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München, Backstage, 14.02.2002

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Fotos: Adelina Schmidtlein

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21 Jahre nach meiner ersten Begegnung, damals im Vorprogramm von RUSH (wir haben zwei Tage vor dem Konzert beim Gespräch mit der Band herzlich über die absurde Zusammenstellung gelacht), erlebe ich mein viertes GIRLSCHOOL-Konzert.

Was wurde über diese Band gelästert, geschmunzelt und gewitzelt. Ich hab sie noch alle zuhause, die Schmähartikel aus der "seriösen" Musikpresse. Klar, die Band hatte miese Zeiten. Und sie hatte ganz miese Zeiten. Als Lemmy-Groupies wurden sie abgetan, als feuchter Traum für jugendliche Slum-Prolls. Ihre Nachfolgerinnen waren alle sooo viel talentierter, selbstredend auch hübscher und mehr Platten haben die auch verkauft.
Aber wer ist 2002 immer noch da? GIRLSCHOOL!
Nach Jahren der Irrungen wieder in stabiler Besetzung, mit den Ur-Members Kim McAuliffe (Guitar), Enid Williams (Bass), Denise Dufort (Drums) und dem mehr-als-Kelly Johnson-Ersatz Jackie Chambers an der Lead Gitarre.

Knapp über 100 mehr oder weniger alte Rocker treffen sich im Backstage und alle wissen was sie erwartet. Es bleibt nur die Frage, wie sich das Erwartete darbieten wird.
Um es vorweg zu sagen, ich habe GIRLSCHOOL schon schlecht gesehen. Mehr oder weniger kaputt, desillusioniert. Diese Tour könnte so etwas wie ein Neubeginn für die Band gewesen sein. Frisch, absolut klar im Kopf, unbeschwert von der Vergangenheit, sich bewusst seiend über die Möglichkeiten, gereift und vor allem immer noch durch und durch Rocker springen die 4 auf die Bühne und haben Spaß. C'mon Let's Go. Und der Spaß kommt in den folgenden 70 Minuten ohne jeden Umweg beim Publikum an.

Viel hat sich nicht geändert. Kim schreit wie immer sympathisch und schrubbt die Rhythmusgitarre genau wie man es braucht, Denise prügelt auf ihre Drums heftiger als mancher Kerl und dazu noch gut, Enid ist immer noch viel zu klein für ihren Bass und besorgt es ihm trotzdem und teilt sich den Gesang mit Kim und Neuzugang Jackie spielt (darauf die Betonung) eine astreine Rock & Roll-Gitarre ohne Firlefanz und sieht dazu noch gut aus (ja ja, ein bisschen Macho darf ich mir auch noch raushängen lassen).
Überraschungen gibt es selbstredend nicht. Echte Rock & Roller fangen nicht an, sich irgendwann mit Kopfsocke zu maskieren und Kid Rocklein zu imitieren. Will sagen, hier wird auf 4 gezählt und gefetzt.
Vom neuen Album "Not That Innocent" gibt es gleich als zweite Nummer Mad Mad Sister, ein knackiger Midtempo Song, als übernächstes kommt Stay Wild, später folgen Have A Nice Day, ein klassischer heavy Rock & Roller den Fast Eddie nicht besser hingekriegt hätte, und Coming Your Way, das man ohne Murren in die Liga von Wheels Of Steel etc. einordnen darf. Rein hymnentechnisch und vom Gitarrenbrett gesehen. London ist ein perfekt abgehender Punkandroll-Song, schrecklich unzeitgemäß, aber geil. Zweieinhalb Minuten auf die Glocke und zum Schluss ein Küsschen von Kim. Was will man mehr?
Zwischen diesen fünf neuen Songs tummeln sich die ganzen alten Kracher wie Screaming Blue Murder, Hit & Run, Action, Race With The Devil, Not For Sale oder Demolition Boys. Und dann als Zugabe Tush. Das ballern die Mädels wie gewohnt ultrageil raus. Eine der wenigen Coverversionen von ZZ TOP, die ich gelten lassen kann.

Auch nicht geändert hat sich die Länge der Gigs. 16 Songs in 70 Minuten und Schluss. Eine saubere Vorband wäre schick gewesen. Wenn Ihr das nächste mal in München seid, sagt 2 Tage vorher Bescheid! Wir haben da jemanden, der das könnte.

Ein Wörtchen muss ich noch los werden. GIRLSCHOOL 2002 sind eine feine Band. Die vier Frauen schaffen sich auf der Bühne, machen tadellosen harten Rock (und zwar besser denn je), sehen klasse aus (weil Frauen - wenn sie echt sind - mit Gitarren nun mal schicker sind als Männer - wenn die nicht geschminkt sind wie Stevie Vai) und sie haben ein gutes Album am Start. Lasst uns also bitte nicht wieder den gleichen Fehler machen wie damals, als die Band als netter Augenschmaus am Rande betrachtet wurde.
Stay wild!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.02.2002

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