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Mambo Sons

Heavy Days

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Heavy Days
Heavy Days, Omnicide Records, 2009
Scott Lawson Lead & Harmony Vocals, Bass, Jaw Harp, Harmonica, Percussion
Tom Guerra Guitars, Backing & Lead Vocals, Lap Steel Guitar, Percussion, Bass
Joe "The Cat" Lemieux Drums & Grooves, Backing & Co-Lead Vocals, Percussion
Gast:
Matt Zeiner Hammond, Oiano, Clavinet, Wurlitzer
Produziert von: Tom Guerra Länge: 65 Min 57 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. She Just Wants To Ride6. Everyday (Brighter Times)
2. The Only Woman7. Love Is Strange
3. Blues For Zanny8. Single City
4. The Early Train9. The Devil's Kin
5. Overend Watts10. Heavy Days
CD 2:
1. Ince In Awhile6. All Men Are Pigs
2. I Love My Family7. Song For A Rugger
3. You Got Me Fallin'8. Stone Free (Live)
4. Waiting For My Ship To Come In9. A Fifth Of Twelve
5. Friday Night Wine10. So Wonderful

Im Gespräch mit Kollegen hört man oft Klagen, dass doch ach so viel Mist weggeschrieben werden müsste und die Rockmusik eigentlich gar keine spannenden Momente mehr bietet angesichts all der gesichts- und konturlosen Massenware. Nun ja, bis zu einem Punkt kann man das nachvollziehen, andererseits muss den Herrschaften gesagt werden, dass sie selbst schuld an ihrer Malaise sind, denn wer schon immer nur über Massenware berichtet hat, darf sich nicht beschweren, wenn er Zeit seines Schreiberlebens als willfähriges Objekt eben jener längst zur Reproduktionsmaschine verkommenen Industrie benutzt wird. Was wurden echte Herzblut-Rock'n'Roller von dieser Buchstabenschickeria vor 30, 20 und 10 Jahren verlacht, nur weil sie sich nicht dem Massengeschmack beugen wollten und entweder weiter ihre "altmodische" Musik machten oder über diese berichteten.
Jetzt haben die Besserwisser den Salat, denn die Herzblut-Musik kommt heute von und zu denen, die sich nicht von Alternative, Grunge und sonstigen Modeerscheinungen kaufen ließen, sondern einfach nur immer weiter an die Kraft und Anarchie im Rock & Roll und im Business glaubten. Die einen müssen heute zum nächsten saftlosen Konzert einer absurd überteuerten Rentnerband öde Texte verfassen (dafür gibt's Schnittchen am Journalistenbuffet), die anderen quälen sich durch den 763. Melodic-Rock-Aufguss des Jahres und die dritten… tun auch was sie immer getan haben: Spaß haben nämlich!
Tom Guerra ist einer von diesen Spaßhabern. Seit beinahe 30 Jahren ist er als Gitarrist unterwegs, man kommt um ein Grinsen nicht herum, wenn man liest, dass er sozusagen von Mike Varney "entdeckt" wurde, seine Platten mit den DIRTY BONES (aka The Dirty Bones Band, The Dirty Bones Blues Band) sind heute Raritäten (und gut dazu) und seine "neue" Band MAMBO SONS entspricht seinem Naturell. It's only Rock & Roll but he likes it. Ganz nebenbei ist Tom Guerra ein veritabler Musikbeschreiber. Er arbeitet für Gitarrenmagazine und interviewt Leute wie J. Geils oder Johnny Winter, für den er auch die Liner Notes für den vierten Teil der "Live Bootleg Series" verfasste. Ist so einer wohl ausgebrannt und müde?

MAMBO SONS ist kein neues Projekt, seit 1999 gibt es vier CDs. Die erste Scheibe erschien noch als Duo Guerra/Lawson mit Hilfe von Leuten wie Rock Derringer und Kenny Aaronson, die nächste, "Play Some Rock & Roll!" (2002), als Band im Quartettformat, und die dritte letztendlich in der bis heute bestehenden Besetzung Guerra/Lawson/Lemieux unter dem Namen "Racket Of Three" im Jahr 2005. Ein Schelm, wer bei "Racket Of Three" an Steve Marriotts "Packet Of Three" denkt.
Der aufgrund seiner vielfältigen journalistischen und musikalischen Betätigung mit 100&iger Sicherheit völlig inspirationslose Tom Guerra hat mit den MAMBO SONS soeben ein viertes Album namens "Heavy Days" veröffentlicht. Mangels Kreativität wurde es ein Doppelalbum (das zwar auch auf eine CD gepasst hätte, aber ein Doppeldecker macht einfach mehr her). Zwei CDs für $13 bei CD Baby!

Laut Google hat noch kein deutschsprachiges Magazin über "Heavy Days" berichtet, aber es ist abzuwarten, dass über kurz oder lang mindestens ein eifriger Kritiker Phrasen wie "Die Wiederkehr des Rock & Roll" verwenden wird. Man kennt sie doch, die ausgehöhlten Sprechblasen. Auf "Heavy Days" kehrt überhaupt nichts zurück, da macht eine Band einfach nur dort weiter, wo die einzelnen Mitglieder vor 30 Jahren angefangen und die MAMBO SONS 2005 zwischenzeitlich aufgehört haben. Es ist Rock & Roll, Rhythm & Blues, Rock und Blues und Twang und Groove und knapp fünf Minuten lang eine Verbeugung vor den DOORS, nämlich ganz am Schluss der zweiten CD mit So Wonderful. Das Hendrix-Solo hätte Robbie Krieger allerdings niemals so spielen können.
Aber "Heavy Days" beginnt mit dem fürchterlich treibenden She Just Wants To Ride ganz anders. Man sucht verzweifelt nach Referenzpunkten, findet aber keine, denn diesen Song gab es noch NIE! Im Bereich des rockenden R&B ist das wohl ein Novum, aber es tut gut. Juhu, keine Coverband, keine Altriffaubereiter, hier sind SONGWRITER am Werk. Alright, come on, you're The Only Woman I want. Wann gab es die letzte Band, die einem so einen Knacker so lässig vors Hirnkastl knallte? Dieser Sänger, der Scott Lawson, der ist ein ganz cooler Hund. Sagt zu einem brandgefährlichen Solo seines Gitarristen schlicht "yeaaaaaah" und geht dann heftig Bass zupfend wieder zum Refrain über als wäre nichts gewesen. Der Einstieg in diese Zweifach-CD ist mit den beiden ersten Songs so stark gelungen, dass man automatisch in Habachtstellung verharrt und auf mehr Sensation hofft.
Die kommt spätestens mit Overend Watts. Ein Glam-Rock'n'Roll, der aus den Siebzigern zu kommen scheint. Aber wer ist wohl Overend Watts? Natürlich der Bassist von MOTT THE HOOPLE; man wünscht sich für die im Oktober 2009 anstehenden Reunion-Konzerte in London von Overend und den anderen HOOPLEs um Ian Hunter ähnlich viel Verve. Die MAMBO SONS haben eine wunderschöne Boogie-Ode auf Overend Watts eingespielt, sogar mit dem typischen Hoople-Chor. "You're still a rock and roll star!", Overend Watts. Scott Lawsons Bass ist übrigens eine ernsthafte Konkurrenz für Herrn Peter "Overend" Watts.
Auf "Heavy Days" ist alles gute Laune, es geht unverzagt nach vorne, mal leiser, öfter lauter, immer mit erstaunlichen Vokal- und Instrumentalleistungen. Liebe Güte, so stellt man sich das perfekte Rock und Roll Album vor. Aber das gibt es gemäß gültiger Diktion längst. Die Gelehrten streiten nur, wer denn das ultimativ perfekte Album gemacht hat. Die STONES oder die BEATLES? Dylan, Hendrix, ZEPPELIN oder doch die SEX PISTOLS?
All den Unfug kann man sich sparen, wenn man einfach erkennt, dass nur funktioniert, was man selbst will. "Heavy Days" hat irre viel von 'ich will das', man spürt es an jeder Note, die Platte geht einen an. Scheißehrliche Musik ist das. Es ist egal, ob ehrliche Musik aus dem Jahr 1968 oder 2009 stammt, es geht nur um die Glaubwürdigkeit. Lawson und Guerra glaubt man I Love My Family ohne Widerspruch. In diesem funky Gewand sowieso. Selbst das akustische Love Is Strange klingt trotz des Titels sonnig, "Heavy Days" ist schlicht ein Quell der Rock'n'Roll-Freude.

Wir erleben seit ein, zwei Jahren eine Wiederkehr "alter" Musik. Scott Lawson singt im Titelsong nicht unbegründet "celebrate these heavy days with me". Er singt es begeisternd.
Es gibt Songs wie You Got Me Fallin', denen verfällt man, denn sie drücken das meiste von dem aus, was Rockmusik ausdrücken kann. Den Rest besorgen Kleinode wie All Men Are Pigs. Zu einer Gitarre, die der gute alte Johnny Winter (im Solo-Slide-Part) oder die FACES (im Riff-Teil) früher nicht besser hätten machen können, kommen Dylan-Zitate im passenden Knödelgesang. Das live aufgenommene Stone Free vermittelt einen Eindruck, wie es bei Konzerten des Trios zugeht, feurig und mit dem Gitarrenhals durch die Wand nämlich, und A Fifth Of Twelve spielt zuerst mit HEARTs Barracuda um dann zu einem stampfenden und gleichzeitig hypnotisierenden Bluesrocker zu werden. Wenn in einigen Songs noch zusätzlich Matt Zeiner (war mal bei Dickey Betts) mit seiner Hammond, dem Piano oder der Wurlitzer auf den Plan tritt, schwebt man regelrecht auf einer Welle der Rock-Genugtuung.
Ja, "Heavy Days" ist ein weiteres Glanzstück dieses an tollen Platten reichen Jahres 2009. Vielleicht ist "Heavy Days" sogar DAS Glanzstück, der Test von noch vielen Hördurchgängen wird es zeigen. Es ist Wohlfühl- und Gänsehautmusik der härteren Sorte, liebevoll gespielt, produziert und verpackt. Ganz ehrlich: außer der neuen HEILIG-CD kann man derzeit kaum ernsthafte Qualitätskonkurrenz ausmachen.

Mambo Sons

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.08.2009

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