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Medingen, Gasthof Medingen, 12.04.2009

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Fotos: Hartmut Helms

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Medingen, Gasthof Medingen, 12.04.2009

… und wieder sprießen Apfelträume und Rosen.
Im vergangenen Winter fiel ein unendlich langer und kalter Frost auf uns, der uns hart werden ließ, auch traurig, ein wenig verzweifelt gar, kopfschüttelnd. Mir hat er ganz sicher ein paar mehr Haare mit hellem Silber überzogen. Sei's drum: Es ist Ostern. Frühling, endlich!

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Da draußen im Garten öffnen sich die Kirschblüten und ein erster Traum von Apfelblüten beginnt sich zu regen. Auch die Rose, die wir ehren, zeigt, dass wieder Saft in ihr steckt. DANK solcher Triebhaftigkeit musste auch ich hinaus, dorthin, wo Melodien von "Apfelträumen" und vom "Gänselieschen" die Traurigkeit vertreiben, wo man leise eine "Rose" ehrt und der Bauer seine Polka tanzt.
Cäsar rockt nun im Himmel, in Medingen spielte RENFT in diese Frühlingsnacht hinein.

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Der Gasthof in Medingen hat den Charme dieser herrlichen alten Dorfkneipen, mit rustikalen Holztischen und Blick über den Tresen in die Küche. Ich wusste sofort, in so einem Umfeld musste sich RENFT wohl fühlen. Heimspiel nennt der Kenner so etwas und als dann noch ein Kasten Bier den Bühneneingang passierte, wurde auch dem letzten klar, es wird heiß, feucht und eine lange Nacht. Die 60 Minuten verspäteter Konzertbeginn ließen jedenfalls keine Zweifel mehr aufkommen und draußen war ja (Gott sei Dank) Frühling.

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Der RENFT-Monster war in allerbester Laune und diese Freundlichkeit strahlte beim Liebeslied in den Saal und ließ die angereiste Horde bei Mama lauthals mitsingen. Der Basskran schmetterte wohl gelaunt sein Irgendwo dazwischen und die Fans nahmen den Rhythmus auf. Bei den Klassikern Wandersmann, Flüsse und Tränen sowie Zwischen Liebe und Zorn war mir wie angekommen und die Erinnerungen aus den frühen 70ern ließen mir das Herz aufgehen, auch wenn die Combo heute wesentlich ruppiger klingt.
Es gab Momente, da waren für Bruchteile die Gesichter Ehemaliger zu sehen, wenn man denn wollte. So etwa als Sonne wie ein Clown erklang und Monster nach Kuno rief. Auch bei Cäsar waren die Gedanken, als sich die Melodie von der Rose durch den Saal rankte, wenngleich ich gestehen muss, dass mir die Freude darüber noch immer als dicker Kloß tief in der Kehle stecken bleibt. Außerdem ist Pittis Gitarre eben eine gänzlich andere, die bei I Feel Free gekonnt einen auf Clapton machen oder listig Race With The Devil der Curtis-Brüder (THE GUN) zitieren kann. Die Rose einfach nur instrumental zu intonieren, wäre eine unaufdringlichere und vielleicht auch eindringlichere Variante (um mal eine Anregung auszusprechen, falls Fan das darf).

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Wenn sich der Frontmann von RENFT Nach der Schlacht und So starb auch Neruda aus der Seele singt, ist Monster er selbst - ein begnadeter Sänger und Rock'n'Roll-Shouter, aber keine Legende. Dann explodiert er und Ich und der Rock ist ihm wie auf den Leib geschneidert, seine Hymne. Getragen von einer entfesselten Pitti-Gitarre und einer Rhythmus-Sektion aus Schweiß und Wucht, lotet Monster Schoppe seine stimmlichen Grenzen aus und sieht sie zuweilen. Alles andere wäre nicht die Gewalt von Rockmusik und vier Jahrzehnten RENFT - und am Ende werden die unten im Saal mit vier glücklich strahlenden Gesichtern da oben belohnt. Die Kommunikation funktioniert.
Kann auch sein, dass ein Team von ARTE nicht unwesentlich zur lockeren Stimmung beigetragen und den TV-Guckern ein paar schöne Momente eingefangen hat. Die werden einen vollen Saal den Apfeltraum singend und eine kraftvoll rockende RENFT-Band erleben. Meine Entscheidung, nach Medingen zu fahren, hat mir ein paar Stunden mit meiner Musik und guten Freunden gebracht. Davon träumen andere ein Leben lang.

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RENFT spielt noch immer und Monster schreit und rockt sich um sein Dasein, so scheint's mir zuweilen. Aber: Jungs, wenn Ihr das durchhalten wollt, lernt Maßhalten und lasst einen (zwei?) gierige Jungrocker Blut lecken (Tasten, Gesang, Gitarre, Geige usw.???). Das tut Monsters Stimme und auch dem Altersdurchschnitt gut. Pflanzt mal einen jungen Apfeltraum in die Band und überlasst Gänselieschen die Pflege. Vielleicht wird ja aus Apfelträume pflanzen eine Tradition und aus RENFT ein kreativer Jungbrunnen. Unsere Kinder und Enkel würden es Euch vielleicht danken und eine Legende eine solche, denn... "Alles ist im Fließen, alles ist Geh'n".

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Hartmut Helms, (Artikelliste), 15.04.2009

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