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Herman Rarebell & Band

I'm Back!

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I'm Back!
I'm Back!, Mausoleum Records, 2007
Herman Rarebell Drums, Percussion, Vocals
Stefan Erz Vocals
Claudia Raab Saxophone
Thomas Perry, Jens Peter Abele Guitar & Bass
Winnie Thomaschewski, Horst Luksch, Wiggi Raab, The Mystery Man Guitar
Randy Bauert Bass
Marquis de Schoelch, Tom Heinrich Stumpf Keyboards
Produziert von: Herman Rarebell Länge: 49 Min 15 Sek Medium: CD
1. Take It As It Comes8. Backattack
2. Don't Lose Your Trust9. Rock You Like A Hurricane
3. Rough Job10. Wipe Out
4. Let Me Rock You11. Drum Dance
5. Your Love Is Hurting12. I'm Back
6. Freak ShowBonus Track:
7. Heya Heya13. Your Love Is Hurting (Radio Version)

Nur etwa 236 Jahre nach seinem ersten und letzen Soloalbum "Herman ze German", auch bekannt als "Nip In The Bud", kommt einer zurück, den man eigentlich gar nicht mehr auf der Liste hatte: Herman Rarebell, der frühere Schlagwerker unserer liebsten Hohn- und Spottband BON JOVI, ach, den SCORPIONS. Man könnte an dieser Stelle ohne weiteren Umweg mit den üblichen Ätzsprüchen einsetzen und "I'm Back!" mit Schulterzucken und einem finalen "who cares?" ins Belanglosigkeitenkämmerchen abschieben. Tun wir aber nicht und setzen uns kritisch reflektierend mit Hermans kleinem Projekt auseinander.

Zuerst mal muss man feststellen, dass Rarebell ganz offensichtlich doch ein Echter ist, denn ansonsten käme er nicht nach so vielen Jahren wieder daher und vor allem nicht mit dieser Musik. Dann muss man konstatieren, dass die Rarebellsche Evolution eindeutig vor mehreren Jahrzehnten abgeschlossen wurde. Und man vermerkt angenehm berührt, dass einem geborenen Haudrauf der (dritte) Zahn der Zeit nichts anhaben kann. Hier wird gerockt wie damals, als das Haar noch nicht friedhofsblond eingefärbt war. Sapperlot.
Zur Unterstützung hat Rarebell eine zahlenmäßige Fußballmannschaft ins Studio geholt. Unter anderem mit dabei sind Horst Luksch, den wir im HoR bereits lobend erwähnen durften, und Wiggi Raab, manchen Kennern von HEILIG bekannt. Dazu Rarebells Frau Claudia Raab, die seit Jahren und auch hier einen ganz hervorragenden Job am Saxophon macht. Außerdem eine handvoll Gitarristen, inklusive dem ach so geheimnisvollen Mystery Man. Hatten wir doch so ähnlich auch schon auf "Herman ze German". Da war es dann irgendwer aus dem DOKKEN-Lager.
"I'm Back!" ist stockkonservativer Hard Rock, ohne jeglichen Trend zur Moderne. Aber, und das muss man Rarebell hoch anrechnen, die 12 Songs, bis auf einen allesamt aus fremder Feder, erreichen fast durchgehend gehobenes Partyniveau. Beim schwindsüchtigen Gesamtzustand dieses Altherrengenres - und dem noch schlimmeren der ehemaligen Brötchengeber im Speziellen - ein beachtliches Ergebnis.

Der olle JERONIMO-Hit Heya Heya macht trotz Kinderchor eine eben so gute Figur wie das noch ollere Wipe Out mit dem erwähnten Mystery Man an der Gitarre und, man höre und staune, die ziemlich gelungene Neubearbeitung des ungefähr letzten SCORPS-Krachers Rock You Like A Hurricane - nur der anfängliche Sprechgesang erinnert schwach an DJ Bobo, den ollen Satanisten. Das haben die Herrschaften schon mal astrein hingekriegt.
Wipe Out und der folgende Drum Dance sind die beiden obligaten Schlagzeuger-Selbstverwirklichungstherapieminuten. Ein bisschen Beckenrütteln und TomTom-Schütteln, dabei aber jederzeit in echter Liedform. Ebenfalls gelungen. Letzteres wurde irgendwann von Pete York mitverfasst.
Überraschend kommt die Raab/Raab-Komposition Backattack. Fetziger Roots Rock, wie man ihn eher von Huey Lewis in Bestform erwarten würde, sogar mitsamt Mundharmonika. Aus ähnlichem Holz ist Rarebells I'm Back gehobelt. Ein simpler Springsteen-Mitsingrefrain, leicht westküstliche Grundstimmung, schön.
Die beiden Einstiegsnummern und später Let Me Rock You sind knackige und jedes Klischee erfüllende Knallbumm-Hardrocker, bei denen Claudia Raab echte Akzente setzen kann (zumindest bei den beiden ersten). Zu Don't Lose Your Trust kommt einem der amüsante Gedanke, wie wohl AC/DC mit einer Blechkanne klingen würden. Zumindest optisch hätte Angus überhaupt keine Chance.
Immer wieder auffallend ist Sänger Stefan Erz. Der Mann kann richtig gut singen, shouten und phrasieren und nervt dabei so gut wie nie. Nur im Telefonsex-Song Rough Job übertreibt er es leicht mit den hohen Tönen. Und der Text, "guide me to the highpoint", na ja.
Die nicht zu vermeidenden Balladen Your Love Is Hurting und Freak Show muss man nicht mögen, kann man aber. Your Love Is Hurting taucht als angehängte Radio-Bonus-Version zweimal auf, allerdings hätte der Radio-Edit alleine absolut ausgereicht.

Trotz dem personellen Gemischtwarenladen hat Rarebell eine tatsächlich gelungene CD zustande gebracht. Das mag den einen oder anderen Lästergott überraschen, mich persönlich auch, aber Ehre wem Ehre gebührt, der Drummer mit dem leicht angestaubten Ruf hat gute Arbeit geleistet. Herman darf bleiben, wird nicht zurück in die Versenkung geschickt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.04.2007

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