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| Phoenix Rising, RHR Records/Matchbox Recordings, 2010 (2007) |
| Krishna |
Lead & Backing Vocals, Acoustic Guitar |
| John Woolloff |
Slide-, Acoustic- & Electric Guitars |
| Ivan Rougny |
Bass |
| Peter Wagner |
Piano, Hammond B3 |
| Walter Keiser |
Drums, Percussions |
| Véronique Hemberger |
Backing Vocals |
| Produziert von: Alex Bolle & Krishna |
Länge: 66 Min 01 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Phoenix Rising | 8. Without U |
| 2. Don't Wanna Cry | 9. As Time Went By |
| 3. Goin' Crazy | 10. Runnin' Wild |
| 4. How Can I | 11. Call On Me |
| 5. I'd Like To Believe | 12. Turn Back The Clock |
| 6. Now That I Found U | 13. Ne Quiero Bailar |
| 7. Living Hell | 14. Middle Ground (American Indian Chant) |
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"Indianer!" Wie oft hat man diesen Schrei in den alten Western wohl gehört? Leider war der Ausgang immer klar, die fiesen blutrünstigen Rothäute wurden heroisch niedergemetzelt, am Ende siegte grundsätzlich der weiße Held. Als Kind war man eher der Außenseiter, wenn man bei den Schlachten um den Little Big Hinterhof in München-Schwabing lieber Sitting Bull oder Crazy Horse als General Custer sein wollte. Blöderweise halten sich Kinder nicht an die historische Wahrheit, also musste Crazy Horse kurz vor dem Abendessen grundsätzlich den Heldentod sterben, was er meist mit einem heroischen Todessprung von den Mülltonnen tat. Unvergessen und bis heute beim ein oder anderen Bier heiß diskutiert ist allerdings des Häuptlings gigantischer Volltreffer mit dem Bowiemesser exakt in die Mitte des Kastanienbaums. Das war so: irgendein feindlicher Yankee aus der dritten Klasse spielte sich als Möchtegernbefehlshaber auf und wir mussten die Sache klären. Die direkte körperliche Auseinandersetzung wäre gefährlich gewesen, Chief Crazy Horse war erst in der zweiten Klasse und gefühlte 50 Zentimeter kleiner, also musste die indianisch-schwabinger Geschicklichkeit helfen. Dass Crazy Horse schon wochenlang mit seinem Bowiemesser geübt hatte, wusste der subordinierte Lieutenant natürlich nicht, es kam also wie es kommen musste, ein Wurf im Sprung von der Hinterhofmauer herab, patsch, die Tatwaffe steckte genau im markierten Bereich des - zugegeben riesigen - Baumes. Crazy Horse hatte nach dieser Großtat ein ganz anderes Standing im Reservat, selbst die Outlaws aus der übernächsten Straße hatten plötzlich einen Mordsrespekt und stellten den Indianer von Hausnummer 119 beim Fußball immer in den Sturm.
Ja, wenn man heute Kinder mit so einem Messer hantieren ließe, hätte man zu Recht mindestens das Jugendamt am Hals. Wir Sprösslinge des Wirtschaftswunders und glückliche Opfer des Drei-Sender-Fernsehens (in zwei Farben) waren so unbeleckt, dass man uns halbwegs guten Gewissens sogar solche Mordwaffen in die Hand drücken konnte, wir hätten uns eher selbst versehentlich verletzt als die Klinge gegen einen anderen zu gebrauchen. Fahrlässigkeit hin oder her, niemand wusste es besser, also spielten wir mit solchen Teilen. Nur mit der CD "Phoenix Rising" hat das alles herzlich wenig zu tun. Oder?
Ein bisschen schon, denn Krishna Black Eagle, der Urheber von "Phoenix Rising", ist ein halber Cherokee. Und seine CD wird als Rock mit indianischen Elementen beworben. Das klingt gut, denn Native American Rock kennt man hierzulande bestenfalls von INDIGENOUS, manche assoziieren möglicherweise noch die frühen BLACKFOOT mit Indianer-Rock, aber schon vom Projekt NDN des BLACKFOOT-Bassisten Greg T. Walker hat kaum mehr jemand Kenntnis genommen, obwohl die CD "Warrior's Pride" ein Prunkstück ist. Ansonsten gibt es bei uns außer der grandiosen 3-CD-Zusammenstellung "Indian Rezervation Blues And More" kaum Rockmusik mit indianischen Klängen, dafür umso mehr (meist schlechte) Folkloregruppen in den Fußgängerzonen. Schließt der Schwarze Adler eine Lücke?
"Phoenix Rising" ist schon zwei Jahre alt, hatte aber bisher keinen Vertrieb in Deutschland. Aufgenommen hat Krishna Yarbrough, so der Name des Künstlers im Ausweis, mit Studiomusikern in der Schweiz. Und leider ist "Phoenix Rising" bis auf wenige Momente kein Tribal-Rock, einmal verirrt sich der ehrwürdige Stamm der Cherokee sogar in Latinogefilde (Ne Quiero Bailar), gibt dabei zwar gar keine schlechte Figur ab, verwirrt aber den Hörer unnötig mit ein bisschen viel Multikulti. Man muss nach dem einleitenden Titelsong bis ganz zum Schluss des Albums warten, bis endlich wieder echte Native-American-Chants erklingen. Die sind dann zur großen Freude des Hörers mit einem deftigen Rocksong kombiniert und man bekommt eine Ahnung, wie gut Stammes- und Hardrock-Rhythmen zusammenpassen. Wäre nun noch der Sound ein wenig druckvoller, bekäme das Album alleine wegen Middle Ground und Phoenix Rising eine dringende Kaufempfehlung. Aber in der Stunde dazwischen verläuft sich Krishna ein wenig zu oft in allzu braven Melodic-Rock-Untiefen, wobei durchaus ein paar richtig hübsche Ohrwürmer herausspringen, nur eben keine indianischen, eher popmusikalische. Liedchen wie Don't Wanna Cry sind nett arrangiert, gespielt und gesungen, passen bestens ins Programm einschlägiger AOR-Radiosender, den Skalp heben sie einem aber nicht vom Schädel. Da fehlt der Bums, die Gefährlichkeit, Herr Yarbrough ist eindeutig nicht auf dem Kriegspfad. Freilich ist das funky Goin' Crazy ein beschwingter Sommerhit, aber irgendwann müsste halt auch mal das Beil kommen und das Holz fürs Lagerfeuer spalten.
"Phoenix Rising" ist gefällig, über Strecken zu gefällig und rund, dabei hat Krishna eine starke Stimme, die richtig zupacken kann, und ein guter Songwriter ist er außerdem. Zusammen mit einem richtigen Mistkerl an der Gitarre und einem Pfund mehr Produktionswucht wäre es ein tolles Album geworden. So ist es nur schön, nett und mit zwei, drei herausragenden Rockern bestückt. Da ist für die nächste Scheibe Luft nach oben, aber so ganz ignorieren sollte man "Phoenix Rising" trotzdem nicht, richtig laut gehört macht das schon Spaß.
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