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Dave Evans Band
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Molly Hatchet
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| Augsburg, Spectrum, 26.04.2005 |
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Hach ja, was mußte man alles schon lesen und hören über die laufende Tour der Bobby Ingram Band. Und was soll man sagen... es stimmt alles!
Es scheint eine periodische Zwangsläufigkeit zu sein, daß bei MOLLY HATCHET immer eine der Komponenten nicht stimmt. Gelungene Platte = fragwürdige Liveauftritte, oder mäßige Scheibe gleich großartige Tour. Ausschließlich positiv geht bei Hatchet offenbar nicht - und die Frage sei gestellt, ob wir das noch jemals erleben werden.
"Warriors Of The Rainbow Bridge" ist zweifellos eine sehr gute CD geworden (wer behauptet, es wäre nur eine weitere lieblose Fortsetzung der 1996 begonnenen "Devil's Canyon"-Saga, hat nicht richtig hingehört), demzufolge steht die Tour unter keinem besonders guten Stern.
Wo hakt es? Erstens wird "Warriors Of The Rainbow Bridge" erst am 23. Mai veröffentlicht, insofern macht eine Tour im April wenig Sinn. Zweitens ist der angekündigte - und von vielen alten Fans sehnlichst erwartete - Dave Hlubek natürlich (!) nicht mit nach Europa gekommen. Drittens ist die Besetzung, natürlich außer Boss Ingram und Phil McCormack, eine fragwürdige Mischung aus Mietmusikern und gänzlich ins kalte Wasser geschmissenen armen Kerlen. Und viertens ist der Behauptung, daß MOLLY HATCHET inzwischen ein reines Soloprojekt von Bobby Ingram sind, mit keinem Argument mehr zu widersprechen.
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Aber der Reihe nach. Bobby Ingram stand uns nicht zum versprochenen Interview zur Verfügung. Ob es pure Unlust, Zeitmangel oder was auch immer war, wir können es nicht sagen. An dieser Stelle sei dem Leser mitgeteilt, daß bereits vor mehreren Monaten ein ausführliches Gespräch zwischen Bobby Ingram und mir stattfand, das aber so viele offene Fragen hinterließ, daß wir, in Absprache mit Bobby, auf die damalige Veröffentlichung verzichteten, um über verschiedene Dinge nochmals während dieser Tour zu sprechen, auch um manche Aussagen zur CD, Tour und Hlubek retrospektiv betrachten zu können. Darauf müssen wir nun leider verzichten. Bobby war zwar äußerst gut gelaunt und freundlich, "vergaß" aber den versprochenen Termin.
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Ob das Fehlen von Dave Hlubek ein echter Verlust ist, wird immer fraglicher. Fans, die einige Konzerte mit ihm in den U.S.A. sahen, erzählen, daß Hlubek bei diesen Gigs ausschließlich bei den alten Stücken (also denen aus seiner Zeit in den siebziger und achtziger Jahren) auf der Bühne stand und sich bei Nummern ab 1996 sang- und klanglos hinter die Bühne verzog. Ingram spielte diese Songs alleine! Warum offensichtlich eine Tour mit der Coverband SKINNY MOLLY für den dicken alten Mann wichtiger ist, als eine mit Hatchet - auch das wissen wir nicht. Möglicherweise handelt es sich um mangelnde Lernfähigkeit und generelle Dekadenz. Bobby Ingram reagiert auf jeden Fall, im Gegensatz zu seinen Lobeshymnen von vor wenigen Monaten, ausgesprochen gereizt auf die Frage, warum Hlubek nicht dabei ist und beendete deswegen an anderer Stelle auch schon ein Interview binnen Sekunden.
"Ersatzmann" für Hlubek ist der langjährige Gitarrentechniker Jimbo Mannion und der kann einem wirklich leid tun. Nicht nur hört man ihn nicht, er steht auch als reiner Platzhalter auf der Bühne herum und guckt betrübt vor sich hin. Stunden vor dem Konzert schlich er mutterseelenallein durch den Club und über die angrenzenden Straßen und wußte scheinbar weder mit seiner Rolle als "Gitarrenheld" bei MOLLY HATCHET noch mit sich selbst etwas anzufangen. Daß er später musikalisch und persönlich vom Rest der Band ignoriert wurde, machte das traurige Bild perfekt.
Auch die Nichtberücksichtigung von Stamm-Keyboarder John Galvin erscheint wenigstens problematisch, denn Galvin erwies sich in den letzten Jahren als durchaus integrierender Faktor in der Band. Nichtsdestotrotz ist der neue Mann an den Keyboards, Richie del Favero, ein guter Musiker. Shawn Beamer am Schlagzeug und Tim Lindsey am Bass sind das ebenfalls, können aber in keinem Moment dem Charisma früherer Bandmitglieder etwas entgegensetzen, verkörpern vielmehr pure Heavy Metal-Darsteller.
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Stichwort Heavy Metal. MOLLY HATCHET 2005 sind proportional zu den kleiner gewordenen Hallen lauter geworden. Wer direkt vor der Bühne und vor Ingrams Verstärkern stand, dürfte ohne Ohrenstöpsel nicht gesund aus dem Konzert gegangen sein. Für Kammermusik war die Band natürlich nie bekannt, aber diesmal war es (ähnlich wie bei der Tour im Jahr 2000) besonders schlimm mit dem Lärm. Laut ist wichtig und gut bei einem Rockkonzert, Körperverletzung als Mittel zur Selbstdarstellung ist bedenklich. Letztlich dient der Radau nur als Fassade für die fehlende zweite (und/oder dritten) Gitarre. Jeder weiß ja, daß Mr. Ingram ein toller Gitarrist ist, diesen Geräuschpopanz bräuchte es also wirklich nicht.
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Das Konzert. Bitte, wer Überraschungen von MOLLY HATCHET erwartet, muß in den letzten Jahren und Jahrzehnten in einer Höhle gelebt haben. Natürlich war die Setlist völlig bar jeder Modernisierung, von den drei gespielten Titeln vom kommenden Album abgesehen. Ist ja auch gut so, Ingram verfährt nach dem Motto "give the people what they want (oder was er meint, daß es die Leute hören wollen) und fährt damit seit vielen Jahren in sicherem Gewässer. Gegen Whiskey Man, Gator Country, Beatin' The Odds oder The Creeper war und ist nichts einzuwenden. Alles Klassiker, genau wie Dreams I'll Never See oder Flirtin' With Disaster und der Rest. Dazu einige Nummern aus den letzten drei regulären Alben - leider vorwiegend die in aller Breite vorgetragenen Epen, die dem auf Boogie wartenden Zuhörer nach gut 30 Minuten auch gerne auf den Geist gehen können.
Weiter fiel auf, daß spätestens ab der Mitte des Konzerts die Soloeinlagen von Bobby überhand nahmen. Sein Gitarrensolo bei Devil's Canyon (oder war's The Journey, egal) war, gelinde gesagt, langweilig. Wollte Rocker so etwas hören, er ginge zu Steve Vai oder Yngwie Malmsteen. Trotzdem ist der "runderneuerte" Bobby Ingram so agil wie nie zuvor, springt und prescht wie ein Junger umher. Macht Spaß, auch wenn man das Spielchen mit der umgehängten Südstaatenflagge natürlich x-mal gesehen hat.
Bei einer Kleinigkeit muß ich dem Kollegen Schmock allerdings widersprechen: Phil McCormack ist mitnichten bei den Konzerten betrunken. Der Mann ist einfach so! Unbestritten, daß ihm ein ähnlich gesunder Lebenswandel wie der seines Chefs guttun würde, aber wer so aufgedreht und redefreudig vor dem Konzert durchs Publikum und dann über die Bühne rennt, wirft sich eher Traubenzucker (nun ja) als Whiskey ein. Davon abgesehen schmeißt er sich natürlich jeder noch so abgegriffenen Sänger-Pose an den Hals und brüllt, predigt und gestikuliert sich mit allen Klischees der Southern-Welt durchs Programm. Dafür muß man kein Rhetorikprofessor sein, nur ein außerordentlich sympathischer Showman.
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Nach 90 Minuten war Schluß, vorher gab es noch eine sehr heftige Version von Jukin' City, das ich mir etwas traditioneller und weniger in der alles zerstampfenden Highspeedvariante gewünscht hätte, und eine gemeinschaftliche Verbeugung vor dem Publikum. Das war zwar erfreulich zahlreich anwesend, zollte dem Treiben auch Respekt und Anerkennung (und war bei der Schweigeminute für Stephanie Ingram mucksmäuschenstill), doch der entscheidende Funke schien nicht übergesprungen zu sein. War es zu laut, zu sehr auf Bobby zugeschnitten, zu sehr mit XXL-Epen gespickt, zu wenig mit neuen Songs garniert, zu heavy? Keine Ahnung, aber heutzutage scheint das Publikum nach einem Hatchet-Konzert eher erschlagen als euphorisiert und gierig auf mehr.
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Vor der Heavy Metal-Version von Southern Rock, gab es noch die punkige Ausgabe von AC/DC.
AC/DC sind nicht besonders berühmt für ihren Abwechslungsreichtum, dementsprechend "anstrengend" muß man sich ein Konzert der DAVE EVANS BAND vorstellen, wenn dem klassischen 4/4-Boogie der Götter aus Tralien (ein Wortspiel!) der Boogie und der Blues entzogen und durch klassischen 4/4-Street-Punk'n'Roll ersetzt wird. Punk übrigens nur aus einem Grund: Die Band kann nicht viel mehr!
Die CD "Sinner" aus dem letzten Jahr war schon ok soweit. Auch wenn Kollege Ruland ganz anderer Meinung war, ich mochte den Nicht-Sänger Dave Evans und sein Album. Jetzt mag ich Dave eigentlich noch mehr, denn er ist ein lustiger Kerl, der sich vor und nach dem Gig mit dem Publikum unterhält, diskutiert, Bier trinkt und Spaß hat. Tadellose Einstellung. Das Konzert hingegen...
Natürlich rocken die zwei Briten und drei Australier tapfer durchs Albummaterial und betteln geradezu nach Plagiatsklagen der Vorbilder (und der kompletten nächsten Generation ab ROSE TATTOO und KROKUS) und selbstverständlich macht solcher Stoff auch Laune. Allerdings erst ab dem 5. Bier. Vorher fühlt man sich ganz geschwind belästigt von so viel Vereinfachung und so wenig Swing. Zum Beispiel scheint der Drummer nur eine einzige Geschwindigkeit zu kennen: Vollgas und immer auf die Zwei.
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So lang Evans sich durch seine "eigenen" Nummern grunzt und röchelt, ist alles noch halbwegs im grünen Bereich. Da sind ein paar gelungene Knaller dabei (Carnal Knowledge oder mein Lieblingssong Rock'n'Roll Or Bust), auch einige eher ereignislos vorbei rasenden Ergüsse (Out In The Cold, Turn It Up), aber wenn es in der brav eingeklatschten Zugabe ans Eingemachte, sprich an AC/DC-Cover geht, tritt das Dilemma der Kapelle komplett ins Rampenlicht. Can I Sit Next To You Girl und Whole Lotta Rosie brauchen den monströsen Background, also neben der Angus-Leadgitarre auch den unvergleichlichen Rhythmusgitarristen, den Bass und das Schlagzeug des Originals. Den Gesang kriegt Evans halbwegs hin, da dreht sich einem der Magen nicht um, aber die Band schafft es leider nicht (und unterscheidet sich darin von 95% der übrigen Kopierer nicht). Es fehlt der Blues, der Groove, der Boogie, alles ist beschränkt auf relativ originalgetreue Reproduktion, allerdings ohne Soul und mit viel kreischendem Hardrock und einigen technischen Defiziten.
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Da hilft alles Posen und Headbangen nichts, der große Wurf wird dem armen Dave auf seine alten Tage mit dieser Band nicht mehr gelingen.
Mein Tipp: Ein paar ordentliche Rock'n'Roller in die Combo holen und mir vor dem nächsten Konzert ein paar Bier ausgeben, dann schrei ich auch Sold My Soul To Rock'n'Roll und freu mich.
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