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Willie Tanner

How To Be A Complete Bastard

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How To Be A Complete Bastard
How To Be A Complete Bastard, JumpStart Music, 2009
Kate T. Vocals
Markus T. Guitar
SehrJoe T. Guitar
Niko T. Bass
Andi T. Drums
Produziert von: Willie Tanner Länge: 34 Min 46 Sek Medium: CD
1. Bored Treasure6. Serial Memory Killer
2. Home Sweet Homeless7. Boogiepop Phantom
3. Icecream Wars8. My Poet Monster
4. How To Be A Complete Bastard9. Plastic Feelings
5. Up To You

In der Werbung zu "How To Be A Complete Bastard" ist viel von "Rock mit dicken Eiern" und "WILLIE TANNER rocken euch kaputt" zu lesen. Wer sich erinnern kann: Willie Tanner hatte absolut keine Eier, er war nämlich der teigige Waschlappen, der von Alf terrorisiert wurde und immer den ganz Kurzen zog, wenn es um die wichtigen Dinge des Lebens ging. Entsprechend magenkrank sah er auch aus, der Willie, während Alf über gut 100 Folgen ein properes Kerlchen war.
Willie Tanner heißt eigentlich Max Wright, und besonders geschmackvoll ist der Fingerzeig auf den offensichtlich bedauerlich abgestürzten TV-Darsteller nicht, denn ein Crack rauchender alter Mann, der bei sexuellen Handlungen von einem Paparazzo fotografiert und in einer Schwulenbar verhaftet wird, verliert seine letzte Würde. Fragwürdig, ob man derlei als Rock'n'Roll bezeichnen soll, wie die Band es tut.
Nimmt man den Rock, der die dicken Eier haben soll, dann denkt man wohl zuerst an Kandidaten wie Mick Jagger, Steven Tyler oder Axl Rose, nicht an eine Band aus Franken, bei der eine hübsche Frau singt. Ergo: Vom ersten Teil der Ansage bleibt nicht viel übrig, wenn man es rhetorisch betrachtet. Schauen wir einfach mal, ob WILLIE TANNER uns kaputt rocken können.

Man könnte es sich einfach machen und sagen, dass die gute halbe Stunde zu wenig ist, um einen gestandenen Rocker auszuknipsen. Man könnte aber auch sagen, dass es WILLIE TANNER an Mumm und anständigem Songmaterial fehlt. Beides ist falsch, denn der harte Alternativerock der jungen Band kommt in weiten Teilen ganz gut. Der Knackpunkt ist, dass man derlei in den letzten Jahren einfach zu oft gehört hat (auch von deutlich schlechteren Bands), dieses Feld ist insgesamt abgegrast. Die prägenden Bands - speziell was Frauen an der Mikrofonfront betrifft - haben sich längst aufgelöst und vereinigen sich gerade zwecks mieser Solo-Erfolge wieder (SKUNK ANANSIE, GUANO APES), wirklich eindrucksvolle Nachfolger gab es nie, entsprechend stoßen WILLIE TANNER in ein grundsätzlich zu füllendes Loch … und können es nicht füllen, am Ende fehlt es dann doch an Eigenständigkeit.
Die Electro-Versuche machen "How To Be…" angreifbar, denn damit öffnet sich die Band einem ganz anderen Publikum, was wiederum die Frage aufwirft, ob das Ziel von W.T. überhaupt schon festgelegt ist, oder ob da noch "Verhandlungsspielraum" ist. Die Mehrzahl der rockigen Nummern ist knackig, der Schlagzeugsound ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, die Arbeiter an den Gitarren können was und die Sängerin Kate dürfte sich gerne noch etwas mehr in den Vordergrund trauen, die ist nämlich angenehm zu hören. Kein Grund groß zu meckern also.

Für den großen Wurf reicht "How To Be A Complete Bastard" nicht, das erwartet aber auch keiner von einer so jungen Band, die weder von einer großen Firma protegiert wird noch Radiomusik macht. Ein wenig mehr Zurückhaltung bei der Promotion hätte einen günstigeren Eindruck gemacht, schließlich sollte die Zeit der Großmäuler endgültig vorbei sein.
Der weitere Weg von WILLIE TANNER ist auf jeden Fall zu beobachten, möglicherweise erleben wir gerade die Geburt einer künftigen Headlinerband.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.03.2009

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