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Joan As Police Woman

The Deep Field

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The Deep Field
The Deep Field, [Pias], 2010
Joan Wasser Vocals, Guitar, Wurlitzer, Rhodes, Strings
Parker Kindred Drums, Percussion, Vocals
Tyler Wood Moog Bass, Baldwin, B3
Fred Cash Bass
Oren Bloedow Bass, Guitar
Brad Truax Bass
Nathan Larsson Bass, Vocals
Joseph Arthur Vocals, Moog Guitar
Chris Brown Clavinet
Doug Wielselman Guitar
Timo Ellis Guitar
Michele Zayla Vocals
Adam Sachs Tambourine
Toshi Reagon Vocals
Stephanie McKay Vocals
Bryce Goggin Fairy Dust
Produziert von: Bryce Goggin and Joan Wasser Länge: 56 Min 41 Sek Medium: CD
1. Nervous6. Human Condition
2. The Magic7. Kiss The Specifics
3. The Action Man8. Chemmie
4. Flash9. Forever And A Year
5. Run For Love10. I Was Everyone

Joan As Police Woman ist Joan Wasser, eine US Künstlerin born and raised in NYC. Das ist ihre dritte CD nach "Real Life" 2007 und "Survive" 2008. Auf den früheren CDs fand sich die Polizistin in dem Singer/Songwriter Umfeld wieder, die Songs meist zu Keyboards plus a bit darbot. Manchmal allerdings kam das mit einem Strich des Genialischen nahe etwa an Roxy Music - etwa bei dem wilden Saxophon Ende von Christobel. Soll heißen, Joan hat sich durchaus nicht irgendeiner Strömung verschlossen und, obwohl die CDs eher konventionell waren, experimentiert.

Das hier betritt nun neue Felder - obwohl es prinzipiell Soul genannt werden kann; allerdings nicht die Art Soul, die die Hitparaden rauf und runter spielt. Der Titel "The Deep Field" bezieht sich auf eine Sternenkonstellation im Sternbild Ursa Major - ewig weit weg, und daher selbst mit dem Weltraumteleskop nur schwer zu sehen; gleichzeitig aber riesig in den Ausmaßen. Und so wie der Makro- ist auch der Mikrokosmos: in Inneren gibt es, so Joan, ebenfalls Felder, die kaum zu sehen sind, aber dennoch bedeutend und riesig sein können. Und auf die Reise zu diesen Feldern macht sich Joan jetzt mit 40, nachdem sie genügend Erfahrungen der netten und unfreundlichen Art gesammelt hat, um Neues zu entdecken.
Zwar hat Joan keine 'starke' Stimme - das Ganze klingt vokal immer eher zerbrechlich, ihr Sopran ist nicht zum Shouten geeignet. Außerdem ist das nicht auf Hochglanz und auf Tanzbar produziert (was nicht heißen soll, das es schlecht produziert sei, oder gar zu extrem um angehört zu werden - denn, was ist das schon?). Die Songs schleichen sich ran, Joan singt dazu fast so, als wolle sie gar nicht singen - und doch entwickeln Songs wie The Action Man mit seiner Bläser-Passage am Ende des Tracks gewaltige Anziehungskraft. Ehe man es sich versieht, hat sich das ins Gehör eingeschlichen.
Nervous ist genau das - Tribal Drums führen zu einem Shuffle-artigen Rhythmus, Joan singflüstert sich durch den Song, eine Gitarre legt ein hypnotisierendes Riff drunter, und dieser und andere Tracks mögen an Peter Gabriel zu Zeiten seiner ersten beiden Solo Alben erinnern, wo er ja auch noch 'sein' Muster suchte. Nervous jedenfalls endet mit einem langgezogenen Gitarrensolo, das fast ins atonale abgleitet. Cooler Song. The Magic schwebt über einem Keyboard Riff leichtfüßig dahin, hat aber ebenfalls diese fast hypnotische Qualität, und auf alle Fälle einen schönen Groove. Run For Love wäre ein Song, den SLY (AND THE FAMILY STONE) auf einem ihrer Alben hätten haben können, mit seinem fast spacigen Arrangement. Der Chorus erinnert an die Reise zum Deep Field, und Joans Stimme ist die Sternschnuppe, die Du da hinten siehst, und die Gitarre webt Sternenfäden um Dein Hirn. Human Condition mit einem Barry White Gebrummel im Hintergrund ist eben ein solcher Schlafzimmer Groove - leider sind die Texte nicht abgebildet. Kiss The Specifics ist so etwas wie Joan's Interpretation des klassischen Sixties Soul, mit jazzigem Synths, und … entzieht sich ansonsten der Beschreibung. Ist Chemmie noch fast Uptempo und reichhaltig instrumentiert, bietet Forever And A Year fast gar nichts zum Festhalten - ein Song wie ein ruhiger Fluß - aber wo ruht das Auge und das Ohr?

Das Interessante an dieser CD ist, das man beim ersten Hören denkt, was ist denn das für ein monotones Gesäusel, und mehrmaliges Anhören dann die sorgfältigen Arrangements offenbart. Man unterschätzt das, was Joan hier macht, auf den ersten Blick/Hör'. Das ist verdammt gut, mit Studiocracks eingespielt, wesentlich schwieriger zu kreieren als es den Anschein haben mag - und definitiv nicht Anyplace, Anytime, Anywhere. Man sollte Soul mögen, und Zeit mitbringen. Dann gibt es etwas zu entdecken.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 17.03.2011


 
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