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Bullets

The First Four Albums PLUS....
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Unser Disclaimer
Bullets - The First Four Albums PLUS....
Bullets - The First Four Albums PLUS...., Rise Above Records, 2010 (1971-'74)
Frankie Gilcken Guitar, Vocals
Frank Ferrara Lead Vocals, Bass
Tony Diorio Drums
Gäste:
Jeffrey Cheen Percussion ("Mother/Bow To The King")
Bruce Gary Drums ("Mother/Bow To The King" & "Music")
Duris Maxwell Drums ("Mother/Bow To The King")
Venetta Fields, Clydie King & Sherlie Matthews Backing Vocals ("Mother/Bow To The King")
Pete Sears Piano ("Music")
Länge: 175 Min 40 Sek Medium: 4 CD-Box
CD 1: "Death Of A Country" (1971)
1. Death Of A Country4. Life On Ending
2. No Trespassing5. Certainly Meaningless
3. My Window6. Future Song
Produziert von: Ron & Howie Albert
CD 2: "Bang" (1971)
1. Lions, Christians5. Our Home
2. The Queen6. Future Shock
3. Last Will And Testament7. Questions
4. Come With Me8. Redman
Produziert von: Michael Sunday
CD 3: "Mother/Bow To The King" (1972)
1. Mother5. No Sugar Tonight
2. Humble6. Feel The Hurt
3. Keep On7. Tomorrow
4. Idealist/Realist8. Bow To The King
Produziert von: John Palladino & Jeffrey Cheen
CD 3: "Mother/Bow To The King" (1972)
1. Windfare9. Little Boy Blue
2. Glad Your Home10. Brightness
3. Don't Need Nobody11. Another Town
4. Page Of My LifeBonus Tracks: "The Lost Singles"
5. Love Sonett12. Slow Down
6. Must Be Love13. Feels Nice
7. Exactly Who I Am14. Make Me Pretty
8. Pearl & Her LadiesRadio Interview
Produziert von: Jeffrey Cheen

Auch wenn uns die Plattenfirma Rise Above Records in Person von Lee Dorrian (CATHEDRAL) partout einreden möchte, dass mit BANG eine mordswichtige Kultband aus den Siebzigerjahren endlich wieder entdeckt wurde, darf man doch angemessen skeptisch sein. Nicht einer der - in musikalischen Fragen durchaus beschlagenen - Kollegen hatte je von diesem aus Philadelphia stammenden "Heavy Metal" Trio gehört.
Liest man die umfangreiche und sehr vergnügliche aber leider nicht fertig gestellte Biographie der Band auf ihrer Homepage, werden einige Dinge auf Normalmaß zurechtgestutzt. Zwei minderjährige Jungs und ein zehn Jahre älterer dreifacher Familienvater mit Job und Auto (Drummer Tony Diorio) plus ein drogensüchtiger Kurzzeitsänger, der als Insasse einer psychiatrischen Klinik den anderen dreien einen ersten Gig in eben jener Klinik ermöglichte, wollten harte Rockmusik machen, und für eine kurze Zeit lebten die drei diesen Traum auch zwischen all den Joints und all dem Wahnsinn, der die Rockszene von Anbeginn an zum echten Irrenhaus machte. Seit kurz nach Woodstock unter dem Namen MAGIC BAND, ab ca. 1970 als BANG (wegen einer Überschrift im "Rolling Stone": "English groups bang in USA"). Besonders herrlich ist die Passage, als BANG sich mit unvergleichlicher Frechheit zur Vorgruppe von Rod Stewart bzw. den FACES und DEEP PURPLE mogelten. Für ein erstes Album hatten die drei gar die legendären Südstaaten-Produzenten Ron und Howie Albert in Miami zur Verfügung, nur leider wurde "Death Of A Country" nie veröffentlicht. Dies wird nun mit der opulenten 4-CD Box "Bullets - The First Four Albums PLUS...." 39 Jahre später nachgeholt.

Die beiden heute noch aktiven Bandmitgründer Frankie Gilcken (Guitar) und Frank Ferrara (Bass) haben sich die Rechte an "Death Of A Country" irgendwann zurückgekauft und zuerst mehr oder weniger privat eine CD veröffentlicht und nun eben über Rise Above Relics lizensiert. Die Platte hatte ein Konzept, den ihres Titels nämlich, was einer der Gründe für die damalige Nichtveröffentlichung war. Capitol Records hätte wohl doch lieber ein sonniges Plättchen gehabt anstatt dieser leicht morbiden Endzeitprophezeiung. Und erst die Musik. Irgendwo zwischen Spät-Psychedelia, Proto-Metal und hippiesker BEATLES-Verdrehtheit läuft die LP zwar heute gut ins Ohr, 1971 wäre sie vermutlich als altbackener Krempel im kommerziellen Nirgendwo verschwunden. 1968, '69, vielleicht sogar noch 1970 hätte es klappen können, aber im Jahr 2 nach Woodstock waren Bands wie BLUE CHEER, IRON BUTTERFLY und auch THE BEATLES ein Anachronismus.
Das dachte genauso der von Capitol entsandte Produzent Michael Sunday, der eben jene BLUE CHEER zwei Jahre vorher produziert hatte. Mit den Worten "I be back in two weeks write me a new album" (Quelle: Bangmusic.com) zog er wieder ab und ließ drei verwirrte Musiker zurück, die schließlich all ihre Kreativität in "Death Of A Country" investiert hatten.
Bang Ergo schoben Ferrara, von Michael Sunday kurzerhand zum Leadsänger gemacht, Gilcken und Diorio Überstunden und zimmerten in Rekordzeit acht neue Songs zusammen - und bedienten sich dabei wesentlich modernerer Vorbilder als beim ersten Versuch. In erster Linie war das BLACK SABBATH, aber zwischen den Tönen kann man problemlos weitere Frühsiebziger-Dicke-Hose-Acts erkennen. GRAND FUNK RAILROAD, BLACK OAK ARKANSAS, JAMES GANG, lässig eingestreut ein paar hübsche Gesangsharmonien à la BEACH BOYS, fertig war ein durchaus zeitgemäßes Heavyrock-Album. Frank Ferrara war mit seiner Sirenenstimme eine gute Wahl als Vorsänger, er krähte den leichten Sixties-Mief einfach weg, die Band war handwerklich keinen Deut schlechter als die anderen Verdächtigen, einzig der Verkaufserfolg blieb bescheiden. Das Album "Bang" schaffte es nur auf Platz 164 der Billboard-Charts, die Single Questions, ein groovender Shuffle, der gerne auch mit den frühen STATUS QUO in Verbindung gebracht werden darf, immerhin auf #90. Das war selbst in diesen Jahren sehr, sehr wenig.
Mother Die große Plattenfirma Capitol Records reagierte erwartungsgemäß und fuhr für die nächste Platte "Mother/Bow To The King" das große Besteck auf. Drummer Tony Diorio wurde geschasst und von Bruce Gary (später THE KNACK und SPIRIT, 2006 verstorben) und Duris Maxwell (u. a. HEART) ersetzt, hinzu kamen Background-Sangesgöttinen wie Venetta Fields, Clydie King (s. a. HUMBLE PIE oder ROLLING STONES) und Sherlie Matthews, die ebenfalls auf geschätzten 150 Upperclass-Produktionen der Siebziger vertreten war. Außerdem wurde BANG der Tophit No Sugar Tonight von THE GUESS WHO (Randy Bachman!) anempfohlen, welchen die Jungs vom langweiligen Chartbreaker zu einem flotten Glam-Rocker machten. Nur geholfen hat auch das alles nichts, "Mother/Bow To The King" floppte völlig.
Mother/Bow To The King Unklar ist noch, wie es zu diesem Albumtitel kam. Das AMG macht zwei LPs daraus, die kurze Laufzeit von 35 Minuten spricht dagegen, womöglich wurde aus dem Material für zwei Longplayer der eine zusammengestellt. BANG war Manöveriermasse für die Plattenfirma. Am abschließenden Bow To The King kann man die Eingriffe der Produzenten geradezu riechen.
Aus heutiger Sicht ist "Mother/Bow To The King" eine tolle und vor allem differenzierte Hard Rock Platte, aber 1972 war es punktgenau an allen Zielgruppen vorbei: Für die harten Jungs zu abwechslungsreich, für die Hitparadenhörer viel zu heavy und für ZEPPELIN-Fans zu banal.
Music Wieder wollte man gegensteuern und ein Jahr später, also 1973, mit "Music" ein richtig kommerzielles Album auf den Markt bringen. Was Bands wie beispielsweise JO JO GUNNE in diesem Jahr mit ganz ähnlicher Musik halbwegs erfolgreich gelang, endete bei BANG wieder im Fiasko. Trotz der Hinzunahme des viel gebuchten Keyboarders Pete Sears (Rod Stewart, Ron Wood, JEFFERSON STARSHIP u. v. a.) passierte wieder nichts. Dabei war die Musik genau wie auf "Bang" und "Mother/Bow To The King" gut - nur eben nicht originär und vor allem definitiv zu wenig von der Plattenfirma beworben.
"Music" enthält einige ganz schwer erträgliche Schmonzetten, kann aber an anderer Stelle mit pfiffigen Grooves, astreinem Hard Rock oder prima Folk Rock begeistern. Allerdings hatten letztere Musikrichtung die SMALL FACES und Nachfolger bereits Jahre vorher erschöpfend behandelt, da war der Zug also längst durch, und bei den Hardrockern gab es gnadenlose Alternativen wie MONTROSE. So genial das Gitarrensolo in Exactly Who I Am auch sein mag, BANG konnte nach drei Jahren Schlingerkurs nicht noch mal anders vermarktet werden, die Band war schlicht und einfach verbrannt und durch.

Es gibt drei Bonus Tracks, die als "Lost Singles" bezeichnet werden und wohl niemals veröffentlicht wurden, denn die Band löste sich nach "Music" zügig auf. Auch diese drei Songs passen ins Bild der guten, aber eben niemals eigenständigen Band. Zugegeben, geschätzte 98% aller Hit-Bands waren und sind in der einen oder anderen Form Epigonen, entweder eines Modetrends, eines Zeitgeistes oder einer stilbildenden Band, für BANG hat es leider nicht zu mehr gereicht, als drei, vier Jahre ein klein wenig Luft der großen Rock-Welt zu schnuppern. Es ist deswegen eine gute Idee, sich nach mehr als zwei Stunden BANG-Musik noch das halbstündige Radiointerview auf der vierten CD aufmerksam anzuhören, denn da erzählen alle drei Originalmitglieder recht aufschlussreich von den Geschichten, die vor beinahe 40 Jahren passiert sind. Man wäre gerne dabei gewesen, so wie es die Burschen der kleinen Band BANG waren.
Deswegen ist "Bullets - The First Four Albums PLUS...." nicht nur eine Sammlung von Histörchen, es ist in der Tat ein Fitzelchen Rockgeschichte, das zurecht wieder ans Tageslicht befördert wird. Gute Band, gute Musik, das sollte wenigstens für die Hard-Rock-Archäologen eine Entdeckung sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.12.2010

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