HoR Logo kl CD-Review:

Sorgente

Let Me In

Logo Home-of-Rock

Link Homepage:
Offizielle Sorgente Homepage
Link Homepage:
Sorgente @ MySpace.com
Link Kaufen:
Amazon.de
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Let Me In
Let Me In, Sorgente Music/Soulshine, 2008
Fafuu Vocals, Guitar
Ojam Vocals, Guitar
Peti Vocals, Saxophone
Dungee Bass
Mr. Jacobsen Lead Guitar, Backing Vocals
Tobsen Drums
Produziert von: Ojam, Dungee, Jakob Biazza & Fabio Spagna Länge: 56 Min 09 Sek Medium: CD
1. ALive7. Good Lookin
2. Partytime8. Mister Miller
3. One Time9. High All Night
4. I Got All10. Push Ya Body
5. Spacelord11. We Are The Same
6. Let Me Inplus Hidden Track

"Sorgente d'energia", die Energiequelle, sagt das zerfledderte Italienischbüchlein für Garnixkönner, folglich ist SORGENTE (d'allegrezza) die Quelle der Freude für die nächste knappe Stunde.
Die Münchner Band mit ein paar italienischen Wurzeln hat eine sensationelle Entwicklung hinter sich gebracht. Nach dem braven und deutlich Reggae- und Hip-Hop-lastigen ersten Album "First & Then…?!" aus 2006 und einer beachtlichen Menge Auftritte seit 2003, bei denen wenigstens anfangs das Suchen nach der eigenen Identität deutlich zu spüren war, ist das Sextett mit "Let Me In" unzweideutig angekommen. Und zwar dort, wo George Clinton mit seinem P-Funk wegen weggeschossenem Resthirn nicht mehr hingekommen ist: im modernen Funk Rock mit Reminiszenzen an die ganz alten und die nicht mehr jungen Helden, unter Auslassung der Peinlichkeiten all der Jammerlappen, die Soul mit Weinerlichkeit und Funk mit Radioeinsätzen verwechseln. Wir haben hier ein schwitziges Teil vor uns, das trotz aller fleischlichen Lüste eine - mit großer Sorgfalt arrangierte - photogene Figur macht.

SORGENTE nehmen gerne das schreckliche Wort "Disco-Funk" in den Mund. Man muss aber nicht erschrecken, schließlich haben Menschen wie Clinton, Rick James und sogar Lenny Kravitz und Prince ganz großartige Musik für die Disco gemacht, ein schier manischer Groover wie Partytime passt wunderbar in diese Reihe tanzbarer Altmeister. Zuerst muss man allerdings den breitbeinig rockenden Geilo-Funk Alive "ertragen". Gitarrenquerschläger, arschwackelnde Percussion, Drums und Bass und ein offenbar außer Kontrolle geratener Synthesizer zu sexy Vocals geben zum Einstieg einen Eindruck des neuen Selbstbewusstseins der Band. Da wird nicht mehr länger gekleckert, jetzt wollen die Herren mehr. Kürzlich haben SORGENTE die SÖHNE MANNHEIMS supported, sollten sie bei der Gelegenheit Alive gespielt haben, dürften die Weicheier anschließend verbrannte Erde betreten haben. Hat unser Glaubens-Xaverl wohl geweint?
I Got All ist der Hinweis an Prince, dass er schon lange nicht mehr alle(s) hat. Da werden staunenswerte Grooves mit BEATLES-Melodie-Psychedelic so geschickt verbunden, dass man tatsächlich 40 Jahre zurückversetzt wird, allerdings mit modernsten Mitteln. Ah ja, die modernen Mittel. Insgesamt kommt "Let Me In" überaus handgemacht daher, die verwendete Technik erschlägt niemals die wahrhaftig gespielten Instrumente [die Jungs können das, ich habe es persönlich überprüft] und die meisten Tricks, auch wenn sie noch so abgefahren sind, können live reproduziert werden. Dass sich zwischendurch eine überflüssige Ballade wie Spacelord einschleicht, sei verziehen. Die andere ruhige Nummer, We Are The Same, besticht wiederum mit glänzenden Harmonien und punktgenauen Satzgesängen.
Ein Faustpfand der Band ist diese gesangliche Perfektion. Drei mehr oder weniger paritätisch involvierte Leadsänger garantieren nicht nur Abwechslung, sondern eben auch Möglichkeiten, die andere nicht haben. Sogar Rap klingt dann nicht mehr einfach stupide, sondern wie beim (letztendlich gar nicht gerappten) Mister Miller nach Leichtigkeit und Soul. Kein Wunder, wenn man sich die Gitarren und den Schluss der Nummer anhört. Rrrrrrr…

Bei Konzerten der Band hört man immer wieder den Namen Zappa bewundernd geraunt. So ganz erschließt sich der Vergleich nicht, denn von der irren Genialität des Gaga-Großmeisters sind die jungen Münchner weit entfernt, andererseits sind etliche Wendungen auf "Let Me In" so untypisch für die zeitgenössische Musik, dass etwas komplexere Kompositionen beinahe automatisch in die Nähe von Innovatoren seines Schlages gerückt werden. Der genannte Mister Miller käme für den "Sheik Yerbouti Award" in Frage, ein gnadenloser Dance-Track wie Push Ya Body eher nicht.

Es gab einmal eine erfrischende junge Band mit dem eigenartigen Namen RED HOT CHILI PEPPERS. SORGENTE aus München haben sich mit dem formidablen Album "Let Me In" mindestens den Beinamen BLAU WEISS RADI SCHNITTCHEN verdient. So ein richtiger Rettich ist nämlich ein mächtig scharfes Ding.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.08.2008


 
© Home of Rock 2001 & ff., Impressum & Kontakt