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| Mainz-Lerchenberg, ZDF-Fernsehgarten, 10.05.2009 |
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Andreas Vockrodt (Bild Mitte), der schon 2007 als Initiator des Gitarrenweltrekords (damals mit dem Song Smoke On The Water) in Zusammenarbeit mit Gotthilf Fischer in Erscheinung getreten war, ist ein netter, bemühter Mann. Er wollte beim diesjährigen Gitarrenweltrekord seinen eigenen Rekord mit einem eigenen Song toppen und zugleich die Kunde, dass Musikmachen mehr Spaß macht und sinnvoller ist als Leute umzunieten (nach Winnenden) unters Volk bringen. Nichts dagegen zu sagen. Die Diskussion zum Thema Computerspiele und Leute umnieten hatten wir ja schon (Editorial März 2009). Dazu hat er eben seinen Song Welcome To Europe zur Verfügung gestellt, den die Gitarristen, die an dem Gitarrenweltrekordversuch teilnehmen, lernen können und der dann im Laufe des kommenden Jahres - mit hoffentlich 1803 oder noch mehr Freizeitgitarristen - performt werden sollte. Das war der Plan.
Andreas ist Musiker, sein Team macht das aber nicht hauptberuflich, sondern sie opfern ihre freie Zeit; ein ehrenwertes Unterfangen allemal.
Micky Moody &
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Michael Schenker
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Michael Schenker und Micky Moody sind Gitarrengötter. Sie wurden eingeladen, sich an dem Rekordversuch zu beteiligen. Und wenn die an so etwas teilnehmen und die Idee gutheißen, ist das auch allemal ehrenwert und verdient Respekt.
Es erhebt sich vielleicht die Frage: "Ist das noch Rock'n'Roll, hat es was damit zu tun?" Kommentar Micky Moody: "'Cause it is. It is good fun, people enjoy it."
Auftritt ZDF, Auftritt Fernsehgarten, Auftritt Andrea 'Kiwi' Kiewel.
Das ZDF spricht Vockrodt an, ob man denn nicht am schon 10.5.2009... wäre doch prima, und die ganze Publicity - sollte man den Rekordversuch nicht vorziehen? Gespräche folgen, alles wird vereinbart, und der Fernsehgarten wird ja auch von vielen Leuten gesehen - prima Forum.
Man denkt jetzt, das ZDF wirft seine gewaltige Public Relations Maschine an und informiert Gott und die Welt. Hunderte Freizeit-Gitarristen tauchen auf, und alles wird wunderbar... nein, ihr ahnt es schon, so läuft die Welt nicht. Zwar wird Unterstützung durch das ZDF zugesagt, aber in der Kürze der Zeit konnte die gewaltige Zahl von 1800 nicht mobilisiert werden. Also wurde der ganze Ablauf des Auftritts nach und nach verändert und gekürzt und gekürzt. Schließlich waren es etwa um die 260 Leute und ihre Gitarren, die am 10.5. um 11:00 Uhr am Lerchenberg waren. Nun ist das ja auch was, treten halt alle 260 im Fernsehen auf, und damit sind die wenigstens zufrieden.
Schenker und Moody sind auch da, mischen sich unters Volk, lächeln in die Kameras, signen Gitarren, CDs und Fotos; Stars zum Anfassen.
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Die Show beginnt. Zuerst noch 'Kiwi' mit ihrer Musstnurlustigsein Moderation. Ich habe dazu die Musstemögen Haltung. Dann die RUBETTES. Dann die Promiköche (Lafer und kein Ende). Dann die ZIPFELBUBEN. Schließlich folgt endlich der Auftritt von Schenker und Moody (und einigen Mitrekordlern). Sie sollen das Smoke-Riff spielen, und damit noch mehr Leute auf den Lerchenberg locken; der liegt ja auch mitten in Deutschland und ist prima und schnell innerhalb einer Stunde zu erreichen.
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Schenker und Moody wollen loslegen - kein Strom. Wie, kein Strom? Das ist doch das ZDF, da ist doch alles organisiert? Jeder weiß genau, zu welchem Zeitpunkt er wo sein muss? Nein: Chaos, Dein Name sei ZDF. Schließlich spielt die Hausband das Riff, Kiwi singt es noch mal für die, die nicht wissen was eine Gitarre ist, und die Claceure klatschen sich die Seele aus dem ... die Hände von den Armen.
Abtritt Rekordversuchler. Man geht auf einen etwas entfernteren Platz, wo man sich für den großen Auftritt sammelt. Etwa 10 weitere Gitarristen folgen in der nächsten Stunde dem Aufruf und kommen auf das ZDF-Gelände.
Auftritt Andrea Berg, Auftritt Paul Potts, Auftritt Milow usw. Die Köche kochen, die Sänger trällern.
Der Warm-Upper kommt zu den Gitarristen und sagt, dass es gleich losgehe, und wie das Ganze funktioniert, und dann darf jeder seine Gitarre in die Luft recken und einen auf motiviert machen. Dann gehen alle über einen durch Hecken abgeschirmten Weg zurück zum Auftrittsort und warten auf das Signal. Der Weg ist schmal, die Reihe der 250 lang. Wenn das wirklich 1800 Leute gewesen wären, hätte die Schlange bis nach Mainz gereicht. Was haben sich die denn dabei gedacht?
Dann geht es los, und ein Teil der Leute schafft tatsächlich den Weg vor die Kameras - Zeit bleibt eh kaum. Organisatoren, was hätten ihr denn gemacht, wenn das wirklich 1800 Leute gewesen wären?
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BAP spielen ihren neuesten Song, trali-trala auf Kölsch, und dann treten die Rekordversuchsgitarristen auf - nein, nicht alle, wie gesagt - soviel passen nicht auf die Bühne - und dann brandet das Riff monumental gen Himmel und erschüttert das Erdenrund ... aus den 250 kleinen Verstärkern, die jeder an seiner Hüfte trägt.
Ende der Show.
Andreas Vockenrodt sammelt dann die Mitrekordler nach dem Auftritt ein, Schenker und Moody sind dabei, es gibt Fotos, man spielt den eigentlich geplanten Song zusammen und hat jetzt unter sich den Fun, den die Organisation ZDF so nicht ermöglichen konnte.
Mehrere Leute habe ich befragt, und alle meinen, es hätte sich schon gelohnt, und so ernst müsse man das Ganze auch nicht nehmen. Ist eben ZDF, ist Fernsehgarten.
Fazit: Fernsehgarten aus der Nähe ist schlimmer und chaotischer als aus der TV-Ferne. Allerdings hat die Sendung wohl eine große Reichweite, denn auch die Jungs von BAP waren da ... "Wetten, dass?" für Frühaufsteher.
Die Veranstalter des Rekordversuchs machten das Beste aus der verfahrenen Situation, die Gitarristen waren es zufrieden, hatten sie doch Schenker und Moody zum Anfassen. Die beiden verhielten sich als die absoluten Profis, die sie sind; publikumsnah und für die Gitarristen erreichbar - da blieb kein Wunsch offen. So gesehen, lebt der Rock'n'Roll und man kann ihn anfassen.
Rock'n'Roll oder nicht: Gute Sache das, eigentlich. Nur sollte man es ohne das ZDF machen. Denn die verstehen davon wirklich nur Kiwi.
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