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| Jüchen, Red Hot, 19.09.2009 |
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Die Fähigkeit des Temporalen Überbaus ist offensichtlich eine BOOZED-immanente Eigenschaft. Das bewiesen die 5 Jungs bekanntlich bereits auf ihrem neuesten Album "One Mile": Der Output lärmt viel länger als die angegebene Spielzeit zu suggerieren versucht. Ähnlich verhält es sich bei einem BOOZED-Gig, wie wir spätestens seit dem 19.09.2009 wissen. Als die Band nach gefühlten 3 Stunden, die sie mit ungefähr 100 intensiven Songs vollpackte, die Bühne verließ, waren gerade mal mickrige 80 Minuten vergangen. Unglaublich!
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Für BOOZED muss der Auftritt in Jüchen schon irgendwie merkwürdig gewesen sein. Die Lokalität Redhot versucht gleichzeitig ein Bistro und ein Club zu sein. Offen und hell gestaltet nimmt der beleuchtete Thekenbereich all das weg, was einen herkömmlichen Musikclub ausmacht - nämlich das Familiäre und das Gemütliche, andererseits aber auch das Stickige und Miefige. Jedenfalls fanden sich zum kostenlosen BOOZED-Gig höchstens 50 Zuschauer ein.
Der 5 Meter-Raum vor der Bühne wurde von denen zur No-Go-Area erklärt. Nur zweimal verirrte sich ein Mädel dorthin, um unbeeindruckt von der allgemeinen Paralyse einen Singulär-Pogo durchzuziehen. Respekt! Nebenbei bemerkt übertraf das Durchschnittsalter der Besucher das der Band um ungefähr 50%.
BOOZED sind mit der Situation professionell und souverän umgegangen. Sie akzeptierten die für sie vielleicht sehr radikal ausgefallenen Rollenverteilung - die Band auf der Bühne hat gefälligst alles zu geben, weil das Publikum passiv belustigt werden will - (zur Schande sei eingestanden, dass der Autor nebst Gattin zu den Anführern der Bewegungslosen zählten) - und spielte sich von 22:10 bis 23:25 die Finger, Pleks und Kehlköpfe wund.
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BOOZED rockten unbekümmert drauflos. Ihr kraftvoller Punk'n'Roll brachte das große Fensterpanorama des Redhot zum klirren. Dabei lag der Schwerpunkt der Songauswahl natürlich auf dem aktuellen Album "One Mile", wobei der beste Song Next Door erstaunlicherweise ausgespart wurde (traurig, denn Next Door war für uns die eigentliche Motivation, unsere Hintern Samstagabend überhaupt zu bewegen).
Allen voran fegte Sänger Markus durch das Set. In feinem Zwirn erschien er wie ein Hybrid aus Bryan Ferry, Herbert Grönemeyer und Eric Oblander (genau, der Gestörte von FIVE HORSE JOHNSON). Auch die beiden Gitarristen Nico und Poni lieferten einen tadellosen Job ab. Sie beherrschen nicht nur die Pete-Townshend-Riesenfelge im Schlaf, sondern sprangen gegen Ende des Gigs auf die Theke des Redhot und feuerten ein Gitarrenfeuerwerk ab, das angreifende Raumschiffe aus dem Orbit hätte vertreiben können. Eher gemütlich ließ es Basser Tim angehen. Solide zupfte oder plekte er sich durch die unzähligen Songs, wobei er an eine Mischung aus Keith Christopher und Harpo Marx erinnerte.
Der Tonmann hat einen anständigen Sound hinbekommen. Die Ohren dröhnten nachher zwar, aber wenigstens klingelten sie nicht.
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Wer die Möglichkeit besitzt BOOZED live zu erleben, sollte sich die 80-Minuten-Powershow ruhig reinziehen. Diese Burschen zeigen den ganzen elenden Coverheinis, die heutzutage die Clubs verseuchen, dass es auch anders geht. Und zwar mit guten eigenen Songs, einer sympathischen sowie kernigen Performance und Spaß, aber vor allem Glaube an das, was man macht.
Was uns sonst noch aufgefallen ist:
Trommler Ugge benutzt Sänger Markus zuweilen als Medium, in dem er durch diesen zum Publikum spricht.
Markus bedankte sich bei den trägen Zuschauern artig dafür, "dass ihr so schön mitgemacht habt!"
Ein Mädel fragte an der Theke verschüchtert, ob auch Altbier verkauft werden würde, direkt vor der nicht zu übersehenden Bolten-Alt-Zapfanlage.
Die Musik wurde am Merchandising jeweils als CD und als LP angeboten.
Wir warten eigentlich nur noch darauf, dass Bands ermöglichen, ihre Songs gegen Kohle gleich von einer mitgebrachten Festplatte auf Handy zu laden. Wobei der Gedanke, auf diese Weise den gerade erlebten Gig als Liveaufnahme mit nach Hause nehmen zu können, wirklich interessant ist.
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