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Willy DeVille

Live At Montreux 1994

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Live At Montreux 1994
Live At Montreux 1994, Eagle Vision, 2009
Willy DeVille Vocals, Guitar
Mario Cruz Saxophone
Seth Farber Keyboards
Freddy Koella Guitar
David Keyes Bass
Boris Kinberg Percussion
Shawn Murray Drums
Produziert von: Claude Nobs Länge: ca. 107 Min (DVD) & 73 Min 57 Sek (CD) Medium: DVD & CD
1. (Every Time I Hear) That Mellow Saxophone *11. Angel Eyes
2. Slow Drain12. Heaven Stood Still
3. Steady Driving Man13. Even While I Sleep
4. I Can Only Give You Everything *14. Demasiado Corazon (Too Much Heart)
5. Cadillac Walk15. Spanish Stroll
6. Bamboo Road *16. Hey Joe
7. Mixed Up Shook Up Girl17. New Orleans
8. Every Dog Has Its Day *18. Stand By Me
9. Key To My Heart *19. Dust My Broom
10. All In The Name Of Love* = DVD only

So macht man Geschichtsunterricht: Vor einem Jahr erschien der 1982er Montreux-Auftritt von MINK DeVILLE auf DVD, jetzt kommt Willys Konzert von 1994 - und ist eine feine Ergänzung für die DeVille-Sammlung. Das ist schon gute Arbeit, die von Claude Nobs, dem Montreux-Festival-Erfinder, und der Plattenfirma seit etlichen Jahren geleistet wird. Die reichhaltige Historie des Festivals bietet natürlich auch beinahe unendlich viel guten Stoff, dennoch ist man immer wieder von der Qualität älterer und viel älterer Aufnahmen überrascht. Verglichen mit so manchem Rockpalast bietet die Montreux-Serie vor allem deutlich bessere Bildqualität, größtenteils auch besseren Klang. "Live At Montreux 1994" von Willy DeVille ist in beiden Belangen tadellos.

Was hatte sich geändert seit dem fiebrigen Konzert 1982? Klar, die Band MINK DeVILLE war Vergangenheit, Willy war nach New Orleans umgezogen und er schien halbwegs gesund zu sein. Dass aber die Band einen geradezu antiseptischen Eindruck hinterlässt erscheint lächerlich, wenn man MINK DeVILLE kennt. Eine solche Saubermannkapelle mit Bundfaltenhosen, Sakko, Zöpfchen, geföntem Lang- und gegeltem Kurzhaar passt nicht zum schwitzenden, rauchenden Frontmann, aber diesen Unfug hat sich DeVille selbst aufgehalst, schließlich wollte er ja die Kulturtempel erreichen anstatt in den Rock'n'Roll-Höhlen zu vergammeln. Tja, 1994 war der Preis eine musikalisch hochwertige und emotional relativ unbeteiligte Begleitband. Man vergleiche nur die beiden Versionen von Stand By Me, die neuere kommt einfach nicht zum Siedepunkt, da kann sich Willy noch so sehr abmühen, seine Band ist nicht mehr als eine Zirkusattraktion.
Dennoch hat der Auftritt eine ganze Menge aufregender Momente zu bieten, die Band ist ja auch wirklich gut (bis auf die Unglaubwürdigkeit, gerne mit Willy DeVille auf der Bühne zu stehen). Nummern wie Steady Driving Man und Cadillac Walk kommen schneidig, aber die waren da auch schon gut 15 Jahre alt. Speziell Cadillac Walk rockt bombastisch, nur bindet sich ein Hanswurst dazu ein Waschbrett-Kettenhemd um und macht sich zum Affen während Willy eine grandiose Slide- und Rhythmusgitarre spielt.
Das Wohlfühlgefühl bei Bamboo Road (Album "Backstreets Of Desire", 1992) ist enorm und der bieder aussehende Gitarrist Freddy Koella (ein Franzose, der 2003 mit Dylan tourte) verzaubert Mixed Up Shook Up Girl. Aber das ist ebenfalls aus alten Zeiten.
Das Blues-Intermezzo mit den beiden Songs von Eddie Bocage (bekannt als Eddie Bo) ist nett, zeigt auch Willys Fähigkeit für seelenvolle Adaptionen, man kann das auf der weitgehend unbeachteten CD "Victory Mixture" von 1990 nachhören. Angel Eyes aus seiner Solo-Frühphase um 1987/88 vermittelt allerdings nur operative Hektik. Freddy Koella spielt dann noch Geige zu Heaven Stood Still, was der Bedeutungsschwangerkeit zum Songtitel noch einen Schub gibt. Ein wirklicher Tiefpunkt ist die Latino Anbiederung Demasiado Corazon, die schon auf dem schwachen 83er-Album "Where Angels Fear To Tread" peinlich war.
Der glattgebügelte Spanish Stroll ist eine Enttäuschung, Hey Joe dafür genial. Sollte Tarantino mal ins Auge fassen.
Der Zugabenteil ist feurig - fürs Mainstreampublikum.

Die CD ist laufzeitbedingt nur ein Extrakt des Auftritts, die Songauswahl ist aber grundsätzlich OK und sogar der Sound kann im Gegensatz zu vielen anderen Parallelveröffentlichungen überzeugen und klingt nicht wie eine kastrierte 5.1-Kopie. Gut fürs Auto, aber naturgemäß nimmt man bei einem Original wie Willy DeVille eher die audiovisuelle Ausgabe.
Aktuell hat DeVille übrigens seine Europatournee für dieses Jahr abgesagt: Hepatitis C. Da muss man nicht mehr viele Worte drüber verlieren…
"Live At Montreux 1994" ist trotzdem eine schöne Ergänzung und Bereicherung für die Heimsammlung.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.04.2009

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