam fühlt. Und er hat seinen bekannt arbeitswütigen Kumpel JJ Cale aus Tulsa einfliegen lassen, weil eigentlich…

Eigentlich wollte Clapton etwas wie "The Road To Escondido - Part 2" machen. Aber der Urvater der Schrulligkeit hatte nach ein paar Tagen keine Lust mehr und fuhr heim. Grandiose Vorstellung: Cale murmelt beim Frühstücksei etwas wie "Mmmh, well, going home after breakfast, thanks for the nice suite you payed", und zurück bleibt ein konsterniert dreinblickender Blues-Beamter mit ein paar halb fertigen Songs. Nach den bis auf die Pinkelpausen akribisch durchorganisierten Auftritten mit Steve Winwood in den letzten zwei Jahren muss es unseren Gentleman darob schier aus dem Armanianzug gehoben haben.
Guter Rat ist in solchen Fällen zwar teuer, ab das spielt bei Erich dem Steinreichen selbstverständlich keine Rolex, also wurde die Blues-Champions-League kontaktiert und flugs ein Hochglanz-Album eingespielt, das - jetzt kommt's! - in seiner Art tatsächlich großartig ist.
Jeder, der diese "Art" nicht mag, hat des Rezensenten vollstes Verständnis, aber neben der obligatorischen Grammy-Nominierung und geschätzten drei Millionen weltweit verkauften Einheiten verspricht (und hält) "Clapton" vor allem eines: Stil. Es mag alles glattgebügelt sein wie es will, aber wenn sich das Allstar-Orchester durch beispielsweise Cales River Runs Deep schmurgelt, geht einem das Herz auf. Spießerherz? Mag sein, aber zwischendurch mal ein Kalbsfilet auf Pfifferlingsschaum schmeckt auch dem schlimmsten Rocker.
Apropos Orchester. Neben den vor diesem Text zu lesenden Großmeistern hat sich Clapton tatsächlich auch ein echtes Orchester geleistet, das berüchtigte LONDON SESSION ORCHESTRA nämlich. Windelweich bis an die Schmerzgrenze, aber eben auch steinerweichend schön. Und was könnte man gegen die Besetzung JJ Cale, Jim Keltner, Doyle Bramhall II und Willie Weeks einwenden? Oder gegen Allen Toussaint und Wynton Marsalis? Nicht mal Derek Trucks ist grundsätzlich zu verteufeln. So einen Auftrieb von Weltklassemusikern gibt es eben nur bei Legenden wie Clapton oder BB King, falls der auf derlei Lust hätte.

"Clapton" schmalzt sich auf Teufel komm raus durch seine Stunde alter bis uralter Songs, ist von jeglicher Innovation und jedwedem Zeitgeist so weit entfernt wie Rot-Weiss Essen vom Profifußball, besitzt aber immerhin Klasse. Einmal, bei Run Back To Your Side, geht sogar beinahe die Post ab, wenn sich Clapton, Bramhall und Trucks ein gepflegtes Gitarren-Schachspiel mit rochierenden Figuren liefern. Und Sheryl Crow darf zu Diamonds Made From Rain säuseln. Da wird es allerdings auch dem wohlwollendsten Kritiker zu arg.
Zum Weihnachtsgeschäft 2010 legt Slowhand also eine super slowe Hand vor. Man könnte "Clapton" als reaktionäre Untat bezeichnen - oder als hübsches Perlchen. Beides kann man nicht besser machen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.09.2010


 
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