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Molly Hatchet:Silent Reign Of Heroes Tour, 1998
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Nachdem ich MOLLY HATCHET auf der Devil's canyon-Tour nur auf der Loreley am hellichten Tage gesehen hatte, war es jetzt mal an der Zeit mir die 'neuen' MOLLY HATCHET bei ihrer Silent Reign Of Heroes-Tour in der Halle anzuschauen. 28.10.1998: Stuttgart - LKA Natürlich bot sich für mich zunächst einmal der Auftritt in Stuttgart an. Durch Bauarbeiten am Hesslacher Tunnel brauchte ich doppelt so lange wie geplant zum LKA, womit meine Verabredung mit Michael und Dirk platzte. Auch den Soundcheck, den ich eigentlich in der Halle miterleben wollte, musste ich mir abschminken, aber was da an brachialer Power durch die geschlossenen Türen des Clubs drängte, klang mehr als vielversprechend. Zugegeben, ganz wohl war mir nicht in meiner Haut. Wie würde Bobby Ingram nach dem kritischen Stuttgarter Interview auf mich reagieren? Ich sollte angenehm überrascht werden, denn Bobby begrüßte mich freudig, als er vom Soundcheck zurückkam, zog mich sofort an einen Tisch und fing an, sich mit mir zu unterhalten. Leider war für den heutigen Abend kein Support verpflichtet worden und zu allem Überfluss hatte man diese Information dem Publikum in der Halle vorenthalten. So regte sich doch ein gewisser Unmut im enttäuschend schwach besuchten LKA, als sich der Beginn der Show scheinbar immer weiter nach hinten verschob. Es sollte ohnehin nicht der Abend von MOLLY HATCHET sein. Die Band stand im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Sprung auf die Bühne, das gigantische Intro Oh Fortuna aus Carl Orffs Carmina Burana strebte gerade seinem Höhepunkt entgegen, als der Strom ausfiel. Ein klassischer Fehlstart und das ausgerechnet vor einem ohnehin schon verärgerten Publikum! Neben diesen beiden dominanten Bühnenpersönlichkeiten musste der Rest der Band zwangsläufig verblassen. Bryan Basset hatte ich doch wesentlich aktiver in Erinnerung, dafür ließ er aber musikalisch auch gar nichts anbrennen. Bassist Andy McKinney wirkte unaufdringlich aber sehr solide in seinem Spiel. Tim Donovan vertrat, wie schon bei den Studiosessions zu Silent reign of heroes, den aufgrund familiärer Probleme verhinderten John Galvin. Bei ihm war eine gewisse Unsicherheit nicht zu übersehen. Das 'He, ich bin doch nur der Aushilfskeyboarder' schien ihm ins Gesicht geschrieben zu sein. Nach dem überraschenden Opener Down from the mountain - ich hatte Mississippi moondog erwartet - setzte die Band sofort auf ein paar Klassiker. Dem wenig aufregenden Bounty hunter folgte ein dezent umarrangiertes Gator country, dessen Mitklatschpassagen Teile des Publikums schlichtweg überforderte. Saddle tramp, eine der neuen Southern-Hymnen widmete die Band den Harley-Fahrern im Publikum. Vielleicht hätte jemand den Jungs vorher sagen sollen, daß diese Marke in Europa längst nicht den legendären Ruf hat wie in den Staaten und die Anzahl bekennender Harley-Hasser weitaus größer ist, als die der -Fans. Bandmerchandiser Billy Dealing wurde das folgende Whiskey man gewidmet. Auch diese Nummer überzeugte mit einem neuen Arrangement. Phil steuerte ein Bluesharp-Intro sowie einen amüsanten Southern-Rap in bester Squaredance-Manier bei. Ja, so macht man aus 'nem potentiellen Langweiler einen positiv erwähnenswerten Song! Da am heutigen Abend der Soundengineer seinen Geburtstag feierte wurde dieser vor der Zugabe auf die Bühne zitiert und bekam von der Band neben dem obligatorischen 'Happy birthday'-Ständchen noch einen Kuchen überreicht. Weniger als siebzig Minuten Spieldauer, kein Supportact und ein unterdurchschnittlicher Sound ... ich kann verstehen, daß ein Großteil des Publikums mehr als verärgert war. Dazu kam sicher noch, die übergroße Erwartungshaltung vieler Besucher. Das war sicher kein weltbewegendes Konzert, aber dennoch gutes Rock 'n' Roll Entertainment, bei dem ich mich sechzig Minuten (Dreams ging mir wie immer am Allerwertesten vorbei) gut amüsierte. Mich konnte die Band trotz der allgemein geäußerten, berechtigten Kritikpunkte überzeugen.
31.10.1998: Lichtenfels - Stadthalle Je näher der Samstag rückte, um so mehr reifte in mir der Gedanke, MOLLY HATCHET ein zweites Mal anzusehen. Das Stuttgarter Konzert hatte einfach Spaß und Lust auf mehr gemacht. Mit Dirk, der ohnehin so viele Shows wie nur möglich sehen wollte, ging es also nach Lichtenfels. Für den Soundcheck waren wir etwas zu spät dran, aber Billy freute sich um so mehr über vier zusätzliche Hände beim Aufbau des Merchandise-Standes. MOLLY HATCHET hatten die Bühne relativ weit in Richtung Hallenmitte aufbauen lassen, was darauf hindeutete, dass man auch heute nicht mit einem all zu großen Publikumsansturm rechnete. Ganze siebzig Tickets, so erfuhr ich später, hatte man im Vorverkauf absetzen können. Heute wurde auch der 'Standesunterschied' zwischen Bobby und dem Rest der Band deutlich. Bobby war Backstage kaum mit den anderen Jungs zusammen zu sehen und hatte - so vermute ich - sogar eine persönliche Garderobe. Beim Rest der Band zeigten sich erste Anzeichen dafür, dass das Tourleben zu nerven beginnt. 'Zum Glück ist bald Hamburg dran', so der allgemeine Grundtenor, 'da werden wir auf der Reeperbahn richtig einen drauf machen.' Dennoch zu Halloween wäre jeder gerne zu Hause gewesen. Phil ging es stimmlich merklich besser, dennoch sollte er sich schonen, was der sympathischen Plappertasche mehr als schwer fiel. Vor allem Bryan sprang für ihn in die Bresche und kümmerte sich um die Gäste der Band, damit bei denen nicht auch noch Langeweile aufkam. Zum Showbeginn hatten sich dann doch eine ansehnliche Menge Zuschauer eingefunden - ich schätze Mal so 400 - und der Band bot sich kein allzu trostloses Bild beim Blick von der Bühne. Kurz vor dem Auftritt hatte ein Mitglied der Roadcrew uns mitgeteilt, dass wir uns zu Silent reign of heroes auf Wunsch von Bobby am Bühnenaufgang einfinden sollten. Ich vermutete, dass Bobby einen zusätzlichen Backgroundchor wollte. Na gut, von mir aus, schließlich muß ich mir das Disaster ja nicht anhören und das Publikum von VENGEANCE in der Ludwigsburger Rockfabrik hatte vor etlichen Jahren meinen Beitrag zu May heaven strike me down auch ohne gravierende Folgeschäden überstanden. Doch Bobby hatte ganz andere Pläne: Er bat uns auf die Bühne und stellte uns dem Publikum als 'the people that keep Southern Rock in Germany alive' vor. Tja, was soll man dazu sagen ... ein netter Zug von ihm, ein tolles Erlebnis, hat mich gefreut ... und irgendwo auch sprachlos gemacht. Das Publikum in Lichtenfels kam in den Genuß des vollen Programms, also inklusive Flirtin' with disaster. Als weiterer Showteil torkelte zu The journey Busfahrer Uli als Halloween-Monster verkleidet in bester Eddy-Manier (Iron Maiden Eddy, nicht Südstaaten-Eddy) über die Bühne. Lichtenfels war eine Steigerung gegenüber Stuttgart, wenngleich die magere Spieldauer und der fehlenden Support-Act erneut negativ aufstießen. Zum Abschluss gab die Band wieder Autogramme und es gab ein paar nette Gespräche im Foyer mit Fanclub-Mitgliedern. (An dieser Stelle noch mal danke an Johnny, der unseren Ausflug auf die Bühne fotografierte und die Bilder mir freundlicherweise zukommen ließ).
07.11.1998: Worms-Herrnsheim - Krone Aller Guten Dinge sind drei! Gemeinsam mit Freddy, seiner Freundin Sue und Michael ging es nach Worms um noch einmal MOLLY HATCHET zu sehen. Die Krone zu finden war nicht ganz trivial, aber über eine Tankstelle und einen Schnellimbiss mit gekrümmten Pommes im Logo tasteten wir uns langsam ran. Bevor wir die Krone näher in Augenschein nahmen, besuchten wir die Band in ihrem Bus. Dort herrschte nach unserem Auftauchen schnell helle Aufregung, denn die Show sollte so gut wie ausverkauft sein und die Band deshalb keine Gästepässe für uns erhalten. Vorbei an diversen Gaststuben ging es ins 'Hinterzimmer', das wie eine alte Schulsporthalle wirkte und auch ähnliche Maße auswies. X-Rays Wirkungsbereich befand sich am Ende der Halle im ersten Stock in einem relativ gemütlichen Raum. Dieser war zur Halle hin zwar teilweise verglast, aber besser ein guter Blick aus dem Aquarium auf die Bühne, als sich vor der Selben zerquetschen zu lassen. Wenigstens gab es in Worms ein Vorprogramm und das sogar gleich in zweifacher Ausführung. Danach gab es noch DREADFUL MINDS, eine lokale Metal-Band, die vor allem dadurch glänzte, keinerlei musikalisches Konzept zu haben. METALLICA-Riffing, QUEENSRYCHE/DREAM THEATER- Versatzstücke gepaart mit Gothic-Elementen ... sehr schwer verdaulicher Stoff, der auf CD nach mehrmaligem hören genial sein mag, aber live überhaupt nicht zündetet. MOLLY HATCHET boten schließlich vor einem begeisterten Publikum einen tollen Auftritt, allerdings ohne Überraschungsmomente. Spätestens da war mir klar, daß ich nach Worms aus der Tour aussteigen würde. Man soll es ja auch nicht übertreiben. Doch, eine Überraschung gab es noch! Bei der inzwischen liebgewonnenen abschließenden Autogrammsession fehlte Andy McKinney! Er hatte sich beim Verlassen der Bühne am Bein verletzt und war vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht worden. Blöd das, denn Andys Unterschrift fehlt mir nun auf dem Silent reign of heroes-Promotion-Display. Hoffentlich ist er auf der nächsten Tour wieder mit von der Partie. Martin Schneider (Impressum, Artikelliste), Oktober/November 1998 |
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