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RPWL

Supp.: The Amber Light

Reichenbach/Vgtl., Bergkeller, 11.03.2005

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Fotos: Ingolf Schmock
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The Amber Light
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RPWL Setlist
Reichenbach/Vgtl., Bergkeller, 11.03.2005

Als Garant für Liveerlebnisse für die gehobenen Höransprüche, und das mit den hoffnungsvollsten Vertretern der anspruchsvollen Rockmusik, geriet der Auftritt von RPWL im Vogtländischen Reichenbach geradezu zu einer Pflichtveranstaltung.
Als Anheizer hatten sich die Oberbayern die Wiesbadener THE AMBER LIGHT für ihre Konzerttournee eingeladen.
Der an diesem Abend restlos ausverkaufte Bergkeller hatte schon vor dem Showdown die mittlere Betriebstemperatur einer Sauna erreicht, nur mit dem feinen Unterschied, daß man hier der Nikotin- und Teer-verfallenen Übermacht ausgesetzt war.
[ja ja, wir sind absolut für Rauch- und Bierverbot bei Konzerten... Red.]

The Amber Light Gegen 21 Uhr wird, nach dem mentalen Eingrooven, der musikalische Reigen mit den noch jungen Musikern von THE AMBER LIGHT in Bewegung gesetzt. Zu Recht wird diese im Sommer 2000 gegründete Formation als eine der wohl besten Newcomer des vergangenen Jahres gehandelt. Sie berauschten vom Fleck weg das Publikum mit einer erstaunlich souveränen Instrumentalarbeit und mit ebensolcher, weit gefächerter, Präsenz.
Jazzige Variationen ergänzten sich abenteuerlich mit elegischen Keyboards und brachialen Gitarrenausbrüchen nebst dem hochemotionalen Gesang. So hypnotisierten die Protagonisten unweigerlich die Anwesenden mit einer Songauswahl vom Debütalbum "Goodbye To Dusk Farewell To Dawn" (QuiXote Music, 2004) und der aktuellen EP "Stranger & Strangers" (QuiXote Music, 2005).
Die Band verstand es auch, durch kurze Songs mit Hang zum modernen Pop, minimalistisch und harmonisch das Publikum in den Zeitgeist zu versetzten.

The Amber Light Als Lehrmeister für ihren New-Artrock dürften wohl Vertreter wie PORCUPINE TREE, SIGUR RÓS oder MUSE stehen, die auch mit 70'ies-Charme gegebenenfalls in den Bandkompositionen zitiert werden. Trotzdem vermag das Quartett sich aus solchen Schatten zu lösen, um die eigene Identität zu bewahren.
So boten THE AMBER LIGHT trotz knapper Spielzeit schon einen kleinen musikalischen Appetithappen mit dem Song Moody als Vorgeschmack auf das, voraussichtlich im Herbst erscheinende, neue full-lenght Album.
Man merkte der Band an diesem Abend die Freude auf der Bühne an und die gute Laune übertrug sich schnell auf das teils staunende, teils enthusiastische Publikum. Ein besonderes Highlight war ohne Zweifel der 14-minütige EP-Titelsong Stranger & Strangers, der sich wie eine rasante Achterbahnfahrt durch verschiedene Musikepochen - mit Prog der 70er, New Wave der 80er, Brit-Pop und Gitarrenrock der 90er - in einer homogenen Konsistenz gestaltete.

The Amber Light Gitarrist, Keyboarder, Sänger Louis Gabbiani, Gitarrist Jan Sydow, Bassist Rabin Dasgupta und Schlagzeuger Peter Ederer werden mit der bisherigen Zielstrebigkeit bzw. dem völlig unbefangenen Spaß an der Musik und ohne sich festgeschriebenen Trends anzuschließen, ihren Weg zur endgültigen Anerkennung kontinuierlich beschreiten.
Mit dieser wirklich beeindruckenden Performance haben die Burschen den Fehdehandschuh geworfen und sind de facto als eine ernsthafte Konkurrenz für die etablierte globale Prog-Szene angesagt.

RPWL Nach einer kurzen Umbaupause lieferte dann die Quasi-Hausband RPWL das nicht minder interessante Kontrastprogramm, mit einer von Quadrophonie-Sound und Lichteffekten unterstützten Performance.
Mit Sleep (an selbigen war beileibe gar nicht zu denken) gaben die sympathischen Freisinger die richtigen Töne für die nachkommenden zwei Konzert-Stunden vor.
Euphorisch von der erwartungsvollen Meute begrüßt, bietet Start The Fire (der Titel ist Programm) das passende Oeuvre für ein traditionell aufregendes Klangspektakel und verleiht der Band die benötigte Spursicherheit für den weiteren Konzertverlauf. Der liedhaft ambitionierte Rock mit lässigem Pop-Appeal, durch indische Soundscapes verflochten, hatte mit dem aktuellen Output "World Through My Eyes" (InsideOut, 2005) genau den Nerv der Musikwelt getroffen und somit für reichlich Feedback der Kolumnisten und Fans gesorgt.

RPWL So war es überaus verständlich, daß neben einem feinen Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen, der Schwerpunkt auf das neueste Songmaterial gelegt wurde.
Die grazilen, emotionsgeladenen Rockgebilde mit den progressiven Trademarks, die der charismatische Präsentator Yogi Lang mit seinem ausgeglichenen Wesen dem faszinierten Publikum nahezu vormeditiert, bieten einen guten Kontrast zur schnelllebigen Gesellschaft. Untermauert von den Videoprojektionen auf der Leinwand und dem quadrophonen Sound finden die wahrhaft prächtigen Kompositionen auch in der Konzertsituation die Erfüllung.

RPWL Ein technischer Defekt am Bassverstärker zwingt die Band, die eigentlich zum Schluß anberaumte akustische Mitsing-Ballade Crazy Lane vom Debüt "God Has Failed" (Tempus Fugit, 2000) kurz entschlossen vorzuziehen, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat.
Danach ging es mit dem wohl stärksten Song vom "Stock" (2003) Output weiter. Gentle Art Of Swimming, das mit seinem ausgedehnten, klanglich komplexen, experimentell aber geschlossenem Arrangement live an Klasse gewinnen konnte. Die spielerisch hochmotivierte Band versetzte sich mit routiniertem Selbstvertrauen in einen Rausch.
RPWL Spielfreude pur verbreiteten die fünf Musiker mit dem kurzfristig zur Bandfamilie zurückgekehrten Chris Postl, der über das ganze Gesicht strahlte und seine herrlich komplexen, am Jazz orientierten Bassläufe wirkungsvoll mit den Gruppenklangmalereien verschmolz. Sein souveränes Agieren beim aktuellen Songmaterial bezeugte es klar, wie seine Person die ganze Zeit über mit RPWL verbunden war. Gitarrist Karlheinz Wallner veredelte die Songs obendrein mit seinen immer wiederkehrenden elegischen Soli mit den verinnerlichten floydschen Typica.
RPWL Gastkeyboarder Markus Jehle begab sich völlig relaxt auf einen Ritt mit dem fliegenden Teppich über ein Meer aus aufgetürmten intergalaktischen Klangkaskaden und symphonischen Polyrhythmen. Das Ganze wurde unterlegt von Manfred Müllers kraftstrotzendem, unorthodoxem, aber dennoch filigranem Schlagzeug. Über allem schwang sich Shouter Yogi Lang anmutig, gleißend und schwebend, mit hübsch verträumter Lyrik in sanfte Harmonie transportierende Melancholie auf, um seine Jünger in den Bann zu ziehen. Es gelang ihm auch, dem auf den Leib eines Ray Wilson geschriebenen, wunderbaren Ohrwurm Roses, mit seinem Timbre einen persönlichen Touch zu verleihen. Als ausgleichende Gerechtigkeit und als Verneigung vor diesem grandiosen Künstler gab er später noch das äquivalente Adolescent Breakdown, eine Komposition von Ray's letzter Studioarbeit, zum Besten.

RPWL Die per se gehaltvoll konstruierten Songs wurden von einer getragenen, melancholischen Atmosphäre durchzogen, so daß die Performance von einer extrovertierten Andächtigkeit bzw. einer sakralen Aura umgeben wurde.
Wunderbar anzuschauen ist die Keyboard-Materialschlacht während World Through My Eyes, wobei die psychedelischen Parts nicht zu kurz kamen, es aber dann unweigerlich im schwülstigen Finale endete.
Beim Zugabenblock wurde dann die stimmungsvolle Palette mit der - wohl bei jedem RPWL Gig unverzichtbaren - Coverversion von FLOYDs Welcome To The Machine, mit den erwarteten Quadroeffekten, ausgiebig gefüllt. Hoffentlich wird sich dieses Ritual nicht (wie bei DEEP PURPLEs Smoke On The Water) wie ein Fluch durch die weitere Karriere fortsetzen und die Freisinger müssen dieses, zugegeben Grandiose, Teil noch in 10 Jahren zum Besten geben. Aber ich finde, entgegen allen Konventionen in dieser konfusen, an Glaubhaftigkeit mangelnden Welt, sollten bestimmte Traditionen behütet werden.
[Na wat nu? Red., Abt. Folklore]
So endete dieser Abend in seinem multimedialen Gewand, verheißungsvoll umschmeichelt von einer Laudatio an die Herrschaft der Menschen über diese, oh wohlklingenden, Töne und Laute.

RPWL Abgesehen von kleineren technischen Cuts, verdiente sich dieser stimmungsvolle Auftritt zweifelsohne seine Kerbe im oberen Bereich der Konzertmeßlatte dieser Pilgerstätte anspruchsvoller Rockklientel, dem "Wohnzimmer des progressiven Rocks".
Besonderen Dank nochmal an Uwe Treitinger und sein Bergkeller-Team für die sehr geschätzte Gastfreundschaft und die perfekte Organisation.
Rock'n'Roll will never die!

P.S.: RPWL werden am 03.09.2005 im tollen Ambiente der evangelischen Peter-Paul Kirche in Reichenbach, Vgtl. unter dem Motto "Prog At Church" ein Konzert geben.

Hier geht es zum Interview mit Yogi Lang!

Ingolf Schmock, (Artikelliste), 20.03.2005

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