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| Köln, Underground, 30.03.2005 |
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Merkwürdig eigentlich, dass ein so exzellenter Musiker wie Chuck
Prophet im Zuge seines Kölner 'UNDERGROUND'-Konzertes im Laufe der mehr
als anderthalbstündigen Vorstellung nur zwei oder dreimal lächelte.
Zauberten der Meister und seine formidable Band doch ein ums andere Mal
ein breites Grinsen in die Gesichter der knapp sechzig Anwesenden.
Zunächst einmal hatte Prophet, der Perfektionist, sicherlich allen Grund
ein wenig grantelig zu sein, denn von Beginn an lag ein technischer Fluch
auf der P.A. und speziell auf Chucks Gesangsmikro, dass sich in Brummen,
Zischeln und kurzfristigen Aussetzern äusserte, ohne vom Soundmeister
beseitigt werden zu können. Irgendwann befleissigte sich dann noch noch
jemand, mit Erfolg nach dem Rechten zu sehen . . . Sei´s drum, als ein
mit allen Wassern gewaschenener Profi bedachte Chuck dieses kleine Malheur
mit einer bissig amüsanten Bemerkung und wischte jegliche Unbill mit einem
feurigen Gitarrenschlenker nach dem anderen hinfort.

Chucks Gestik und Mimik, die den Wegen seiner Gitarrensoli zu folgen
schienen, bescheinigten trotz fehlenden Lächelns seine absolute Hingabe
und Identifizierung mit dem eigenen Schaffen.
Der Status eines grandiosen Gitarristen wird ihm auf Ewigkeiten sicher
bleiben. So intensiv, so abwechslungsreich, so geschmackvoll habe ich
lange keinen Gitarristen erlebt.

Prophets Band, die sich aus mehr oder weniger altgedienten und
handverlesenen Musikern rekrutierte, bereitete dem Protagonisten in
lustvollem und immer punktgenauem Groove ein üppig angelegtes Feld, ohne
dem Meister die Ernte streitig machen zu wollen. Doch trotz aller
songdienlichen Zurückhaltung spürte und hörte man mehr als deutlich das
filigrane und einfühlsame Können von Prophets Sidekicks.
Ein Mann wie Tom Heyman, der gleichermassen an der Pedal Steel und der
elektrischen Gitarre zu überzeugen wusste, durfte sich natürlich der
Bewunderung des Publikums ebenso sicher sein, wie der ultralässige und
raffinierte Drummer Jeff Anthony, der dem einen oder anderen Insider
womöglich als Schlagzeuger von der letzten Sheryl Crow Platte (C´mon
C´mon) in Erinnerung geblieben ist.
Das Mitwirken Tom Heymans brachte mich endlich auch mal wieder auf die
lohnende Idee, meine alten GO TO BLAZES Scheiben hervorzukramen, nur um
festzustellen, dass die Herren schon vor zehn Jahren einen unbedingt
hörenswerten Kick-Ass-Roots-Rock produziert haben. Hört mal wieder rein,
Leute !
Der Bassist (Kevin Wyne- oder so...) war mir leider gänzlich unbekannt,
spielte nichts desto trotz sehr seelenvoll und die herzallerliebste
Stephanie Finch, die Gesang und Keyboards aufs Beste bediente,
komplettierten das Line-up.

Im Grunde beschränkte sich Chuck Prophets 'Mission Express' ( so der
Name der Band) auf das modernere und zeitweilig etwas ungewöhnlichere
Material der letzten paar Alben, ohne die vom Publikum möglicherweise
erwarteten Zeitsprünge in alte Roots-Rock-Tage aus der "Brother Aldo",
"Balinese Dancer" oder "Homemade Blood"- geschweige denn "Feast Of
Hearts"- Ära zu unternehmen. Das war auch gar nicht nötig, denn Chuck
Prophet verfügt mittlerweilen auch aus seiner jüngeren Vergangenheit über
so viele gute Songs, so dass der Griff in die Mottenkiste den Rahmen
ohnehin gesprengt hätte.

Der Gig lebte dennoch von seinem bodenständigen Anstrich, denn es wurde
auch auf den Vorlagen der neueren Songs aus dem aktuellen ("Chuck_ Prophet") -Album recht zünftig
gerockt
und nicht nur einmal verstieg sich Chuck in ausufernde jam-artige
Gitarren-Exkurse, die abseits aller Album-Formalismen auf viel Gegenliebe
beim Publikum stiessen.
Das aktuelle Album wurde logischerweise mit mehreren Songs
gefeatured:Pin a rose on me, Monkey in the middle, West
Memphis moon, Just to see you smile, Automatic Blues und
Age of miracles wurden ebenso präsentiert wie u.a. die beiden
Knaller vom letzten "No Other Love"- Album, Eluise und I bow
down and prey to every woman I see.
Das Publikum wurde also Zeuge einer vollkommen gereiften und
spielfreudigen Band, die es über mehr als neunzig Minuten verstand, den
Spannungsbogen nie zu überdehnen und die Anwesenden in der Überzeugung
nach Hause entliessen, ihr Eintrittsgeld lohnend investiert zu haben und
beim nächsten Deutschlandbesuch dieser Musiker wieder dabei sein zu
wollen.
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