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| A g'sunde Watsch'n..., Eigenvertrieb, 2009 |
| Ingo Rahn |
Bass, Gesang |
| David Haas |
Gitarre |
| Thomas Burgstaller |
Schlagzeug |
| Produziert von: Wiener Blut |
Länge: 52 Min 06 Sek |
Medium: CD |
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| 1. A g'sunde Watsch'n | 7. Süsse Träume |
| 2. Rockerbraut | 8. An so an Tog |
| 3. Computerdeppat | 9. Kasperlmania |
| 4. S' Foto | 10. Des Glück is a Vogerl |
| 5. Schleich di | 11. Des schlechte G'wissn |
| 6. Opfer der G'söllschoft | 12. Endstation |
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Der Stadt München wird traditionell eine verabscheuungswürdige Bussi-Gesellschaft nachgesagt und jeder Münchner steht im generellen Schickeria-Verdacht, aber gegen Wien ist München etwa so schickimicki wie Castrop-Rauxel im Vergleich mit Hollywood. Nirgendwo anders als in Wien sind Gestalten wie Richard "Mörtel" Lugner mitsamt seinem Tierpark Mausi, Hasi, Bambi und Katzi möglich, dagegen sind Uschi Glas und Roberto Blanco fade Vorstädter, und Rudi Moshammer ist so tot wie sein Hund Daisy. Ja, Wien, Wien, nur du allein kannst meine Glamourcity sein.
Das Trio WIENER BLUT kommt natürlich aus Wien und gehört nicht zur Haute-Volée, auch nicht zum Bürgertum, das jahrelang auf eine Eintrittskarte für Mörtels Opernball spart, schon gar nicht gehören Ingo Rahn, David Haas und Thomas Burgstaller zum Spießervolk, das sich die Oaschlochveranstaltung alljährlich im ORF anschaut. Die drei Krawallbrüder könnten Fans des viertklassigen Favoritner AC sein (deren Ultras übrigens durchaus bedenkliche Lieder auf der Vereinshomepage abspielen dürfen), also klassische Arbeiterviertelproleten mit einer Menge Wut im Bauch und wenig Kohle in der Tasche. Mutmaßung zwar, aber die Musik auf "A g'sunde Watsch'n…" lässt nicht auf eine blaublütige oder wenigstens von einem Kommerzialrat geprägte Herkunft schließen, WIENER BLUT ist die ganz und gar schmuddelige Seite von Wien.
Der Bandname ist so originell nicht, denn natürlich hat WIENER BLUT nichts mit der albernen Operette von Johann "Schani" Strauss Junior von 1899 zu tun, auch nichts mit Falcos wohl schwächster LP gleichen Namens (1988), ein bisschen mehr vielleicht mit RAMMSTEINs Song vom letzten Album "Liebe ist für alle da", aber so demagogisch wie Till Lindemanns Blut-und-Boden-Provokationskapelle gehen unsere Wiener nicht vor, außerdem rrrollt das R bei einem Donaustädter lange nicht so wie beim in Leipzig geborenen Rattenfänger und Millionär. Nein, dieses Wiener Blut ist einfach nur ein guter Name, der ein paar Assoziationen weckt und letztendlich zum Sound passt: Immer auf die Lippe, bis es blutet. Der Albumtitel ergänzt die Gedankenkette perfekt, denn a g'sunde Watsch'n hat bekanntlich noch keinem geschadet, wobei der Apostroph in Watsch'n diskussionswürdig ist und die Prügelorgien diverser katholischer Pfarrer und Bischöfe dezidiert ausgenommen sind.
Ohrfeigen und sonstige Gewalt predigen WIENER BLUT nicht, aber bis auf wenige Ausnahmen haut die eigenproduzierte Scheibe anständig rein. Man denkt dabei öfter an MOTÖRHEAD, IRON MAIDEN in der Frühphase und manchmal leider an die ONKELZ. Ein Song wie Schleich di (deutsch: hau ab) spricht genau die falsche Klientel an, eben jene Stammtischhooligans, die den Tschuschen (also allen vom Balkan und gerne auch den restlichen Ausländern) die sofortige Ausweisung wünschen. Das ist die falsche Botschaft für die falsche Kundschaft, meine Herren! Es geht doch auch anders, Knackwürste wie Kasperlmania oder Computerdeppat nehmen das jeweilige Problem dezidiert und mit Wortwitz auseinander, Opfer der G'söllschoft geht - leider teilweise hochdeutsch - an die Nieren und die Nummern ohne größere "Botschaft" (Rockerbraut, An so an Tog, Des Glück is a Vogerl) knallen einfach gut. Wäre Schleich di ein Befehl an sämtliche Ausbeuter, Spekulanten und Manager, dann wäre es korrekt. Hier werden aber nur andere arme Schweine auf die Anklagebank gesetzt - das ist zu kurz gedacht, denn langhaarige Rockmusiker sind höchstselbst Anarchisten ersten Grades und passen nicht in die Gesellschaft. Schön umgesetzt übrigens in Des schlechte G'wissn.
"A g'sunde Watsch'n…" ist keine schlechte, für Punk-Metal-Fans sogar eine gute CD, aber an der Feinabstimmung ist noch zu arbeiten. Der Sound ist recht rudimentär, da könnte ein externer Produzent vielleicht helfen, die Musik funktioniert größtenteils, die Sprache ist über weite Teile punktgenau und überaus sympathisch (nur nicht überall, sprich Norddeutschland, verständlich, aber das macht nichts), nur dieses eine Lied Schleich di eitert.
Wie großartig Sprache, Musik und positive Stimmung zusammengeführt werden können, beweist die Hamburger Band OHRENFEINDT seit Jahren. Vielleicht wäre das auch ein Weg für WIENER BLUT. Und das hat mit Schickeria absolut überhaupt nichts zu tun, höchstens mit Toleranz und Offenheit anderen gegenüber.
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