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| Live At Rockpalast 1983, M.i.G.-Music, 2012 |
| John Lydon |
Vocals |
| Joseph Guida |
Guitar |
| Louis Bernardi |
Bass |
| Arthus Stead |
Kryboards |
| Martin Atkins |
Drums |
| Produziert von: WDR |
Länge: ca. 65 Min |
Medium: DVD |
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| Zeche Bochum, 31.10.1983: | |
| 1. Public Image I | 9. (This Is Not A) Love Song |
| 2. Annalisa | 10. Low Life |
| 3. Religion | 11. Under The House |
| 4. Memories | 12. Bad Life |
| 5. Flowers Of Romance | 13. Public Image II |
| 6. Solitaire | Bonus: |
| 7. Chant | Rehearsal |
| 8. Anarchy In The U.K. | Interview with Alan Bangs |
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PUBLIC IMAGE LIMITED war ein großes Missverständnis zwischen dem Publikum und John Lydon, den eben jenes Publikum immer noch als Johnny Rotten und Vorplärrer der SEX PISTOLS sah. Von 1975 bis 1978 hatte Rotten/Lydon dem Rock-Establishment den Garaus gemacht, daneben seinen Kumpel und Bass-Darsteller Sid Vicious zugrunde gehen sehen, und recht bald erkannt, dass Punk wohl eine Lebenseinstellung, aber keinesfalls ein dauerhafter Musiktrend sein konnte. Nach dem erwartbaren Ende der PISTOLS widmete sich Lydon schnell der neu gegründeten Firma Public Image Ltd., die eigentlich gar nicht vordergründig als Band gedacht war, sondern eher als etwas, das man heutzutage als "Think Tank" bezeichnen würde - eine Kreativwerkstatt also (wobei zu bezweifeln ist, dass irgendein moderner Think Tank auch nur ansatzweise kreativ ist).
Mangels künstlerischer Alternativen war PIL natürlich flugs zum Bandprojekt geworden und hatte mit zwei Problemen zu kämpfen: den populären Punk loszuwerden und gleichzeitig mit avantgardistischem New Wave nicht gnadenlos auf die Schnauze zu fallen. Durch das Zugpferd John Lydon fiel der Sturz halbwegs erträglich aus, PIL war zwar nie ein Topseller, aber über ein gutes Jahrzehnt blieb die Sache - immer beim Top-Label Virgin Records untergebracht - am Köcheln. Die Veröffentlichung des Rockpalast-Auftritts von 1983 kommt taktisch ganz gut, denn Lydon hat PIL reaktiviert und lässt den Backkatalog momentan neu vermarkten. Selbstverständlich von einem Major, der inzwischen von Universal übernommenen EMI nämlich. Volle Kanne Punk also…
1983 hatte PIL die x-te Häutung hinter sich, das neben Lydon zweite Aushängeschild, Jah Wobble, war längst raus, die im Rockpalast agierende Kapelle war eine - bis auf den Schlagzeuger - ganz kurzlebige Formation, und sie war auch nicht wirklich gut. Obwohl, die Frage nach der technischen Qualität der gespielten Musik stellt sich angesichts des nihilistischen Ansatzes von PIL sowieso nicht, es kommt eher auf die Performance an, welche an diesem 31. Oktober 1983 in der Dortmunder "Zeche" dann auch eher spartanisch ausfiel, die agierenden Musiker waren eher im Studio denn auf der Bühne zuhause. Das ganze Konzert mutet seltsam an, denn Musik abseits von gängigen Strukturen, reichlich weit entfernt von Harmonielehre oder gar banalem Publikumsgeschmack ist schon schwer genug, sieht man dazu das krampfhaft Pogo hüpfende Publikum, fragt man sich, ob nun die Band oder das Fanvolk neben der Kappe steht.
Der Nicht-Sänger Lydon "begeisterte" mit einer Mischung aus Malerkittel und Bademantel, tölpelte dazu bekannt plattfüßig über die Bühne und benahm sich auch ansonsten ziemlich affig. Exaltiertes Gequäke zu schrabbeliger Musik von ganz augenscheinlich zu mehr als seltsamen Post-Punk befähigten Musikern war 1983 kein Renner, und ist es heute auch nicht. Der noch nicht 30jährige Lydon hatte die Band nicht im Griff, denn sie war besser als er. Da ging mal der ansonsten stoisch im Eck stehende Gitarrist mit Fripp'schem Irrsinn oder ganz banalem Funk voraus, oder der Keyboarder setzte seine ganze Tastenmacht ein, und persiflierte damit den kompositorischen und gesanglichen Minimalismus - bestimmt ein Riesenspaß für den vermeintlichen Superstar John Lydon. Bezeichnend ist, dass Lydon während der gesamten Stunde exakt ein Mal authentisch wirkt, nämlich bei Anarchy In The U.K., das die Band fatalerweise vom Punk-Hit zum gut gerockten Pub-Fetzer transponierte.
Nach einer guten halben Stunde plus der Zugabe (This Is Not A) Love Song, dem einzigen echten PIL-Hit, wäre beinahe Schluss gewesen, doch "geheime" Mächte zwangen die Band zurück auf die Bühne, damit die vermutlich im Vertrag festgelegten 60 Minuten erreicht wurden. Der Hardcore-Funk Bad Life gefiel dabei dem Publikum überhaupt nicht, Lydon wirkte gelangweilt bis genervt und nach exakt einer Stunde war dann endgültig Schicht. Zurück blieb ein irritiertes Publikum, was kein großer Unterschied zum heutigen DVD-Seher sein dürfte. Wie gesagt, PIL war ein Missverständnis, das auch viele Jahre später höchstens Neugier weckt, Begeisterung eher nicht.
Die beiden Bonus-Nummern aus den Proben sind mangels Soundqualität überflüssig und das Interview mit John Lydon dürfte dem armen Alan Bangs seinerzeit die ersten grauen Haare bereitet haben. Lydon war nämlich ein eher schlichter Charakter…
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