HoR Logo kl Interview:

Sue Foley

"Es muss gut klingen"

Logo Home-of-Rock
Startseite > Interviews > Sue Foley > "Es muss gut klingen"
Link Homepage:
Offizielle Sue Foley Homepage
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Ruf Records
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer

Young Girl Blues
"Young Girl Blues", 1992
Without A Warning
"Without A Warning", 1994
Big City Blues
"Big City Blues", 1995
Walk In The Sun
"Walk In The Sun", 1996
Ten Days In November
"Ten Days In November", 1998
Love Comin' Down
"Love Comin' Down", 2000
Back To The Blues
"Back To The Blues", 2000
Where The Action Is
"Where The Action Is", 2002
Change
"Change", 2004

Sue Foley Mit Sue Foley beim Frühstück sitzen, Milchkaffee trinken und entspannt über Musik plaudern ist eine äußerst angenehme Tätigkeit. Sue war dieser Tage in Deutschland unterwegs um ihre aktuelle CD "Change" zu promoten und hat dabei am Vorabend in München für die letzte verbliebene Rockmusiksendung im Bayrischen Rundfunk, den "Zündfunk", einen Akustikset performt. Das lief erwartungsgemäß gut und entsprechend aufgeräumt war Sue bei unserem Gespräch.

Home of Rock: Sue, wie kam es denn zu der CD "Change"?

Sue Foley: Das war nicht wirklich geplant. Das Equipment war da und dann haben wir dort einfach 3 Abende aufgenommen. Dass daraus eine CD wird stellte sich erst hinterher heraus.

HoR: Und warum mit der akustischen Gitarre?

S.F.: Ach, das war einfach das Feeling an den Abenden. Ich hatte Lust drauf, fühlte mich auch richtig gut mit der Band zusammen, das Publikum war gut dabei... einfach so ein guter Moment den wir da erwischt haben. Und wirklich, dass ich ein Album draus machen würde, habe ich erst beschlossen, als ich die Aufnahmen hörte.

HoR: Was ist mit den Songs, warum grad die?

S.F.: Ein paar von denen hatte ich gerade geschrieben, andere sind schon recht alt, waren aber nie aufgenommen worden und ein paar sind halt meine eigenen Faves, Here Comes The Sunn zum Beispiel.

HoR: Wie würdest Du Deine Musik beschreiben? Ist es Blues, Singer/Songwriter, Folk, Heavy Metal?

S.F.: Also Heavy Metal ist es nicht!
Dieses Album ist Blues. Aber ansonsten gehe ich durch verschiedene Bereiche. Ich hab viele Einflüsse, von Jazz über Pop, irgendwann bist du an einem Punkt, wo man es nicht mehr richtig kategorisieren kann...

HoR: "Change" ist aber jetzt nicht Dein Konzept für die Zukunft?

S.F.: Nein nein, es ist eine Zeitaufnahme, just a moment in time. Inzwischen ist auch schon wieder ein ganzes Jahr vergangen und ich habe schon ein komplettes neues Album geschrieben.

HoR: Wer oder was hat Dich am Anfang Deiner Karriere beeinflusst?

S.F.: Die STONES, Rock & Roll der Siebziger, dann war ich großer CLASH- und SEX PISTOLS Fan, Punk allgemein, die Bands der ersten "British Invasion" wie die WHO und so weiter. Dann hab ich den Blues von Muddy Waters entdeckt, die alten Chess Platten, Robert Johnson, Willie Dixon, Country Blues... Heute höre ich so ziemlich alles, bis hin zu Count Basie. Ich liebe zum Beispiel T-Bone Walker. Ich ging und gehe durch alle möglichen Phasen.

HoR: Haben die Dich in Deinem Songwriting auch beeinflusst?

S.F.: Na ja, ich denke Willie Dixon ist einer der größten Songschreiber aller Zeiten, natürlich ist man von solchen Leuten beeinflusst. Von Bob Dylan auch. Als ich ernsthaft mit dem Lieder schreiben begonnen hatte war ich grad in der Bluesphase und mochte Dylan nicht besonders. Das hat eine ganze Zeit gedauert, ich habe ihn auch nicht wirklich verstanden. Bis ich "Blonde On Blonde" in die Finger kriegte und die Platte lief dann einen Monat ununterbrochen.

HoR: Wie schreibst Du Deine Songs? Lyrics oder Gitarre zuerst?

S.F.: Normalerweise spiele ich irgendwas auf der Gitarre, jammen, vielleicht eine Melodie finden, einen Chord, ein Riff, dann kommt irgendwann - vielleicht - ein Song dabei raus.

HoR: Über was sprichst Du in Deinen Liedern?

S.F.: Mmmh, alles mögliche eigentlich. Ich bin ja nun nicht der einzigartigste Songwriter auf der Welt... Es geht viel um persönliche Beziehungen, Reisen, die ganz alltäglichen Dinge. Ich bin noch immer sehr beeinflusst vom Blues, auch in den Themen meiner Songs.

HoR: Keine politischen Dinge?

S.F.: No! (lacht)
Es inspiriert mich nicht und außerdem finde ich Politik völlig verwirrend. Und es wird zu viel gelogen.

HoR: Was ist wichtiger: Dass ein Song geil klingt oder dass der Text besonders "sinnvoll" ist?

S.F.: (schmachtet, dass die Butter schier zerfließt) Es muss gut klingen...

HoR: Dachte ich mir, Du magst ja auch Popmusik.

S.F.: Ja, ich mag geschickt gemachte Popsongs. Genau wie Rock & Roll Songs.

HoR: Du meinst so ganz simple Rock & Roll Songs die einfach abgehen?

S.F.: Ich liebe halt die Stones, die haben so viele geniale Songs. Ich mag auch die EVERLY BROTHERS oder eine Menge von den BEATLES. Da kann man eine Menge von lernen.

HoR: Du bist jetzt alleine auf dieser kleinen Promotour und machst ein paar Soloauftritte. Was ist der Unterschied zu den Gigs mit der Band?

S.F.: Na ja, mit der Band kann ich mich an der Gitarre austoben und es richtig krachen lassen und mit den Jungs lachen und rumalbern. Da habe ich wohl mehr Spaß dran. Solo ist es eine größere Herausforderung, du musst dich mehr konzentrieren. Es ist härter. Ich spiele auch in Kanada nicht solo, nur ab und an bei kleinen Radioshows ein paar Songs.

HoR: Wie ist Deine Situation in Kanada? Habt Ihr überhaupt eine Bluesszene?

S.F.: Seit 1998 geht es gut voran und wir haben schon eine Szene. Aber die gibt es doch überall eigentlich. Auch wenn es manchmal nur ein einziger Club ist.

HoR: So wie bei uns in München...

S.F.: Na, in Toronto gibt es schon ein paar mehr. Schaut eigentlich ganz gut aus bei uns. Wir haben auch eine Menge Festivals im Sommer.

HoR: Was ist der Unterschied, die Herausforderung hier in Europa?

S.F.: Oh, da gibt es schon Unterschiede. Hier in Europa wirst du ganz anders beachtet, respektiert als Künstler. Die Leute nehmen ein Konzert mehr als Event wahr, freuen sich darauf. In Nordamerika wirst du oftmals einfach ignoriert wenn du keine große Show machst. Das ist hier schon ganz anders.

HoR: Du wirst auch wieder hier spielen?

Bluescaravan

S.F.: Klar, wir machen den "Blues Caravan" (mit Ana Popovic und Candye Kane - Red.) und 2005 eine eigene Tour. Beim "Blues Caravan" wird nicht meine Band dabei sein sondern die MICHAEL HILL BAND. Also nicht Michael, nur seine beiden Jungs.

HoR: Die sind gut!
Wie hat sich Deine Musik entwickelt seit der ersten Platte 1989?

S.F.: Vor allem glaube ich, dass ich authentischer geworden bin, mehr ich selbst. Wenn du Blues machst, bist du eine ganz lange Zeit erst mal nur Imitator, dazu kommt, dass ich aus Kanada bin und eher nicht mit Blues aufgewachsen bin sondern mit Rock & Roll aus den Seventies. Da ist natürlich auch Blues drin, aber eben kein Muddy Waters... Es hat sicher 10 Jahre gedauert, bis ich mich wirklich selbst gefunden habe im Blues und mich damit auch richtig wohlgefühlt habe.
Grundsätzlich gilt wohl im Blues tatsächlich, dass du immer besser wirst je älter du wirst. Du hast einfach mehr zu sagen, deine Geschichten werden besser, du bist näher am Publikum dran und du hast irgendwann deinen eigenen Sound.
Ich entwickle mich immer (noch) weiter, aber ich fühle mich nicht mehr als Nachahmer wie früher.

HoR: Eine Art Emanzipation?

S.F.: Total!

HoR: Bist Du Sängerin oder Gitarristin?

S.F.: Beides! Absolut. Und Songwriter.

HoR: Du kannst Dir nicht vorstellen ohne Gitarre auf die Bühne zu gehen?

S.F.: Nein. Aber ich kann mir vorstellen auf der Bühne nicht zu singen. Ich mag Instrumentals. Vielleicht bin ich mehr mit der Gitarre verbunden.

HoR: Du machst Musik, die man leicht mit typischen Bands der Siebziger vergleichen kann. LITTLE FEAT zum Beispiel und etliche andere.

S.F.: Ich mache ja nichts radikal Neues oder Innovatives. Ich spiele Gitarre und singe und das gab es auch schon vor mir. Ich mache eben mein eigenes kleines Ding, sicher keine Rock & Roll Revolution oder so was. Ich habe aber meinen eigenen Stil.

HoR: Gibt es denn überhaupt noch eine Chance für eine Rock & Roll Revolution?

S.F.: Ich glaube nicht. Rock & Roll hat schon bessere Tage gesehen.

HoR: Kommerziell gesehen?

S.F.: Musikalisch! Hör Dir doch den Mist im Radio an. It sucks!

Wir unterhielten uns noch eine Weile über die "neuen" coolen Jungs im Rock & Roll und dass es die eigentlich alle schon mal gegeben hat. Vor Jahrzehnten und mit originärer und besserer Musik...
Sue erzählte von ihrer relativen Zufriedenheit mit ihren bisherigen Plattenfirmen, von den Trillionen Dollars die sie nicht verdient und deswegen die Gefahr von Bootlegern im Internet nicht sonderlich fürchtet und dann ging es zusammen mit Katrin von Ruf Records - bei der wir uns einmal mehr bedanken - zum Zug und zum nächsten Termin. It's a long way to the top, aber Sue Foley findet ihren Weg ganz sicher auch weiterhin. Sie will schließlich keine neue Madonna werden und das ist gut so.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.10.2004

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Interviews > Sue Foley > "Es muss gut klingen"

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum