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| Beethoven's Last Night, BMG/Tonpool, 2010 (2000) |
| Robert Kinkel |
Piano, Keyboards, Background Vocals |
| Jon Oliva |
Piano, Keyboards, Bass & Lead Vocals |
| Al Pitrelli |
Lead & Rhythm Guitars, Bass |
| Paul O'Neill |
Rhythm & Acoustic Guitars |
| Jeff Plate |
Drums |
| Johnny Lee Middleton |
Bass |
| Chris Caffery |
Guitars |
| Dave Wittman |
Drum-, Guitar- & Bass-Inserts |
| Jody Ashworth, Patti Russo, Guy Lemmonnier, Jamie Torcellini, Sylvia Tosun, Zak Stevens, Dave Diamond, Doug Thoms |
Lead Vocals |
| Danielle Landherr, Marni Elliot, Christian James, Jacob Ashworth, Evan Maltby, Sebastian Perez, Caroline Ross |
Background Vocals |
| u.a. |
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| Produziert von: Paul O'Neill |
Länge: 72 Min 59 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Overture | 12. I'll Keep Your Secrets |
| 2. Midnight | 13. The Dark |
| 3. Fate | 14. Für Elise |
| 4. What Good This Deafness | 15. After The Fall |
| 5. Mephistopheles | 16. A Last Illusion |
| 6. What Is Eternal | 17. This Is Who You Are |
| 7. The Moment | 18. Beethoven |
| 8. Vienna | 19. Mephistopheles' Return |
| 9. Mozart/Figaro | 20. Misery |
| 10. The Dreams Of Candlelight | 21. Who Is This Child |
| 11. Requiem (The Fifth) | 22. A Final Dream |
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Es gibt zwei Möglichkeiten beim TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA. Entweder die Herren O'Neill, Kinkel, Oliva und Pitrelli wollen mit ihrem Multimillionenprojekt eben jene Millionen verdienen und im besten Fall nebenbei auch noch persönlichen Spaß haben, oder aber sie meinen es wirklich ernst und wollen Kunst, Kultur, vielleicht sogar Monumente erschaffen und gleichzeitig einen bildungspolitischen Auftrag erfüllen. Die zweite Variante wäre bedenklich, denn wenn uns TSO belehrt, ist das Ende des Abendlandes besiegelt. Mindestens, denn die amerikanischen Schlaumeier schreiben den großen Ludwig van im dicken Booklet beharrlich Ludwig von Beethoven. Deswegen an dieser Stelle ein pädagogisch wertvoller Beitrag: Beethoven ist keine von Chuck Berry erfundene Sagengestalt. Weitere Informationen über diesen Herrn von Beethoven erhält man im Lehrfilm "A Clockwork Orange" von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1971.
"Beethoven's Last Night" ist eine Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2000, als TSO erstmals kein Weihnachtsalbum produzierte, sondern sich um die wahre Geistesgröße kümmerte. Offiziell wurde das Ding nie in Europa veröffentlicht (die haben uns so viel Intellekt nicht zugetraut) und zuhause in den Staaten floppte die Scheibe nach Dreifachplatin für die Weihnachts-CDs mit einer schnöden Gold-Auszeichnung. Es ist zu vermuten, dass die Händler in God's own country die CD in die Schulbuchabteilung gestellt haben und sie deswegen vom normaldoofen Rockhörer nicht gefunden wurde. Blöd, das, denn so viele Neuigkeiten über Beethoven wird man nie mehr erfahren…
Nochmal zurück zum pädagogischen Ansatz. Es ist grundsätzlich selbstverständlich legitim, Realität und Fiktion in der Kunst zu verbinden, die größten Kulturschätze hätten sonst niemals entstehen können. Als Beispiel soll Shakespeares "Romeo und Julia" dienen. Ein grandioses Werk ohne Zweifel, aber es gab weder eine reale Julia noch einen unter ihrem Schlafgemach säuselnden Romeo - und der berühmte Balkon in Verona wurde im letzten Jahrhundert für die Touristen angebaut. Sie verstehen, verehrter Leser? Paul O'Neills Beethoven-Story hat mit der Wahrheit nichts zu tun, ist aber gleichwohl amüsant. Es wird wild (und angemessen banal) aus Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus" und Goethes "Urfaust" zitiert, nur die orchestrale Umsetzung hat überhaupt nicht geklappt, beziehungsweise bewegt sie sich auf einem Niveau, das vielleicht für Grundschüler geeignet ist - in Amerika wäre das wohl die High School. Eigentlich fehlt nur der Einsatz von Xylophonen aus der Orff'schen Musikschule, aber Carmina Burana wurde vom TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA erst im letzten Jahr auf "Night Castle" verbraten (zugegebenermaßen gar nicht mal so schlecht).
Was ist der Grund des Ärgers? Ganz einfach, "Beethoven's Last Night" ist musikalisch eine Verballhornung von Weltkulturerbe, wie man sie hierzulande höchstens Vögeln wie Richard Clayderman oder André Rieu zutraut, aber doch nicht einer ernsthaften Rockband. Da werden wahllos Versatzstücke von Mozart, Chopin, Bach, Rimski-Korsakov, natürlich Beethoven und O'Neill/Oliva/Kinkel zusammengewürfelt, ohne dass es die geringste Begründung dafür gibt, außer natürlich, dass man dem Hörer ein buntes Potpourri beliebter Klassik-Gassenhauer vermixt mit ein bisschen Heavy Metal bieten möchte. Schauderhaft.
Zu allem Überfluss wurde für die Neuauflage auch noch ein entsetzlich schäbiges neues Coverbild verwendet. Auf dem Original war wenigstens eine halbwegs vernünftige "Malerei" des erschöpft über seinem Flügel zusammensinkenden Beethoven zu sehen, jetzt pöbeln sich zwei Gruselgestalten aus dem Thrash-Metal-Ersatzteillager an.
Bei aller Liebe zu SAVATAGE und den meisten hier agierenden Musikern, so ein Panoptikum von auf Kommerzradioformat gebrachter Klassik braucht wahrhaftig nur jemand, der Beethoven für eine Figur aus Disneyland hält und für ein Musical von Lloyd-Webber sogar nach Bochum reist.
Zur Ehrenrettung dieses pompösen Unfugs sei gesagt, dass die Gesangsleistungen einiger "Darsteller" bemerkenswert gut sind. Allen voran Zak Stevens, der ehemalige Sänger von SAVATAGE, und vor allem Patti Russo als Beethovens unglückliche Liebe Theresa. Russo hat ihre Extraklasse schon beinahe zwei Jahrzehnte lang bei Meat Loaf bewiesen und ist hier das Highlight. Jon Oliva gibt als Mephistopheles eher den grummelnden Clown, den jedoch gut, und spielt ansonsten ein passables Klavier, aber Für Elise lernt ja nun auch wirklich jeder Anfänger bis zur Erschöpfung.
Ehrlich jetzt, ganz grundsätzlich wäre Beethovens letzte Nacht ein spannendes Unterfangen, aber eben nicht mit amerikanischer Besetzung. Jon Lord hätte sowas mit DEEP PURPLE früher womöglich seriöser erledigen können.
PS: In Erwartung vieler Beschimpfungen erboster TSO-Fans sei gesagt, dass die anstehenden Konzerte im März 2011 sicherlich interessant wären, wenn sie nicht in so lieblosen Fabrikhallen wie dem Zenith in München stattfinden würden. Dort klingt sogar Industrial-Metal noch beschissener als ohnehin schon.
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