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Klassischen Blues Rock macht er nicht, ein klassischer Charmingboy ist er auch nicht, dafür hat er aber wirklich etwas zu sagen und das tut er laut und deutlich. Anlässlich seiner neuen CD "Peace, Love & Respect" und der anstehenden Europatournee weilte Ted Horowitz in Hamburg und stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.
Home of Rock: Dein Konzert in Losheim am 28.03.2004 wurde von der dortigen Gemeinde abgesagt. Was ist da passiert?
Popa Chubby: Ich denke, das ist eine ganz besonders konservative kleine Stadt dort. Vielleicht mögen die einfach den ausgestreckten Mittelfinger auf dem Cover nicht, keine Ahnung. Wir treten dafür jetzt in Saarbrücken auf.
HoR: Ist Dir das schon öfter passiert?
P.C.: Es ist nicht das erste abgesagte Konzert, aber das erste aus diesem Grund.
HoR: Was bedeutet "Peace, Love & Respect" für Dich? Ist es etwas was Du predigst...?
P.C.: Ich predige nicht! Ich versuche mich selbst zu finden, ich bin ein Suchender. So wie Du und jeder andere. Ich glaube nicht, dass ich perfekt bin, I'm a sinner not a saint.
HoR: ... oder ist es etwas was Du generell vermisst? In Amerika, auf der ganzen Welt.
P.C.: Es ist etwas, was die ganze Welt braucht. Menschenrechte, peace of heart, peace of mind, das Recht auf friedliches Zusammenleben und Respekt, von uns selbst und anderen.
HoR: Du bist aus New York, aus der Bronx. New York bedeutet viel, aber eines nicht, die Hauptstadt des Blues zu sein. Warum machst Du ausgerechnet Blues? Und wie geht es der Bluesszene in NYC?
P.C.: Keine Ahnung. Ist halt das was ich tue. Und ich mache ja nicht DEN Blues, sondern meine eigene Version davon.
Die Szene ist ziemlich tot, da passiert nicht viel.
HoR: Auf der Bühne hat man von Dir oft den Eindruck des bösen, zornigen Mannes.
P.C.: Ich glaube, ich bin eher confused als zornig. Manchmal werde ich allerdings schon böse.
HoR: Warum?
P.C.: Weiß nicht, da kann viel passieren. Drumherum und im Kopf. Du machst dir um so viele Sachen Sorgen und dann gehst du da rauf und es kommt alles aus dir raus.
HoR: Was macht Dich im täglichen Leben sauer?
P.C.: Eine Menge. Persönliche Dinge wie der Mangel an Anstand, Mangel an Ehre. Es ist schwer ein "menschliches" Wesen zu sein, schwer keine Fehler zu machen.
HoR: Lass uns über "Peace, Love & Respect" reden. Du warst recht fleißig in den letzten 10 Jahren. Ist die Platte eine Weiterentwicklung oder einfach nur ein weiteres Album?
P.C.: Eindeutig eine Weiterentwicklung. Das Album hat neue, andere Motive und Inhalte als die bisherigen. Politische, intellektuelle und musikalische Gründe.
HoR: Die erste Nummer auf dem Album ist der Un-American Blues. Scheint mir eine gefährliche Sache zu sein, so einen Song heutzutage zu machen.
P.C.: Warum?
HoR: Na ja, der Text wird nicht jedem gefallen, speziell in den USA nicht.
P.C.: Meinst Du? Interessant. Ich habe den Eindruck, Ihr Europäer glaubt, wir Amerikaner wären alle wie George W. Bush. Und das stimmt nicht! Wir sind viele, die gegen ihn und seine Administration sind.
Ich rede in dem Song über eine Menge Dinge. Über die amerikanische Verfassung, die Menschenrechte in Amerika und ich rede über die Ähnlichkeiten zwischen George Bush und Osama Bin Laden. Die beiden sind furchtbar ähnlich. Beides Söhne von reichen Öl-Menschen, beide sind Fanatiker. Als ob Gott und der Teufel sich freundlich miteinander unterhalten. Nur leider lügen beide wie gedruckt.
Der 11. September war das beste was der Bush Regierung passieren konnte. Traurig aber wahr. Die Republikaner haben es als Sprungbrett zur Durchsetzung ihrer Ziele benutzt.
Wir haben den Song bisher nur live gebracht (die Platte erscheint in den USA erst im Mai - Red.) und hatten bisher nur positive Reaktionen darauf.
HoR: Du hast offenbar ein liberales Publikum.
P.C.: Ich glaube, Leute die Rockmusik hören sind generell liberal. Vielleicht nicht die Republikaner die Don Henley und so Kram hören...
HoR: Ich hab mich vor einigen Monaten mit Johnny Van Zant von LYNYRD SKYNYRD über dieses Thema unterhalten.
P.C.: Aha, der sieht das wohl etwas konservativer, oder?
HoR: Nicht unbedingt, aber er meint, dass die Amerikaner gefälligst hinter ihrem Präsidenten zu stehen haben, wenn es um die Verteidigung ihres Landes geht.
P.C.: Na, eben nicht. Es ist ein amerikanisches Grundrecht zu widersprechen und eine andere Sichtweise zu haben. Es ist ein Problem, dass so viele Leute glauben, was ihnen erzählt wird.
Wenn Du nicht mit mir einer Meinung bist, dann ist das okay, wir können drüber diskutieren und eine neue Ebene von Verständnis schaffen.
HoR: Leute wie Michael Moore oder die DIXIE CHICKS haben aber doch ordentlich Ärger bekommen.
P.C.: Ich glaube nicht, dass der [Moore] Ärger hatte. Weil er steht doch hinter dem was er sagt und glaubt. Der Punkt ist, dass du einfach hinter dem stehen musst was du glaubst. Auch wenn es grade nicht populär ist.
HoR: Du spielst eine Menge, manches Jahr bis zu hundert Konzerte. Bist Du nicht manchmal müde jeden Abend auf die Bühne zu müssen und dauernd zu reisen?
P.C.: Ja, ich bin sehr müde. Grade eben auch. Irgendwie steh ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Vielleicht überlebe ich es ja, vielleicht auch nicht...
(Ob das wohl an unserem Gespräch liegt?)
HoR: Was für Musiker haben Dich beeinflusst.
P.C.: Viele. Die Liste ist ewig lang. Keith Richards, die STONES, LED ZEPPELIN, Hendrix, Albert King, B.B. King, Freddie King und Hubert Sumlin und so viele unterschiedliche Leute.
HoR: Manchmal erinnert mich Dein Gitarrenspiel an Johnny Winter.
P.C.: Johnny war brillant, definitiv ein Einfluss.
HoR: Hörst Du moderne Sachen?
P.C.: Eine Menge. Viel Hip-Hop. Viele unterschiedliche Sachen.
HoR: Wird Deine Art von Bluesrock die Musik sein, die Du immer machen wirst? Bis zur Rente.
P.C.: Ich habe keine Ahnung was ich morgen machen werde. Ich lebe heute. Keine Pläne für irgend etwas. Man muss sehen was passiert.
HoR: Ich wünsche Dir viel Erfolg mit der Platte und der Tour. Thank you!
Home of Rock bedankt sich für das Interview bei Tom von Shack Media und bei Dirk Matzke.
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