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Frohe Ostern!

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Es hat nichts mit Schadenfreude zu tun, es soll auch kein Sau-durchs-Dorf-treiben veranstaltet werden, es ist einzig und allein persönliche Genugtuung, die das allmonatliche HoR-Editorial diesmal begründet. Obwohl, richtig bedacht ist Genugtuung der völlig falsche Ausdruck, denn wie kann man befriedigt sein, wenn andere haben leiden müssen. Bestätigung wäre vielleicht korrekter. Ja, in den letzten Tagen haben sich Dinge bestätigt, die ich dem betroffenen Herrn schon immer zugetraut und unterstellt habe.
Es geht um Walter Mixa, den Bischof von Augsburg, den ich in dieser unheiligen Rockmusik-Publikation schon mehrfach erwähnt habe (u. a. im März 2009 und März 2010).
Natürlich ist ein Online-Rockmagazin nicht das mediale Instrument für Kritik an Zuständen zwischen Himmel und Erde, aber es tut gut, jenseits der Musik Flagge zu zeigen. Und deswegen bezeichne ich als alleinverantwortlicher Verfasser dieses Textes den 1941 in Oberschlesien geborenen heutigen Bischof von Augsburg Dr. Walter Mixa als Heuchler, Lügner, Scheinheiligen und Kindesmisshandler.

In den letzten zwei Monaten wurden Dutzende Fälle von sexuellem Missbrauch und gewalttätigen Misshandlungen in Einrichtungen der katholischen Kirche aufgedeckt und teilweise nach Jahrzehnten öffentlich gemacht, in dieser gerade zu Ende gegangenen Karwoche veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung Gewaltvorwürfe gegen Mixa. Grundlage sind 8 eidesstattliche Versicherungen von ehemaligen Insassen des Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef im oberbayerischen Schrobenhausen. Dort war Mixa von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer. Den Erklärungen zufolge hat Mixa die Kinder mit Faustschlägen oder Stöcken und Teppichklopfern "gezüchtigt", sogar einen Kochlöffel hat er an einem Kind zerbrochen, nicht ohne darauf hinzuweisen, in wessen Auftrag er handelt: "In dir ist der Satan, den werde ich dir schon austreiben." Dass er sein Auto von Heimkindern putzen ließ, ist daneben beinahe eine Marginalie, es zeigt nur ein weiteres Mal den Charakter des hohen Herrn.
Strafrechtlich verfolgbar sind die Taten nicht mehr, es handelt sich um Übergriffe in den Siebziger und Achtziger Jahren, die allesamt verjährt sind. Prompt melden sich Menschen, die eine kirchenfeindliche Verschwörung wittern, denn wie könne es sein, dass ausgerechnet jetzt solche Vorwürfe laut werden, wo die Institution Kirche ohnehin gerade von den Ungläubigen sturmreif geschossen wird. Diesen Eiferern sei gesagt, dass die Opfer vorher gar keine Chance hatten Gehör zu finden, denn sämtliche Skandale wurden über Jahrzehnte in der im Katholizismus üblichen Art und Weise totgeschwiegen, unter den Teppich gekehrt oder mit breiter Zustimmung der Gläubigen als Rufmordkampagne oder normale Erziehungsmethoden abgetan. Die Opfer hatten niemanden, an den sie sich wenden konnten, ohne Gefahr zu laufen öffentlich diskreditiert zu werden. Kritische Fragesteller und Journalisten standen vor verschlossenen (Kloster-)Türen und wurden mit druckreifen Dementis abgespeist, im Hintergrund liefen dann stets die traditionellen Einschüchterungsmaßnahmen und gelegentlich wurde ein Täter als Bauernopfer strafversetzt. Von Aufklärungswillen oder gar Reue keine Spur, die Kirche machte immer dort weiter wo sie gerade aufgehört hatte und wurde so in ihrem innersten Kern zu einem immer weltfremderen Allmachtsgebilde, das durchaus dem aus Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" ähnelt. Allerdings spielt das Buch im 14. Jahrhundert.
Man darf unterstellen, dass die Versicherungen an Eides Statt nicht erlogen sind, die Menschen, die sich jetzt erst melden, haben die Hoffnung, dass nun endlich die Wahrheit von der Öffentlichkeit gehört wird, ohne dass ihnen persönliches Ungemach droht. Die erlittenen körperlichen und vor allem seelischen Schmerzen nimmt ihnen zwar niemand mehr ab, aber vielleicht können so manche dunkle Kapitel aus Kindertagen nach Jahrzehnten geschlossen werden. So gesehen ist der Klerus tatsächlich sturmreif geschossen, es wurde auch Zeit dafür.

Zur Auffrischung eine kleine Auflistung Mixas früherer Äußerungen:
- Er verglich Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust.
- Er kritisierte staatlich subventionierte Kindertagesstätten, weil damit Frauen zu Gebärmaschinen degradiert würden.
- Er machte Andersgläubige und Atheisten für Kriege verantwortlich, ignorierend, dass Millionen Menschen im Namen seines Gottes ihr Leben lassen mussten.
- Er machte die "sogenannte sexuelle Revolution" für die Missbrauchsfälle in seiner Institution mitverantwortlich.

Die reflexartige Reaktion auf die aktuellen Vorwürfe gegen ihn verwundert nicht: Die Anschuldigungen seien "absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den Bischof persönlich zu diffamieren", ließ das Bistum vermelden und drohte gleichzeitig mit zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen. Klar, nachdem die Sache öffentlich gemacht wurde und eine Lösung im Beichtstuhl nicht mehr möglich ist, muss selbstverständlich mit dem weltlichen Recht gedroht werden, um die vermeintlichen Lügner mundtot zu machen. Umso besser, dass ein Mixa-Opfer direkt antwortete, "Kein Problem, ich sage Herrn Mixa vor Gericht gerne ins Gesicht, was er mir angetan hat." Wie will "Seine Peinlichkeit" Mixa aus dieser Nummer herauskommen? Etwa mit dem von ihm über die Homepage des Bistums Augsburg angebotenen Gespräch:
"Ich bin zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen, die mir gegenüber erhoben werden. Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe.
Ich bin gerne bereit, mit Männern und Frauen, die in ihrer Jugendzeit im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen gelebt haben, über ihre Erinnerungen, Erlebnisse und Vorwürfe zu sprechen, um zuzuhören und zu erfahren, was sie in ihrer Kindheit belastet hat.
Die Sorge um das Wohl und die Zukunft von Kindern, Jugendlichen und Familien ist ein vorrangiges Anliegen meiner seelsorglichen Arbeit seit eh und je."

Mixa und seine Schergen bezeichnen die mutmaßlichen Opfer als Lügner, wollen dann aber erfahren was sie in ihrer Kindheit belastet hat. Welch Hohn diesen Menschen gegenüber. Belastet hat diese Heimkinder ganz bestimmt zuerst ihr persönliches Schicksal, denn Kinder aus glücklichen Familien landen nicht in einem Kinderheim, da fehlten zum perfekten Unglück in der Tat nur noch ein gewaltbereiter Stadtpfarrer und prügelnde Nonnen. Der Kirchenfürst benahm sich früher wie ein Berserker auf Kreuzzug, heute mimt er den seelsorgenden jovialen Bischofsonkel von nebenan. Vielen Dank auch.

Die großflächige Verkommenheit der katholischen Kirche wurde in den letzten Wochen in erschütternder Klarheit offenbart, da passt auch die vom Trierer Bischof Ackermann vorgeschlagene Fürbitte anlässlich der Karfreitagsgottesdienste ins scheinheilige Bild: "Lasst uns beten für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden. Wir beten auch für diejenigen, die schuldig geworden sind und sich schwer versündigt haben an jungen Menschen, die ihrer Sorge und Obhut anvertraut waren … Sei mit deiner Liebe, deinem Trost und deiner Kraft allen nahe, denen großes Unrecht geschehen ist und die tiefe seelische Verletzungen erlitten haben. Richte sie auf, heile ihre Wunden und stärke ihren Glauben. Den Schuldigen aber gib Einsicht und Reue, die Bereitschaft zur Umkehr und den festen Willen, vergangene Untaten gutzumachen … Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen."
Der Mann sieht die Sache sportlich und wirft Opfer und Täter in einen Topf, rührt einmal kräftig um und beschließt die Sache mit einem heuchlerischen Amen. So geht es nicht, jetzt müssen ganz schnell große Köpfe rollen, zuallererst der von Walter Mixa, wenn er nicht in Windeseile seine Unschuld beweisen kann - und das kann er nicht. Die Zeit von Beten und Aussitzen muss endgültig vorbei sein, ansonsten verliert die katholische Kirche auch noch die letzte Haftung in der Gesellschaft und bleibt auf ihrem mittelalterlich denkenden Bodensatz hocken. Sektierer wie die Piusbrüder werden sich freuen, Einfluss wird diese Kirche dann aber nicht mehr haben und alle guten und wichtigen Einrichtungen und Menschen des Glaubens werden in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Um es mit Westerwelle zu sagen: Wer dem Täter anstrengungslose Absolution verspricht, der lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. Wenn der Vatikan jetzt nicht schnell handelt, ist sein Untergang besiegelt. Frohe Ostern!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.04.2010

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