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Interview

Darrell Arnold
And The
Dead Buffaloes:

Klein und Fein

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Fotos:
Joachim Domrath

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Darrell Arnold
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Darrell Arnold And The Dead Buffaloes
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Mayo
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Darrell Arnold
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Hildesheim, Bischofsmühle, 30.08.2002Bildergalerie
Konzertbericht

Home of Rock: Ihr seid auf der PopKomm gewesen.Was war das für ein Feeling zwischen all den synthetischen Musik-Ergüssen?

Darrell Arnold: Nun ja. Leider war die Präsentation sehr schlecht organisiert.
Wir spielten abseits des Hauptgeschehens in einer Nebenhalle. Du kamst dir vor, wie ein Messe-Ausstellungsstück. Die Leute gehen vorbei, bleiben stehen, gucken, gehen weiter.
Trotzdem konnten wir einige interessante Kontakte mit kleinen Labels und z.B. dem Macher von EinsLive(WDR) knüpfen. Bei EinsLive haben die auch einen unserer Songs on air gespielt.
Die positiven Einflüsse überwogen also.

HoR: Im Frühjahr seid ihr im Hard Rock Cafe in Boston aufgetreten. Wie war der Vergleich mit deutschen Clubs?

D.A.: Hard Rock Cafe hört sich toll an. Dahinter verbarg sich aber mehr eine bessere Hamburger-Bude als ein Music-Club. Vor uns hat eine völlig katastrophale Band gespielt und den Saal fast leergeblasen. Doch wir konnten die Leute mit unserer Musik wieder zurückerobern.
Wir planen nächsten Jahr vielleicht eine längere Tour durch die Staaten zu machen. Du musst natürlich vorher drüben die richtigen Kontakte knüpfen. Basser Tom, unser Promotionmeister, ist bereits am Ball.

HoR: Ihr tourt seit einigen Jahren durchs Land. Ist die Situation besser oder schlechter geworden?

D.A.: Weder noch. Wir haben einige tolle Gigs z.B. mit BIG IN IOWA, Eric Burdon oder John Campbelljohn hinter uns. Die Massen ziehst du leider nicht in die Clubs. Bei dem Big in Iowa-Gig hatten wir knapp 60 Besucher. Allerdings habe wir uns inzwischen einen guten Ruf erspielt und dadurch viele Kontakte geknüpft.
Wir sind jetzt im September und vor allem im Oktober noch reichlich on the Road. Dann spielen wir auch mit den YARDBIRDS. Danach mit ALEX ORIENTAL EXPERIENCE u.s.w.
Uns macht das Touren, trotz der allgemeinen Besucherflaute, immer noch großen Spaß. Und wir leben halt auch vom CD-Verkauf auf der Tour. 1500 Stück kann man im Laufe der Zeit so locker unter die Leute bringen.

HoR: Wie weit sind Eure Verhandlungen mit einer Record Company?

D.A.: Das ist z.Zt. noch alles in der Schwebe. Du kannst unsere neue CD bereits bei Media Markt oder Saturn kaufen. Mit Glitterhouse sind wir noch nicht ganz handelseinig. Wichtig wäre ein Vertrieb, zum Beispiel wie CD-Baby, in den USA. Da wir fast nur in Deutschland und den Niederlanden touren, sind wir dort natürlich ein unbeschriebenes Blatt. Das wollen wir etwas ändern. Darum auch die geplante kleine Tour im nächsten Jahr.

HoR: Ihr habt ja beim Weltkulturfestival gespielt. Das hört sich super-intellektuell an.

D.A.: Das kann man sagen. Es traten mehrere Künstler und Bands auf. Vor uns eine australische Gruppe. Das waren absolute Künstler an ihren Instrumenten. Total komplexe Musik mit tollen Einzelleistungen. Und dann wir Rocker hinterher. Das kann ja nicht gut gehen. Aber es ging. Die Leute waren aus dem Häuschen. Nach all der Musikkultur kam der ehrliche Rock'n'Roll für die Leute wie gerufen. Rock hatte das Schloß wohl noch nicht erlebt.

HoR: Wie sieht es mit zukünftigen Projekten und Touren aus?

D.A.: Zur Zeit promoten wir unsere neue CD. Allerdings liegen jetzt schon wieder soviel Songs auf der Halde, dass im nächsten Jahr neues Material erscheinen wird.

Ich werde im Frühjahr ein Soloalbum als Singer/Songwiter veröffentlichen.
Und live gibt es sicherlich wieder eine Menge zu tun.

Thomas Jauer: Uns macht jeder Gig, ob vor 20 oder 200 Leuten immer noch großen Spaß. Schlimm ist es für Künstler, die einst Top waren und jetzt wieder von vorne anfangen müssen.
Erinnerst Du Dich an die Fritz Brause Band. Die waren für kurze Zeit im Rampenlicht. Jetzt gibt es sie wieder, aber sie finden keinen Tour-Veranstalter, weil sie jahrelang von der Bildfläche verschwunden waren. Es fehlen die Ansprechpartner. Das ist hart.
Wir waren niemals Stars und deshalb nie abgehoben. Wir spielen seit Jahren in kleinen Clubs und stehen so halt mit beiden Beinen im Leben. Und wenn das Feedback der Zuschauer stimmt, vergisst du die äußeren Bedingungen.
Bei jedem Konzert fängst du bei Null an. Die meisten Leute kennen deine Musik kaum und du musst erst Überzeugungsarbeit leisten. Und wenn der Funke überschlägt, bin ich voll zufrieden.
Mehr kann man nicht verlangen. Touren ist harte Arbeit aber auch viel Vergnügen.

HoR: Nennt doch einmal Eure heutigen Lieblingsmusiker und Bands.

Mayo: Zur Zeit fahr ich voll auf Contemperary Country ab. Carolyn Dawn Johnson, Kathy Mattea oder CONTINENTAL DRIFTERS find ich stark. Das ist eine Zeiterscheinung bei mir.
Ich hasse solche In-Bands wie die VINES. Das Album hatte ich blind gekauft, auch weil es im Angebot war. Die können gerade mal drei Akkorde spielen und sind musikalisch eine Katastrophe. Da hab ich mal wieder voll danebengegriffen.

HoR: Das kenne ich zur Genüge. Von dem Geld könnte ich mir heute einen gut erhaltenen Gebrauchtwagen kaufen.

D.A.: Ja. Ich war und bin ein großer Neil Young Fan. Aber die letzte CD ist eine Katastrophe.

T.J: Ich bekomme Magenkrämpfe, wenn ich die Monats-CD des "Rolling Stone" in die Hände bekomme. Ein Sammelsurium von grausigen Tracks. Der Musikgeschmack der Jung-Redakteure hat sich mir bis heute nicht so recht erschlossen. Was da drei Sterne kriegt. Nicht zu fassen.

D.A.: Ach, so zwei, drei Tracks gefallen mir davon eigentlich immer. Aber der Rest ist wirklich gewöhnungsbedürftig.

HoR: Wie lange spielt Ihr in dieser Besetzung zusammen?

T.J: 1998 haben wir zusammengefunden. Mayo und ich arbeiteten an einer Rockoper über das Leben von Buffalo Bill. Eigentlich kein so ernstgemeintes Projekt. Just for fun.
Bei einer Party lernten wir Darrell kennen. Er hat dann unsere Texte korrigiert und verbessert.
Wir haben dann ein Konzert gegeben. Die Leute waren völlig irritiert. Das Projekt war gestorben und unsere Band wurde aus der Taufe gehoben.

HoR: Darrell, Deine alte Fender Strato könnte auch so manche Geschichte erzählen...

D.A.: Schon. Aber Mayo's Fender ist ein echter Klassiker. Er und seine Gitarre sind unzertrennlich. Das wertvolle Stück will eigentlich gehegt und gepflegt werden. Aber Du wirst beim Konzert sehen, wie er gnadenlos das Letzte aus dem Teil herausholt. Gitarrensammler würden sicherlich zusammenzucken. Aber er ist der verspielte Typ in der Band. Oft baut er unvermutet Breaks ein, die so manchem Konzert überraschende Momente bescheren.
Und als Sound-Engineer ist er unverzichtbar. Gerade am heutigen Abend.

HoR: Was ist passiert?

D.A.: Meine Leslie hat ihren Geist aufgegeben. Und dieses akustische Ersatzteil klingt für mich völlig unbefriedigend.
Darum dauert der Soundcheck heute auch übermäßig lang. Die Gitarre klingt nicht voll genug.
(Kurz darauf klebt Darrell die Öffnung mit einem Isolierband zu)

T.J: Eigentlich ist die Doppelbelastung als Mixer und Player für Mayo auf Dauer unzumutbar. Aber anders ist es zur Zeit leider nicht machbar. Wir sind kein Superact, der alles vor die Nase gesetzt kriegt. Wir bauen auf, spielen und bauen ab. Das gehört halt dazu. Da ist es natürlich eine Erleichterung für uns, wenn die Clubs Hausanlagen haben. Dann hält sich die Installation in Grenzen.

HoR: Ihr habt eine recht ansehnliche Homepage. Wer kam auf die Idee zur "Homepage des Monats".

D.A.: Ich baue die Änderungen mit einem Freund ein und hatte auch die Idee. Internet ist die Zukunft. Darum sind Magazine wie Eures so immens wichtig. Ein nicht zu unterschätzendes Forum für gute Musik.
Die älteren Monatssieger kannst Du demnächst im Archiv finden.

T.J: Ja, Darrell ist der Internet Spezialist. Ich habe null Ahnung. Aber telefonieren auf die gute alte Art kann ich perfekt. Werde mich aber auch ein bisschen reinfuchsen.

Nach dem Konzert:

HoR: Das war ja ein heißer Abend.

D.A.: Ja. Der Laden hat sich beim 2. Set noch richtig gut gefüllt. Davor dachte ich, eine Pflichtzugabe und das war's.

HoR: Alles Spätstarter. Sogar ein paar Mädels haben zu Eurer Musik getanzt. Das sieht man in der Mühle auch nicht alle Tage.

D.A.: Sowas kommt bei unseren Konzerten öfters vor.
Wir haben ja auch richtig laut gespielt. Vor knapp 2 Jahren war hier der Sound doch um einiges dezenter.

HoR: Du musstest einige Male richtig improvisieren, als sich das Isolierband von Deiner Ersatzgitarre gelöst hatte und an den Saiten festklebte.

D.A.: Das sind die kleinen Unwägbarkeiten. Aber Mayo hat das gut überbrückt. So eine Mistgitarre. Da sind ja die Billigdinger aus den Supermärkten besser.

Mayo:Waren die Gitarren nicht generell zu leise?

HoR: Nein, überhaupt nicht. Beide Gitarren, klangen gut. Allerdings stand ich nur knapp einen Meter vor der Bühne. Und aus dem Publikum waren keine Klagen zu hören.

T.J: Wir haben selten so lange gespielt in letzter Zeit. 2 1/2 Stunden mit 2 Gitarren, Bass und Drums. Sowas ist ein Kraftakt.

HoR: Ich wünsche Euch eine gute Heimreise und habt vielen Dank für das Interview.

Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 30.08.2002

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