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Live From Radio City Music Hall

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Live From Radio City Music Hall
Live From Radio City Music Hall, SPV/Steamhammer/Rhino Entertainment, 2007
Ronnie James Dio Vocals
Tony Iommi Guitar
Geezer Butler Bass
Vinny Appice Drums
Produziert von: Barry Ehrman; Gloria Butler, Wendy Dio & Ralph Baker Länge: 116 Min 06 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. E5150/After All (The Dead)5. I
2. The Mob Rules6. The Sign Of The Southern Cross
3. Children Of The Sea7. Voodoo
4. Lady Evil8. The Devil Cried
CD 2:
1. Computer God5. Heaven And Hell
2. Falling Off The Edge Of The World6. Lonely Is The Word
3. Shadow Of The Wind7. Neon Knights
4. Die Young

Warum HEAVEN & HELL und nicht BLACK SABBATH, hat inzwischen jeder mitbekommen. Warum sich die Recken Iommi, Dio, Butler und Appice allerdings überhaupt noch einmal zusammengetan haben, darf hinterfragt werden. Die monumentale LP "Heaven And Hell" ist 27 Jahre alt, das heute hoch gelobte und unnötig verklärte Album "The Mob Rules" 26 Jahre (unmöglicher Sound, damals von Martin Birch verbrochen), das vorläufig finale "Live Evil" war 1982 lieb- und leblos und "Dehumanizer", die temporäre Reunion von 1992, war ein kompletter Sockenschuss.
Vinny Appice war auf den drei letztgenannten dabei, also haben wir es, rein veröffentlichungstechnisch gesehen, nur mit der drittbesten SABBATH-Inkarnation zu tun (Platz 1. mit Dio und Butler auf "Heaven & Hell", 2. grundsätzlich alles mit Ozzy, 3. mit Dio und Appice, 4. mit Ian Gillan, 5. mit allen anderen).
Realistisch betrachtet sieht das natürlich etwas anders aus, denn Appice kann Bill Ward trotz völlig unterschiedlichem Stil durchaus ersetzen, und Ronnie James Dio, na ja, wer möchte ihn anzweifeln, egal ob bei ELF, RAINBOW, solo, oder nun eben bei HEAVEN & HELL. Einer der wenigen Giganten, der seine Extraklasse über all die Jahre halten konnte.

Trotzdem und noch mal: Warum HEAVEN & HELL, warum "Live From Radio City Music Hall"?
Die simpelste Lösung dürfte sein, dass die Herren es einfach nicht sein lassen können, denn am Kleingeld wird's nicht liegen und die Nachfrage aus Fankreisen wird auch nicht so dringend gewesen sein.
Es war ihnen also ein Anliegen. Und sie haben doch tatsächlich mit The Devil Cried und Shadow Of The Wind auch noch zwei neue Songs am Start, die zwar auf der Compilation "The Dio Years" schon vertreten waren, aber dennoch den Geruch des Nostalgietrips deutlich mildern. The Devil Cried entwickelt etwa 12 Bar Druck, endet aber leider mit einem überflüssigen Schlagzeugsolo, Shadow Of The Wind hat das Zeug zum Doom-Klassiker.
Tatsächlich problematisch für dieses Doppelalbum ist letztendlich nur, dass ganz einfach nicht genügend erstklassiges Songmaterial aus der gemeinsamen Vergangenheit zur Verfügung steht. Wohlgemerkt, es werden nur Nummern aus der Dio-Ära gespielt. Was 1981 oder 92 nicht gut war, wird über Jahrzehnte nicht besser. Da mag man sich in der Zusammenstellung der Setlist noch so Mühe geben, I oder Falling Off The Edge Of The World waren und bleiben nur die weniger langweiligen Nummern zweier mäßiger Platten. Geezer Butlers auf "The Mob Rules" im Soundmampf untergegangenes Voodoo rockt nun allerdings beträchtlich.
The Mob Rules war als Titelsong der zweiten Studio-LP die einzige Nummer, die mit den Geniestreichen von "Heaven And Hell" mithalten konnte, entsprechend brummt es auch hier. Children Of The Sea und Lady Evil stammen von dieser Platte und werten die erste CD dieses Doppelalbums natürlich auf. Allerdings klingen BLACK SABBATH 2007 dann doch etwas zu gesetzt, so richtig mag die Kompromisslosigkeit von damals nicht mehr durchscheinen. Am frischesten kommt tatsächlich Geezer Butler mit seinem Bassgewummer daher, der Rest, inklusive Iommis ohne Frage eindrucksvoller Gitarre, klingt verdammt routiniert. Das ist nicht das größte Lob, das man den Erfindern des Doom aussprechen kann. Interessant kommt noch The Sign Of The Southern Cross, weil wiederum Butler blubbernde Akzente setzt.

Die zweite CD groovt deutlich besser. Computer God war der Höhepunkt auf "Dehumanizer", Shadow Of The Wind ist oben schon erwähnt und die letzten vier Songs stammen allesamt von "Heaven And Hell". Das sind Höhepunkte der Rockgeschichte, nicht umzubringen, schon gar nicht von dieser Band. Aber auch hier kann man kritteln. So erscheint Die Young etwas atemlos, irgendwie nicht adäquat der eigenen Vorgabe. In der Konzerthalle zu New York mag das nicht weiter aufgefallen sein, schließlich konnte man sich einem rauschhaften Konzert hingeben, auf Konserve klingt Dio allerdings wie auf der Flucht vor sich selbst.
An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, dass der Auftritt in identischer Form auch auf DVD veröffentlicht wird, und man darf davon ausgehen, dass das Erlebnis in Bild und Surround-Ton mindestens 30% mehr Emotionen weckt, schließlich war das Bühnenbild bei der gesamten Tour höchst eindrucksvoll und die Ausführenden sind natürlich qua Anwesenheit eine Augenweide. Schade, dass man Dio auf der CD bei Heaven And Hell nicht dirigieren, demagogisieren, Massen manipulieren sieht. Trotzdem, wenn nach 11 Minuten "Vorspiel" endlich der eigentliche Heaven And Hell-Sturm losbricht, hat der etwas ältere Fan ohne Zweifel ein massives Déjà-vu.
Als potentieller Nörgler könnte man anstatt von Lonely Is The Word noch Wishing Well einfordern, oder besser noch zusätzlich, dann wäre das komplette Album endlich live erhältlich. Dafür gibt es mit dem abschließenden Neon Knights nicht nur ein Wunderwerk sondern auch eine entfesselte Neuinszenierung.

Ja, das ist wohl das Problem dieser an und für sich wunderbaren Doppel-CD: Es fehlt über weite Teile die Hemmungslosigkeit, Kalkül steht dem völligen Rock-Delirium vor.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.08.2007

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