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Hei Wien! Was ist los?
Da kommen die Leute aus der ganzen Welt, sogar bis aus München, und Ihr bleibt daheim.
Oder haben wir was verpasst? Hat etwa gleichzeitig das traditionelle Southern Rock-Festival im
Praterstadion stattgefunden? Wie jedes Jahr mit Skynyrd, Hatchet, 38 Special und dieses Jahr als Überraschungsgast
den Winters Brothers?
Ich glaub, eher nicht. Weil, laut Wiener Veranstaltungsprogramm haben nicht mal die Wiener Sängerknaben an
diesem Tag aufgejodelt.
Ihr seid's einfach zu bequem, um Euren Hintern am Freitagabend in einen Club zu transportieren.
Apropos Club. Das Planet-Music ist ein ordentlicher Schuppen, etwas abseits vom Stadtzentrum. Große Bühne, guter
Sound, Fassungsvermögen schätzungsweise 700 Leute.
Es haben sich also traurige 75 Leutchen eingefunden und die (JA IHR!) waren offenbar in depressiver Stimmung.
Wiener Melancholie? An der Musik kann es jedenfalls nicht gelegen haben.
Den Auftakt machten "Good, Bad & Ugly". Vier Jungs, die sich dem Rockabilly verschrieben haben. 2 akustische
Gitarren, Kontrabass und Snare Drum. Ordentlich g'spuit und g'sunga, glücklicherweise keine doofen Rockabilly-Posen
und -Frisuren ala Stray Cats. Punktum, mehr fällt mir zu der Art von Musik nicht ein. Hat jedenfalls nicht weh getan.
Blues Punch haben wir an anderer Stelle im Home of Rock bereits gewürdigt. Live können sie den Eindruck ihrer
CD's durchaus bestätigen. Bis auf ein kleines Aber. Dazu später.
Mit Pride And Joy beginnt der Set. Ich bin kein Stevie Ray Vaughan-Fanatiker und deswegen ist diese
Schrammelnummer für mich nicht der ideale Einstieg. Aber gut.
Zu Call Me The Breeze steigt dann auch Leader Adi Hausberger auf die Bühne und lässt ein paar saubere
Harp-Soli ab. Sound ist astrein, druckvoll, transparent und vor allem nicht zu laut. Die Version erinnert mehr an J.J. Cale
als an Skynyrd. Weil, da fehlt doch was... Aber dazu später.
Beim anschließenden Talkin' Harp Blues spielt selbige die erste Geige. Die Harp-Einflüsse werden hier sehr
deutlich. John Mayall lässt grüßen.
In diesem Stil geht's weiter. Tobacco Road (mehr an Edgar Winter als an Eric Burdon erinnernd), Mustang
Sally (vom Bassisten geröhrt), Room To Move (sehr originalgetreu), The House Is Rockin' (wieder
SRV und recht fetzig), T For Texas (und wieder fehlt was...), Hoochie Coochie Man und Sweet Home
Alabama werden von einigen Eigenkompositionen begleitet.
Eine davon heißt Mardi Grass und tönt sehr angenehm nach (Überraschung!) New Orleans.
Jetzt aber in die Meckerecke. Was fehlt? Genau. Die Gitarre. Nummern wie SHA, T For Texas etc. schreien nach
einer dominanten Lead. Von den Zweistimmigen ganz abgesehen. Warum traut er sich nicht, der Paolo Gabos? Der
Rossington ist schließlich auch nicht der liebe Gott. Aber das ist eine andere Geschichte. Ende Meckerecke
Bei den typischen Rhythm and Blues-Nummern (wie Mustang Sally) kommt's doch auch ganz gut.
Aber vermutlich lag es einfach am nicht vorhandenen Publikum. Die Bayern verlieren schließlich gegen Cottbus
auch und schnupfen anschließend Real.
Bei der Zugabe Pack Fair And Square kommt richtiges J. Geils-Feeling auf. Wirklich gut.
Insgesamt vermittelt die Band ein recht homogenes Bild. Sänger und Rhythmusgitarrist Franz Reisinger, Basser
Franz Machek und Drummer Ali Rammel sorgen für guten Druck von hinten, Adi Hausberger brilliert immer wieder mit
seinen Harps und Gitarrist Paolo war zu leise. Nächstes mal bitte etwas heftiger!
Kurzer Umbau und dann dürfen wir die neuen Lizard-Songs erstmals live hören.
Kleiner Wermutstropfen, Keyboarder Klaus Brosowski ist krankheitsbedingt nicht dabei. Damit fällt eine meiner
12 Lieblingsnummern (Spider Woman) der Southern Steel-CD aus dem Set.
Aber das wird x-fach wettgemacht von den anderen Jungs.
Setlist:
Money World
No Time
Riding On A Train
Boys Are On The Road
River
One Of These Days
I'm A Man
Ordinary Southern Man
Dreams
Wanted
Ohio
My Fears Are Gone
Running With The Horses
Lonesome Guitar
Ich erspar es mir (und dem Leser), auf jeden einzelnen Song einzugehen.
Fakt ist, Lizard sind jetzt an einem Punkt angelangt, an den 95% der anderen (Southern) Bands nie kommen
werden.
Die Songs passen. Die Band passt. Das Acting passt. Die Stimmung passt und vor allem: Man bewegt sich völlig
eigenständig (natürlich nach wie vor beeinflusst von den "großen" Southern-Bands) durch die Musik. Keine Kopie der
Vorbilder, sondern absolut zeitgemäßer (nicht moderner!) Rock.
Wenn es mir bereits bei der ersten Nummer eines Konzertes die Haare aufstellt, weil die Double-Leads völlig
verantwortungslos die Gänsehautproduktionsnervenzellen aufwecken, dann heißt das was. Andere Kapellen spielen
als ersten Song den "Kabelbrand am Würstelstand"-Shuffle um den Sound halbwegs in den Griff zu kriegen.
9 der 11 1/2 Songs (weil I'm A Man zweigeteilt ist) von der aktuellen CD wurden gespielt. Jeder kann es in
meiner CD-Besprechung nachlesen, ich steh' total auf die Scheibe. Aber fast alle Titel gewinnen live nochmal dazu.
Herausragendes Beispiel dafür ist One Of These Days. Was Christoph Berner und Volker Dörfler hier aus
ihren Gitarren schütteln und damit aus dem Lied machen, spottet jedem Vergleich. Überhaupt, was die beiden den
ganzen Gig immer wieder (bzw. ständig) raus lassen ist für den Rest der Gitarrengemeinde mehr als beängstigend. Egal
ob Lead, Rhythmus oder Slide, es haut gewaltig rein. Ich glaube, ich weiß jetzt, was Gitarrenrock wirklich bedeutet.
Der neue Bassist Ralf Mende und Drummer Helmut Kipp machen nicht nur Dampf, sondern sie prägen die Songs auch.
Da wird nicht mitgeklopft (-gezupft), sondern es wird geführt.
Und Georg Bayer war stimmlich nie besser drauf.
Ausserdem hat die Band immer eine angenehme, nie übertriebene oder affektierte, Bühnenpräsenz. Es wird getan,
was getan werden muß, um den Southern-Freund (ohral und okular) zu befriedigen.
Die älteren Titel sind teilweise etwas umarrangiert (jedenfalls klingen sie deutlich tighter) und passen so ganz
hervorragend in den aktuellen Set. Riding On A Train beispielsweise gefällt mir jetzt viel besser als früher.
Herausheben muß man noch I'm A Man, Ohio und selbstverständlich Dreams. Und das, obwohl
alle anderen Nummern kein bißchen abfallen.
Pech natürlich, wenn in einem Song gleich 2 Gitarrensaiten reißen, aber selbst das wird professionell kaschiert.
Und auch Pech, daß die Wiener grad so furchtbar zahlreich erschienen sind. Wegen Euch Würstchen bin ich um
die Zugaben gekommen. Vor allem Bring Me Some Water von der Borderline-CD wäre für mich ein besonderer
Spaß gewesen.
Almdudler über Euch! Und für mich bitte noch ein Bier.
Fred Schmidtlein (Impressum, Artikelliste), 28.04.2001
Bilder: Adelina Schmidtlein (Impressum, Artikelliste), 27.04.2001
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"Good, Bad & Ugly"
Die Jungs beherrschen ihre Instrumente. Nur ist halt eine Akustik beim Solo arg leise, wenn nicht was dagegen
getan wird. Und das hat leider gefehlt. Denn die beiden Gitarristen können richtig gut spielen. Es wäre
interessant, ihr Spiel mit der E-Gitarre zu hören. Der mehrstimmige Gesang stimmte und auch die Songs waren
ok. Dreißig Prozent Beatles und anderes. Nett und vor allem nicht zu lang.
"Blues Punch"
Herausragend bei diesem Gig war ohne Zweifel Ades Mundharmonika. Schlagzeug und Bass waren eine gute
Basis, Franz Reisingers Gesang geht auch in Ordnung, wie auch seine Gitarre. Aber er sollte sich mal anhören,
wie seine Soli klingen, wenn er auf dem vorderen (hellen) Pickup seiner Strat verzerrt Solo spielt. Fürchterlich,
ein einziges Geklirre.
Paolo Gabos versuchte sich mit Slide.
"Lizard"
Fred hat die Gitarristen, und natürlich die ganze Band, ausführlich gelobt. Absolut zu Recht. Die
(zweistimmigen) Soli von Christoph Berner und Volker Dörfler lassen keinen Wunsch offen. Volker hat Christoph
nur eines voraus, und zwar das Posen. Wenn der "Kerle" ein Soli anstimmt, dann ist es, als würde jemand auf
den Knopf drücken. Völlig ungezwungen und natürlich bewegt er sich zu seinem Spiel, es macht richtig
Spaß, ihm dabei zuzusehen.
Christoph wirkt introvertierter, steht aber Volker im Spiel in nichts nach. Sein Slide-Spiel ist exzellent. Er zupft
dann mit den Fingern, was ihm ein Kontrolle über die Saiten erlaubt, die mit Plektron nur schwer zu erreichen ist.
Wieder einmal zeigt sich: Ein Ausbildung in klassischer Gitarre ist auch beim Rock Gold wert. Und beim Slide-Spiel sind
ihm zwei Saiten gerissen. Akte-X-Fans würden ETs dafür verantwortlich machen, so ungewöhnlich
ist dies. Als wir darüber sprachen, meinte er, so etwas wäre ihm noch nie passiert und er hätte auch
noch nie vom Saitenreissen beim Slide gehört. Und vor allem, dass es in einem Song passiert ist, erst mit
der einen Strat, dann mit der anderen. Irre. Wer es nicht sah, bekam es nicht mit. Denn das Ohr hörte das Fehlen
der Saite nicht.
Noch ein Wort zum Sound:
Zu viel Laustärke verdirbt mir auch das beste Konzert. Bei Lizard stimmte es. Das letzte Drittel stand ich
neben dem Mischpult und ein anderes Wort als "perfekt" fällt mir nicht ein. Sprich, die Band beherrscht den
Soundcheck und der Mixer-Mann hat den gesamten Gig im Griff, weiß 100%ig, wann er was zu tun oder lassen
hat. Lizard spielt den Set so perfekt, dass ich fast nicht wage mir vorzustellen, wie es mit einem gut gefüllten
Planet Music mit mitgehendem Publikum gewesen wäre. Ein Traum.
Werner Saumweber (Impressum, Artikelliste) 04.05.2001
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