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Francesco Greggio & Sucker Punch

Blue Homework

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Blue Homework
Blue Homework, Eigenvertrieb, 2009
Francesco Greggio Guitars
Chris Boulet Vocals
Giorgio Bradaschia Bass
Gianmatteo Lucchin Drums
Gäste:
Alessandro Zaia Bass (Sucker Punch)
Marco Rettore Percussions (Comin' Home Baby)
Produziert von: Francesco Greggio Länge: 49 Min 01 Sek Medium: CD
1. Time For Me7. Rude Mood
2. Chicken For Breakfast8. Old Dog
3. Only Lover9. The Stumble
4. Comin' Home Baby10. Sucker Punch
5. Coffee & Lime11. Out Of The Nest
6. The Fork

Francesco Greggio ist diplomierter Blues-Gitarrist. Der junge Mann hat also studiert. Den Blues. Jetzt frag mal einer Robert Johnson oder Muddy Waters nach ihrer Studienzeit - die würden sehr verblüfft gucken. Technische Fertigkeiten, theoretisches Wissen, ja, das kann man studieren, aber nicht den Blues an sich, wenn man ihn nicht als Forschungsobjekt sondern als Lebensart und Ausdrucksweise begreift. Als Mensch, der Musik mit vielen anderen Körperteilen als dem Gehirn hört und empfindet und auch aus dem Bauch heraus darüber schreibt, ist man skeptisch bei einer Vita wie der des 28jährigen Bandleaders aus dem wunderschönen Padua in Italien. Ist er nur ein weiterer Musik-Akademiker, einer der vielen seelenlosen Notenzähler, die den Blues (oder jede andere Musik) zwar klinisch rein interpretieren, ihn aber nie verstanden haben? Er ist es nicht, das gleich vorweg.

"Blue Homework" hat zwar einen durch und durch intelligenten Ansatz, es wird mit Jazz, Swing und durchaus popmusikalischen Elementen gearbeitet, aber trotz aller Strukturiertheit und angewandter Geisteswissenschaft hat Greggio nicht vergessen, dass seine Musik auch Spaß machen soll. Seine Hausaufgaben (homework) hat er also gemacht.
Liest man das der CD beiliegende Informationsblatt, ist "Blue Homework" natürlich eine Kopfgeburt, Greggio hat nichts dem Zufall überlassen, von den Songs, den Arrangements bis zu den Mitmusikern und dem Cover ist alles genauestens geplant und umgesetzt, steril ist "Blue Homework" bis auf ein, zwei Momente trotzdem nicht.
Um diese Momente direkt abzutun: Es handelt sich prompt um zwei der drei Coversongs. Stevie Ray Vaughans Rude Mood funktioniert nunmal nur bei Vaughan, bei allen anderen (u. a. beim damals noch sehr jungen Eric Steckel) wird der kleine Shuffle zur bemühten Fingerübung. Unser Francesco fährt mit seiner eigenen Fritze-Fingerflink-Komposition Coffee & Lime viel besser als mit der Adaption, denn da kann er nicht mit einem Superhelden verglichen werden und glänzt ganz alleine. Ähnlich, nur anders, verhält es sich mit Comin' Home Baby. Dieser ziemlich alte Jazz-Klassiker von Ben Tucker kann im Blues-Rock-Gewand einfach seine Möglichkeiten nicht entfalten. Es gibt eine historische Live-Aufnahme von Quincy Jones und seinem Orchester, bei der Comin' Home Baby in seiner ganzen Größe brilliert, das kann ein Trio plus Percussionist unmöglich reproduzieren. Deutlich besser klappt die Sache bei Freddie Kings The Stumble, womöglich auch weil man Gary Moores längst kaum mehr zu ertragende Angeberversion immer noch im Ohr hat. Trotzdem sind Coversongs nicht die eigentliche Stärke Greggios. Nimmt man beispielsweise die herrlich zurückhaltend gespielte Jazznummer Sucker Punch, erlebt man die einfühlsame Seite des jungen Mannes inklusive einer kleinen, witzigen "Verbalschlacht" zwischen Sänger Chris Boulet und Sänger Chris Boulet.
Es ist sicher persönliche Geschmackssache, aber die "Over the Top"-Nummern auf "Blue Homework" sind die zum Teil beinahe modern gehaltenen (Rock-) Songs. Time For Me mit funky Gitarre und Boulet als Erbe großer Blues-Shouter, das seinem Namen alle Ehre machende Instrumental Chicken For Breakfast, das swampige Only Lover mit einer bemerkenswert coolen Schlagzeugperformance und Gitarren von allen Seiten, und vor allen Dingen The Fork, das keinen Vergleich mit Bands aus den amerikanischen Südstaaten scheuen muss. Eine ganz starke Leistung der Band, wobei natürlich Greggio mit seiner Gitarre naturgemäß im Vordergrund steht. Zum Abschluss gibt es die atmosphärische Ballade Out Of The Nest mitsamt "Hidden Track", der nochmals den Blues zelebriert.

Francesco Greggio und seine Band SUCKER PUNCH können alles, entsprechend viel findet sich auf "Blue Homework". Womöglich ist das dem einen oder anderen Puristen zu viel, dem Blues-Swing-Jazz-Rock-Feinschmecker ist das Album wärmstens zu empfehlen, denn so viel Intellekt mit Soul findet man nicht oft. Francesco hat schon Zydeco gespielt, diesmal ist es ein Querschnitt durch sein Gesamtkönnen, man darf gespannt sein, wohin ihn die Reise noch führen wird. Hochklassig wird es wohl immer sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 28.10.2010


 
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