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CD-Review:
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Am 21. September erscheint mit "New religion" PRIMAL FEARs siebtes Studioalbum. Da die schwäbischen Metaller seit jeher für Qualität auf hohem Niveau bürgen, ist das wahrlich kein Grund sich zu fürchten, eher schon um in aufgeregte Vorfreude zu verfallen. Bereits am 6. Juli gab es für ausgewählte Pressevertreter die Möglichkeit sich vorab einen Eindruck des neuen Werkes zu verschaffen. Die Band und ihre Partner Undercover Promotion luden in die Dragbar nach Denkendorf ein, und bevor hier irgendwelche obskure Gerüchte aufkommen. Drag steht für Dragster und die Dragbar ist eine kleine Rockkneipe, die von den Inhabern der Bikeschmiede, Spezialisten für Custumized Motorcycles, betrieben wird. Nachdem sich alle Anwesenden am Büffet mit fester und flüssiger Nahrung versorgt haben, geht es nach kurzer Ansprache von Sänger Ralf Scheepers mitten hinein ins Vergnügen. "New religion" vermittelt den Eindruck eines ambitionierten und überaus abwechslungsreichen Albums, mit dem PRIMAL FEAR den auf dem Vorgänger "Seven seals" eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen und ihre stilistische Bandbreite weiter ausbauen. Es wird aber auch schnell klar, dass "New religion" kein Album ist, das sich einem mit einigen wenigen Hördurchgängen und schon gar nicht mit einem Einzigen in seiner Gesamtheit erschließen wird. Von daher lassen sich nur erste grobe Eindrücke der gehörten dreizehn Stücke wiedergeben. Mit Sign of fear bieten PRIMAL FEAR einen klassischen Heavy Metal Album- und Showopener, eine Art zeitgemäßes Painkiller. Die Band prügelt sich kompromisslos im ICE-Tempo durch ein von modernen, noisigen Gitarrensounds geprägtes Stück. Ein wenig läuft die Nummer Gefahr am Hörer einfach vorbei zu rauschen, wäre da nicht der relativ griffige Refrain. Das Ding muss man sich sicher ein paar Mal öfter zu Gemüte führen, aber dann könnte man ihm hoffnungslos verfallen. Ganz anders Face the emptiness, bei dem ich mich spontan festlege, dass es eine der stärksten Nummern der an Highlights nicht gerade armen Bandgeschichte ist. Hier greifen PRIMAL FEAR die orchestralen Hintergrundsounds von Diabolus vom letzten Album "Seven seals" auf, wecken aber auch Erinnerungen an Heart of the brave von "Devil's ground". Melodische und aggressive Metal-Elemente harmonieren in bester PRETTY MAIDS- oder eben PRIMAL FEAR-Manier und Ralf Scheepers liefert eine ehrfurchtgebietende Gesangsleistung ab. Ein Song mit nicht zu unterschätzendem Hitpotential. Kann ein Duett zwischen Ralf Scheepers und EPICA-Chanteuse Simone Simons funktionieren? Es kann nicht nur, sondern es tut es auch beim mit Spannung erwarteten Everytime it rains. Der Song ist eine dramatische Powerballade, geradezu mit liebevollen produktionstechnischen Details gespickt, wobei der gesampelte fallende Regen als Intro nur die offensichtliche Spitze des Eisberges ist. Eine gewagte Nummer, mit der PRIMAL FEAR eventuell einige alte Fans verschrecken, aber viele neue Anhänger dazugewinnen könnten. Mit seiner fesselnden, dunklen Atmosphäre hat das Stück etwas von einer potentiellen James Bond Titelmelodie, würde aber auch hervorragend zu EVANESCENCE passen. Auch Everytime it rains besticht durch Hitqualitäten und wäre für mich eine potentielle Singleauskoppelung mit durchaus realistischen Chartsambitionen. Da kann New religion, der Titelsong des Albums, erst mal nicht mithalten. Dabei haben wir hier eigentlich eine typische PRIMAL FEAR-Komposition und einen potentiellen Metal is forever-Nachfolger. Die Band gibt wieder ordentlich Gas und bringt in dem Stück viele interessante Elemente, einschließlich eines gesprochenen Intermezzos unter. Der Refrain ist für meinen Geschmack etwas zu glatt und klebrig ausgefallen, dafür lässt der moderne Gitarrensound wieder einmal die Kinnlade vor Überraschung herunterklappen. So richtig warm werde ich mit der Nummer allerdings nicht, weil sie irgendwie unrund klingt.
Fighting the darkness, The darkness und Reprise muss man als Einheit betrachten und mit ihm
dürften PRIMAL FEAR sich endgültig ein Denkmal gesetzt und einen zeitlosen Rockklassiker erschaffen haben. Die Band bedient
sich wieder orchestraler Arrangements und erschafft damit einen fast schon cineastischen Breitwandsound. Dazu kommen erneut
eine bewundernswerte Detailverliebtheit. Ein wenig fühlt man sich an Tears of rage vom Debüt erinnert, allerdings
noch ausgefeilter und noch ideenreicher, sei es nun durch das gefühlvolle Piano-Intro oder unterschwellige moderne
Soundeffekte.
Dafür legt man mit The curse of Sharon gleich wieder einen Killersong nach. Dieses Stück ist wieder sehr melodisch und vor allem die Melodieführung im Refrain sorgt für eine Gänsehaut. Nicht auszuschließen, dass dieser Song ursprünglich für das letzte SINNER-Album vorgesehen war, aber als zu metallisch befunden und an PRIMAL FEAR weitergereicht wurde. Die Atmosphäre erinnert an keltisch geprägte Bands wie THIN LIZZY oder auch DARE, aber einfach wesentlich aggressiver. Ein starker S ong, bei dem es trotz aller Eingängigkeit wieder sehr viel zu entdecken gibt. Nach einem überraschenden A-capella-Einstieg mausert sich Too much time zu einer speedigen Double-Bass-Nummer, an deren Ende eine ziemlich vetrackte Passage steht. Wie bei einigen der anderen forscheren Stücken des Albums vermisse ich hier etwas die griffige Hookline, an der man sich festklammern kann. Ein wissendes Lächeln huscht über die Gesichter der Mehrzahl der Anwesenden. Man sieht sich an und weiß der jeweilige Gegenüber hat die gleiche Assoziation bei den Eröffnungsriffs von Psycho. Damit dürfte die Zeit von JUDAS PRIESTs Grinder als Cover im Set von PRIMAL FEAR endgültig abgelaufen sein. Psycho ist eine sehr kontrastreiche Nummer. Eine melodische Bridge weist den Weg zum groovenden Refrain. Wieder erklingt ein gesprochenes Intermezzo und so ein wenig entsteht der Eindruck als hätte man hier zwei völlig unterschiedliche Songkonzepte in einen Topf geworfen und einmal kräftig durchgemischt. Ordnen wir das Stück mal unter 'gewöhnungsbedürftig' ein. World on fire dürfte Fans des letzten PRIMAL FEAR-Albums runtergehen wie Öl. Das Stück wirkt wie eine konzentrierte Zusammenfassung von Diabolus und All for one. Das Gespür der Band für umwerfende Melodien paart sich mit temporeichem Double-Bass-Geballer und wird mit epischen, orchestralen Arrangements angereichert. Habe ich schon erwähnt, dass Ralf Scheepers einen großartigen Job abliefert? Egal. Eine weiteres überzeugendes Stück des Albums.
Nach der Hörprobe brandet erst einmal anhaltender Applaus auf. PRIMAL FEAR verdienen allerhöchsten Respekt, dass sie eben nicht auf Nummer sicher gegangen sind, sondern Raum für Experimente und Weiterentwicklung zugelassen haben. Welchen Stellenwert die Scheibe allerdings in der Bandhistory einnehmen wird, lässt sich beim besten Willen noch nicht sagen. Während man bei einigen Stücken das Gefühl hat, als würde die Band damit neue Maßstäbe in ihrem Schaffen setzen, sind doch auch einige Kompositionen dazwischen gerutscht, die zumindest auf Anhieb nicht überzeugen können. Fighting the darkness spukt einem auch am Folgetag noch im Kopf herum. Dazu kommen einige andere Nummern, die ohne Frage das Potential zum Klassiker in sich tragen. Mit dem streckenweise modernen Gitarrensound dürfte auch manch einer der eher traditionell geeichten Anhänger seine liebe Mühe bekommen. Ich freue mich jedenfalls auf den Moment, wenn ich dieses Album zum ersten Mal in den heimischen vier Wänden oder im Auto in den CD-Schacht befördern kann. Wer sich für abwechslungsreichen und anspruchsvollen Heavy Metal begeistern kann, der bei aller Verbundenheit zur Tradition sich der Gegenwart nicht verschließt, und mit überwiegend hochklassigen Songs aufwarten kann, der sollte sich den 21. September schon einmal dick im Kalender anstreichen. Martin Schneider, (Impressum,
Artikelliste), 07.07.2007
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