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Mark Selby

Ingolstadt, Eiskeller, 09.06.2002

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Vanguard Records
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Bärchen Records
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)
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Tourdates 2002
(von Mark Selbys Homepage)
16.05ColosseumDelmenhorst, Germany
17.05.MeisenfreiBremen, Germany
18.05.Red RoosterDuisburg, Germany
19.05.DucsaalFreudenberg, Germany
24.05.Blues-GarageHannover, Germany
25.05.TwistringenFestival, Germany
26.05.Gasthof SchluterOlsberg, Germany
27.05.Thalia-PassageHalle, Germany
30.05.Hide OutMünchen Germany
31.05.Hide OutMünchen, Germany
01.06.Star-ClubMülheim / Ruhr, Germany
02.06.NorgelbuffGöttingen, Germany
06.06.FranzisWetzlar, Germany
07.06.Buena VistaBocholt, Germany
08.06.KulturfabrikRoth, Germany
09.06.Der EiskellerIngolstadt, Germany
18.06.University of PittsburgKansas
22.06.Bluebird CafeNashville, Tennessee
06.07.Americana FestivalOkinawa, Japan w/Robert Cray
07.07.Americana FestivalOkinawa, Japan w/Robert Cray

Ingolstadt, Eiskeller, 09.06.2002

In der Regel planen wir unsere Konzertbesuche einige Tage im Voraus. Die für uns relevanten Tourneen werden uns vorab mitgeteilt, in unsere Konzertterminseiten eingetragen und es bleibt genügend Zeit für die Anfrage nach Gästeliste, Fotopass, Interviewtermin und entsprechende Vorbereitung darauf. Wir wollen die Musiker ja nicht mit immer den gleichen Fragen nerven, nein wir versuchen Fragen zu stellen, die neu sind und unsere Leser (hoffentlich) interessieren.

Nun, es kann auch anders kommen. Die Tournee eines von einigen unserer Redakteure hoch geschätzten Rockers geht an uns unverständlicherweise vorbei (dies mit zwei Auftritten im Hide Out in München, wo uns kürzlich The Steve Schuffert Band begeisterte, wie dem Tourplan zu entnehmen ist und ich weiß nicht einmal, ob sie überhaupt stattgefunden haben) und erst zwei Tage vor dem letzten Auftritt erfahren wir von diesem. Dank der e-Mail funktioniert es aber trotzdem. Sofortige Antwort mit Interessensbekundung unsererseits und nur drei Stunden später kommt die Bestätigung mit Wegbeschreibung. Hätte dies nicht so gut funktioniert, wäre Marc Selbys 21. Auftritt innerhalb von 25 Tagen in Deutschland zwar ohne mich über die Bühne gegangen (was sicher kein Beinbruch gewesen wäre), aber ich hätte ein hörens- und sehenswertes Konzert verpasst. Und es gäbe keinen Konzertbericht, der Euch den Mund auf die Tournee im nächsten Jahr wässrig macht.

Ganz genau! Wer Marc Selby nicht gesehen hat und eigentlich im Blues wurzelnden Rock und feine Lieder mag, der sollte sich den Namen merken, sofern er/sie ihn noch nicht kennt. Denn dann fehlt ein exzellenter Sänger, Gitarrist / Slide Gitarrist in der Sammlung. Und wer sich in Ehrfurcht vor einer 58er naturhellen Gibson Les Paul Special (damals gab's noch das beste Wurzelholz in jeder Menge) verneigt, wird angesichts von Dreien dieser Klasse die Augen nicht mehr abwenden können. (Auch die Dobro passt da sehr gut dazu.) Die Jahre meiner Gitarrennarrheit sind zwar längst vorbei, aber die Faszination verspüre ich immer noch.

Und wenn diesen edlen Raritäten auf solche Art und Weise Töne entlockt werden, wie dies Mark Selby tut und die Songs richtige Songs sind mit Ohrwurmrefrains und guten Melodien, dann kann ich nicht anders, als begeistert zu sein. Eine mehr als solide Band (Tony Nagy - Bass, Sam Bryant - Drums und Shannon Wickline - Keyboards) gibt Mark alle Möglichkeiten, um seine Musik aufs Feinste zu präsentieren.

Stellen wir uns den Eiskeller, in den wohl gut 100 Leute passen, mit gerade mal 25 besucht, vor. Ich kann es keinem Musiker übelnehmen, wenn er dann ziemlich frustriert ist und sein Pensum herunterspult. Nicht so Mark Selby. Die vorhergehenden Gigs sind laut seinen Worten sehr gut besucht gewesen, die Tour ein voller Erfolg und die kleine Audience im Eiskeller hat ihm und seinen Begleitern nicht die Stimmung verdorben. Im Gegenteil, die Band hat gerockt, als wäre es Volles Haus und eine ausgeflippte Menge feierte mit nicht enden wollendem Applaus. Dies hat ihm noch ein paar Pluspunkte eingebracht, die er bei mir nicht nötig gehabt hätte. Seine CD More Storms Comin' zählt seit ihrem Erscheinen zu den von mir immer wieder gespielten.

Wenn meine Aufzeichnung der Songtitel stimmt, dann hat er alle Songs der More Storms Comin' plus sechs Titel der neuen CD Dirt plus 2 weitere gespielt: Unforgiven (gleich als 2.), Backdoor to my heart (3.) im 1. Gig und Reason enough, Sky's crying /Dust my broom, Willin' to burn, Moon over my shoulder, Dirt und 7th son (?) nach der Pause. (Die neuen Titel stammen aus der Playlist, die ich mir nach dem Konzert beim Tourmanager besorgt habe, 7th son ist auf keiner der beiden CDs.)

Die neuen Songs machen da weiter, wo die des Debüts geendet haben. Erdige, rockige Songs, die spüren lassen, dass ihr Schöpfer und Interpret den Blues als Wurzel seiner Musik sieht und die neugierig auf die zweite CD Dirt machen. Wohlgemerkt, Songs (nicht nur A D E) mit Bluesfeeling.

Mark ist Vollblutmusiker. Er beherrscht seine Gitarren, wie es ihm beliebt, ob bei dem Stones-like Rocker Mercury oder solo, sich mit der Dobro begleitend, bei dem Titelsong der CD Nr. 1 More Storm comin'. Ich bin immer noch tief beeindruckt über seine musikalischen Qualitäten: Ob das Gitarrenspiel oder der Gesang. Wenn Du alleine auf der Bühne bist, dann gibt es kein Maskieren mehr. Entweder Du kannst es oder Du gehst unter. More Storms comin' hat sehr ruhige Passagen, Pausen, und diesen Song vor so kleiner Kulisse mit dieser Intensität vorzutragen, das zeugt schon von Qualität und einer Selbstsicherheit, die durch viele Erfolgserlebnisse aufgebaut worden ist. Marks Stimme ist wie geschaffen für seine Musik. Von intimer Eindringlichkeit über heiseren Bluesgesang zum Shouten beim harten Rocker, alles ist ihm möglich.

Dass er auch das Piano beherrscht, dies hat er bei seiner Solozugabe bewiesen: The sun's coming up - der Originaltitel will mir nicht einfallen. Eine sehr intensiv vorgetragene Bluesversion und ein würdiger Abschluß eines herausragendes Gigs.

Wären wir eine Art "Guitar Player", dann käme jetzt noch eine ausführliche Abhandlung über seinen Slidestil, die Stimmungen der Gitarren usw usw. Aber da dem nicht so ist, will ich es diesem Hinweis bewenden lassen: Es gäbe viel zu erzählen. Nicht umsonst wechselt Mark zwischen drei Gibson Les Paul und der Dobro hin und her. Für den Nichtgitarrenfreak ist es unerheblich und es zählt das, was zu hören ist. Und das ist sehr gut gewesen.

Ich werde auf jeden Fall Mark Selbys Tour im Jahr 2003 beobachten und den nächstgelegen Gig besuchen. Und dann werde ich sicher mit Mark ein längeres Gespräch führen können, gut vorbereitet und ohne Knoblauch zum Mittag und nicht nur ein paar Worte in der Pause wechseln. Wie ich schon angemerkt habe, sind die vorhergehenden 20 Konzerte sehr gut besucht gewesen. Mark war sehr zufrieden, Land und Leute haben im gefallen und er freut sich auf das nächste Jahr. Der Rest unserer Unterhaltung war den Gitarren gewidmet ....................

Zu Beginn des Konzert widmete Mark einige Wort seiner liebsten Songwriterin , die neben mir an der Bar saß und mir ihren entzückenden Rücken zeigte. Beinahe zum Neidigwerden. Die junge Dame hat während der ganzen Zeit immer wieder geschrieben, ob in ihr Tagebuch oder neue Songs, wer weiß.

Mein Dank geht an Thorsten Sohn von MFP-Concerts in Ingolstadt, der dies so hervorragend gedeichselt hat. Die Wegbeschreibung hat mich den Eiskeller ohne Verfahren finden lassen.

Werner Saumweber, (Impressum, Artikelliste), 21.06.2002

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