Die Frage ist gerechtfertigt, ob bei einer Show aus solchem Anlass überhaupt ein Supportact angebracht war. Schließlich wollte sich an diesem Abend alles auf LIZARD, Bruce Brookshire und ihrer Hommage an Georg Bayer konzentrieren. Andererseits trat nicht irgendeine Supportband auf, sondern GREEN LEAF aus dem Raum Horb am Neckar, die im "Rainbow" auch wegen der landsmännischen Verbundenheit offensichtlich so etwas wie Heimrecht genießt. Georg Bayer selbst verband mit dem "Rainbow" eine 20jährige Geschichte, wie das dort gezeigte nostalgische Video mit den Ur-Lizard, jede Menge Bikern und einer ausreichenden Anzahl langer Beine unter Haarspray-gefluteten 80er-Jahre-Frisuren eindrucksvoll demonstrierte. Wenn also schon eine Vorband, dann sicherlich GREEN LEAF. Georg Bayer hätte den Support supportet, ganz sicher.
Die vier Jungs aus dem Raum Horb am Neckar machten ihre Sache ganz ordentlich. Sie ließen ungefähr eine Stunde lang gut gemachten Alternativ-Rock aus ihrer Anlage dröhnen. Frontman Karsten Hellsterns Optik erinnerte ein wenig an den guten Chad Kroeger, seine Akustik allerdings eher an Eddie Vedder. Also passte Karstens PEARL JAM-Shirt perfekt zur Performance.
Sobald Trommler Volker "Vovo" Schmid mit der Bassdrum Fahrt aufnahm, kam richtig Groove in die Eigenkompositionen GREEN LEAFs. Auch Basser Holger Gekle war in der gemütlichen Rockkneipe in Horb am Neckar in seinem Element. Neben einer soliden Vier-Saiten-Arbeit unterstützte er Karsten bei den Refrains, was die Songs noch hörenswerter machte. Insbesondere Holger scheint tief im Raum Horb verwurzelt, denn er begrüßte vor, während und nach dem Gig bestimmt die Hälfte der Zuschauer persönlich.
Widmen wir uns nun Markus Faist. Man konnte schon erahnen, welche Richtung der Gitarrist einschlagen würde, als er sich seine Axt umschnallte. Während andere, auf übercool gepolte Gitarrenquäler ihre Bretter als Knieschoner tief über den Boden halten, positioniert Markus sein Instrument am kurzen Band quasi direkt unter dem Kehlkopf. Verdammt, man hatte den Eindruck, als wolle er sich mit der Klampfe bewaffnen. Dämmert was? So ähnlich verfährt auch Steve Howe mit seinen Gitarren. Und dann ging es los: Ein Kerl, aus dem gleichen Genpool gezüchtet wie Heikki Kovalainen, raste mit halsbrecherischem Speed über das Griffbrett. Wie ein Wahnsinniger fetzte er seine Läufe, Tappings und Triolen durch den kleinen aber feinen Marshall-Verstärker. Ich lasse mich gar zu einer solchen Übertreibung hinreißen: Der kleine Kerl spielte in einem Stück mehr Noten als die drei Gitarristen der LIZARD-Show während ihres gesamten Auftrittes zusammen.
Insgesamt stand er dabei ziemlich ruhig am linken Bühnenrand herum und ließ nur dann und wann ein verschmitztes Lächeln aufblitzen. Selten einen solchen Gegensatz gesehen wie zwischen Markus' Valium-Bühnenshow auf der einen und seiner Highspeed-Gitarrenarbeit auf der anderen Seite. Der Hauptunterschied zu Heikki? Markus ist an seinem Instrument schneller als der Finne in seinem McLaren.
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GREEN LEAF spielten ihr Set routiniert herunter, trotz der einen oder anderen technischen Unpässlichkeit. Es ist außerdem immer wieder erfrischend zu erleben, wenn solche Jungs ihre eigenen Stücke zum Besten geben.
Höhepunkt des Abends war sicherlich der Song Fever. Der Name hielt das, was er versprach: Eine wirklich heiße, druckvolle Nummer mit einem tollen Refrain und einem tachyonengepulsten Markus Faist im Solirausch.
GREEN LEAF würden sicherlich mehr Geld machen, wenn sie als PEARL JAM- oder NICKELBACK-Coverband unterwegs wären. Sie sind es, gottlob, aber nicht.
Gewöhnungsbedürftig waren an diesem Abend eigentlich nur drei Dinge: Karsten Hellsterns Ansagen auf Französisch (so hörten sie sich jedenfalls für den Niederrheiner an), ein Gesöff namens KIBA (Kirsch-Bananensaft) - das Farbgemisch gelblich-weiß und blutrot erinnerte stark an eine Operation am offenen Schädel, und die Erkenntnis, dass im Schwarzwald (hier Horb am Neckar) tatsächlich Trolle vorkommen.
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