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| hYdroniKa, Eigenvertrieb, 2006 |
| Antiniska "Anty" Niri |
Vocals |
| Mario "Velano" Fava |
Lead Guitar |
| Ciro "Butan" Niri |
Rhythm Guitar |
| Davide "Dr. Key" Gambardella |
Bass |
| Andrea "The Hole" Falco |
Drums |
| Produziert von: hYdroniKa |
Länge: 43 Min 02 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Buio | 6. Mondi lontani |
| 2. Tutto come me | 7. Forma nuova |
| 3. Folle nostalgia | 8. Anima plastica |
| 4. Stira la mente labile | 9. Fame chimica |
| 5. Vortice | 10. Respiro (Psaiko) |
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So, si, endlich mal wieder was aus Italien. Dem Münchner wird bekanntlich sowieso ein latenter Hang zu Italien nachgesagt, und seit wir (Münchner) ab den Siebzigern wenigstens den Norden dieses schönen aber seinerzeit steinzeitlichen Landes frucht- und bewohnbar gemacht, also als wir alles Brachland südlich von Bozen bis etwa Venedig mit nie mehr enden wollendem D-Mark Reichtum und Pommes Frittes zugeschissen haben, hat sich auch kulturell vieles getan. Wo noch Wochen vorher Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe in römischen Amphitheatern stattfanden, wetteiferten plötzlich Sänger in San Remo, lernten Straßenkinder von Helmut Haller und Kalle Rummenigge Fußballspielen, gewandeten sich biedere Hausfrauen über Nacht mit teurem Tuch und echten Schuhen. Wir wollten für all dies keinen Dank, dass man aber heute am Strand von Caorle mit käsigen Holländern und dumpf riechenden Engländern um die eineinhalb Quadratmeter künstlich aufgeschütteten Strand streiten muss, hätten uns die Italiener ersparen können. Was haben wir ihnen denn nicht alles gebracht. Nudelgerichte, fränkischen Wein, Wurstel con Krauti, sogar unsere Pferde exportieren wir, damit die dort ihre Cavallo-Salami daraus machen können. Spumante ist der Welten Lohn.
Eines haben die Italiener allerdings verdammt gut gelernt: wie man anständigen Rock & Roll macht nämlich. Was in den letzten 5, 6 Jahren an großartigen Pesto-Rockern über den Brenner kam, erinnert in seiner Frische und Unbekümmertheit an Zeiten vor 1980, als schlagartig Horden junger Briten gitarrenschwingend über den Kanal schwammen. Mag die Szene in Italien noch so klein sein, sie zu beobachten macht großen Spaß. Und diesmal haben wir es mit einer Band aus Neapel zu tun. Eine der grandiosesten Städte Südeuropas, jedoch nicht unbedingt als Capitale der Rockmusik bekannt.
hYdroniKa gibt es seit drei Jahren, es handelt sich besetzungstechnisch um einen klassischen Fünfer, wobei der Rhythmusgitarrist live auch die Keyboards bedient, und alle sind mehr oder weniger unter 30.
Ausgewählte Testfrauen haben übereinstimmend bestätigt, dass die vier Buben ausgesprochen knusprig wären. Tja, ihr könnt sie haben (wahrscheinlich sind sie eh wahnsinnig klein), il giornalista bavarese kümmert sich um Fräulein Antiniska, welche Sängerin der Kapelle und nicht nur angemessen attraktiv, sondern auch stimmlich auf der Höhe ist. Hat das Mädel Augen.
Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen modernem und klassischem Rock, hat ein paar Pop-Einwürfe, drei bis sieben progressive Anwandlungen und durchgehend einen großen Eimer Eingängigkeit weit abseits von alternativer Schrammelmusik.
Dass die Band in ihrer Entwicklung noch nicht fertig ist, kann man an der fehlenden Stringenz erkennen; ein oder zwei Stil-Sprünge weniger würden eventuell zur Beruhigung des Hörers beitragen. Andererseits haben sie alles drauf, überzeugen technisch an allen Fronten. Eine junge Band will eben zeigen was sie kann.
Was man allerdings keinesfalls verschweigen darf, ist der Sound dieses Erstlings. Napoli scheint nicht gesegnet mit Tontechnikern, dass es nicht zu den reichsten Städten der Welt zählt weiß man ohnehin. So fehlerfrei und tight die Band zockt, so fragil erscheint die Aufnahmetechnik. Um es zu werten: Guter Demosound, in dieser Form nicht für weltweites Airplay geeignet, Freunde guter und italienischer Rockmusik werden es zuhause jedoch schmerzfrei genießen können.
So tut ein treibender Rocksong wie Tutto come me einfach gut. Kein Elfengesang, jedoch durchaus das Wissen um zeitgenössische Eskapaden diverser höchst erfolgreicher - meist skandinavischer - Ladies, allerdings reduziert um deren Pathos und angereichert mit einer vollen Ladung l'emozione. Die Versuche germanischer Mai-, Juni-, Julikäfer-Hübschies werden sowieso ad absurdum geführt. Stira la mente labile ist Rockmusik, da kommen "unsere" Süßen einfach nicht mit, es fehlt bei denen vorne und hinten und in der Mitte sowieso. Möglicherweise hilft auch das fehlende Textverständnis, wer weiß schon so genau was "Buona pace silenziosa - La pistola ormai è caduta - Il vincente non ha voce - Chi ha perduto non è chiaro - Resta il tempo di guardare - La caduta di Babele - Se non fosse che stamane - Ho ben altro a cui badare" bedeutet [na, hilft uns an dieser Stelle unsere "Redaktionsputze"?]. Klingt aber wundervoll, mitsamt den schicken Gitarren. Oder Fame chimica, wohl die heftigste Nummer der CD, da skandiert die überraschenderweise nicht blonde Sängerin irgendwas erotisches. Klingt jedenfalls so.
In Forma nuova faucht es zwischendurch leicht beängstigend, der schöne Chorus und das ebenso gelungene Gitarrensolo nimmt die Aggression am Schluss wieder heraus. Leg dich nie mit einer Neapolitanerin an!
Den Rausschmeißer Respiro könnte man zwei Minuten lang für eine Art italienisches Chanson halten, bevor dann ein Ausbruch des Vesuv für ein hitziges Ende sorgt. Frau Antiniska schreit dabei beachtenswert durchs Telefon. Päng. Geil.
Ausdrücklich: Wir haben es hier nicht mit dem perfektesten Debüt des Jahres zu tun. Aber mit einer hart arbeitenden Band, die ihre Leidenschaft mehr als deutlich zeigt. Gute Musiker, gute Songs, wirkungsvolle Umsetzung, mediokrer Klang. Wenn die so weitermachen. no limits. Fans von Italien und/oder Sängerinnen sind sowieso zwangsverpflichtet. Pasta!
Der Erwerb dieser CD ist für Mainstream-Kunden nicht ganz einfach. Entweder über die Band direkt, oder über den kleinen italienischen Mailorder Your Indie CD. Alle anderen wichtigen Links sind wie üblich links zu finden.
P.S.: Prompt hat sich Fräulein Galliani über die Texte gemacht und kam zum Schluss, dass der oben zitierte Auszug eher nicht der Hit wäre: "Schön dieser ruhige Frieden - die Waffen gestreckt - der Sieger sprachlos - wer verloren hat ist nicht klar - es bleibt abzuwarten - der Sturz von Babel - wenn er nicht heut früh geschehen wäre - hätte ich andere Dinge zu tun." Dafür kommt Stira la mente labile gut: "Bügel den schwachen Geist".
Danke!
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