HoR Logo kl Gator Party 2004:

The Savoy Truffle

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Supp.: Boogie Hookers

Schwarzenbach/Saale, Rock Keller, 02.10.2004

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Fotos: Adelina Schmidtlein

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Poster Gator Party 2004
Boogie Hookers
Die Boogie Hookers mit Max von Voodoo Lake
Boogie Hookers
Come dancing mit den Boogie Hookers
Voodoo Lake
Voodoo Lake mit Stefan Kossmann von Flatman
Voodoo Lake
Voodoo Lake mit Taro Takagi von The Savoy Truffle
The Savoy Truffle
The Savoy Truffle
The Savoy Truffle
Schwarzenbach/Saale, Rock Keller, 02.10.2004Bildergalerie The Savoy Truffle
Bildergalerie Voodoo Lake
Bildergalerie Boogie Hookers

Die Party für die ganze Familie: Die Kalletaler Holzhackerbuam aus Ostwestfalen, Alberno und Rosita Bauer aus (Nord) Italien und die 5 lustigen Japaner um den jodelnden Gaudiburschen Monji "Tirolerhut" Kadowaki. Präsentiert vom allerletzten Krokodil aus Nordbayern: Karl-Heinz R. und seinen fleißigen Helferleins.

Andere Menschen behaupten, dass es sich bei der 4. Ausgabe der Gator Party um DAS Southern Rock Event des Jahres handelt.
Bekanntlich sind Alligatoren vom Aussterben bedroht. Nur noch wenige Exemplare befinden sich in freier Wildbahn. An dieser Stelle möchten wir uns auch ausdrücklich gegen die Jagd dieser Tiere zur Fleisch- und Ledergewinnung wenden.
In einer einzigartigen Aktion ist es den Veranstaltern gelungen, sämtliche noch gehfähigen Vertreter der Gattungen Nil-, Mississippi- und Rock'n'Roll-Krokodil in den Orten Altenkunstadt und Schwarzenbach/Saale zu versammeln. Manche von ihnen sind schon sehr alt...

Schluss mit Lustig jetzt, sehen wir den nackten Tatsachen ins Auge.
Es braucht im Jahr 2004 eine gewaltige Portion Optimismus und Liebe zur Musik, um solche Veranstaltungen überhaupt noch durchzuführen. Die Schlinge zieht sich immer mehr um die Hälse von Organisatoren, Clubbetreibern und Bands zusammen und der Fan ist dadurch gezwungen, oftmals viele Hundert Kilometer zu reisen, um überhaupt noch in den Genuss solcher Musik zu kommen. Entsprechend verlaufen diese Konzerte heutzutage mehr wie ein Klassentreffen. Man kennt sich, man spricht die gleiche Sprache (auch wenn es brandenburgisch ist), hat die gleichen Platten zuhause im Schrank stehen und freut sich über jeden neu hinzukommenden Fan. Es sind ja nur ein paar. Etwa 250 in Altenkunstadt und circa 190 in Schwarzenbach (wo es damit allerdings schön voll war).

Boogie Hookers Ein paar Takte zum Rock Keller in Schwarzenbach. Vom Standortnachteil einmal abgesehen, ist dieser Club nahezu perfekt. Bühne, Sound, Räumlichkeiten, Backstagebereich, Service, Preise... alles bestens. Sozusagen ein Rock & Roll Musterbetrieb. Man wünscht sich mehr solche Locations. Das tun sicher auch die BOOGIE HOOKERS aus Ostwestfalen, denn so wahnsinnig oft wird diese Band nicht unter solchen Bedingungen auftreten können. Schade, weil die HOOKERS eine ganz hervorragende Einheizerkapelle sind - trotz dem klischeebehaftetem Namen.

Boogie Hookers Ich hatte im Vorfeld eine durchschnittlich matte Bluesrock Vorstellung erwartet, aber der Vierer rockte sich mit sehr guten eigenen und ausgewählt hochklassigen Coversongs durchs Programm. Viel ZZ TOP- und Johnny Winter-Feeling, wenig ausgelutschte Bluespfade dafür Cat Scratch Fever in Bestform, sympathisch-lustige Bühnenpräsentation, yep, das hat geboogied und gehookt. Nebenbei bemerkt, bewegen sich die Herren auf durchaus gehobenem technischen Niveau. Noch vor wenigen Jahrzehnten (remember, Krokodile werden sehr alt...) hätte diese Band in kurzer Zeit mindestens nationalen Ruhm erlangt.
Mein persönlicher Favorit war der Pan Am Highway Blues von den bärtigen Texanern, den habe ich erstens nur selten gehört und zweitens noch nie so klasse gespielt.

So stellt man sich ein "Vorprogramm" vor. Kaum zu glauben, dass viele Veranstalter "großer" Konzerte auf dritt- oder fünftklassige Krachkombos setzen, anstatt dem Volk für teures Geld gute Unterhaltung zu bieten. Die Gator Party kostete übrigens satte 10 (i.W. Zehn) Euro Eintritt.

Setlist:
Rollin' And Tumblin', Taxman Blues, Cat Scratch Fever, Trouble In Mind, One Way Out, Phonecall From Leavenworth, Patio Laterns, Tribute To Billy G., Pan Am Highway Blues, Saturday Night (die Nummer von Herman Brood - kam auch sehr geil)
Sweet Goodess Of Love And Beer, Bang Bang

Offizielle Boogie Hookers Homepage
Boogie Hookers im Home Of Rock

Boogie Hookers Bestens vorgewärmt war das Volk also und nach unverhältnismäßig kurzer Umbaupause (weniger als ein Bier!) standen schon VOODOO LAKE aus Turin auf der Bühne. Mir hatte die Debüt-CD schon gut gefallen, aber nach einigen Umbesetzungen und diversen Konzerten (u.a. mit REBEL STORM und FLATMAN) dürfte Chef Max Arrigo jetzt die perfekte Zusammenstellung gefunden haben.

Boogie Hookers Das erste Viertelstündchen habe ich fast ausschließlich über das hervorragende Bass-Schlagzeuggespann Joe Ferrante und Gianmaria Pepi gestaunt, dann ein Weilchen über den gloriösen, erst zwanzigjährigen Keyboarder Maurizio Spandre, mich zwischenzeitlich über die hübsche UND sangeskräftige Giulia gefreut und darüber beinahe die Gitarren vergessen. Fauxpas! Max und Simone sind ein wunderbares Team, mal mit, mal ohne Bottleneck, mal härter, mal im Gleitflug zweistimmig, ohne jeden Fehl und Tadel und einfach nur klassisch southern und schön. Wenn diese Band anfängt zu jammen, verliert der Fan jedes Gefühl für Raum und Zeit. Naturelmente sind die Vorbilder immer in greifbarer Nähe, aber VOODOO LAKE haben mittlerweile ein ganz eigenständiges Gesicht, das sich vor keiner Fratze aus der Vergangenheit verstecken muss. Ein sensationeller Auftritt!

Setlist:
Keep On Running, Hellbound, Need To Live, Daddy, Long Hard Ride, Manson, Angel From Montgomery, Son Of The Witch, Chain Of Fool, Screaming Guitars, Rock'n'Roll

Offizielle Voodoo Lake Homepage
Voodoo Lake im Home Of Rock

The Savoy Truffle Normalerweise könnte man sich nach einem solchen Konzert völlig befriedigt noch ein Absackerbierchen genehmigen und dann nach Hause gehen. Viele Bands dürfte es auf dem Planeten auch nicht geben, die nach den Italienern noch eine reelle Chance haben. Vor allem wenn es sich wie im Fall SAVOY TRUFFLE nicht um Partymusik der Sorte "Kopf aus und Tanzschuhe an" handelt. Aber, werter Leser, was dann folgte, ist dem Berichterstatter in all den Jahren noch nicht passiert. THE SAVOY TRUFFLE aus Osaka/Japan sind überhaupt keine Musik im herkömmlichen Sinne mehr, Ladies & Gents, wir müssen ab sofort von Kunst sprechen!

The Savoy Truffle Vor etwa zwei Jahren hatte ich die Ehre, die Band als erster Deutscher reviewen zu dürfen und seitdem ließ mich diese unfassbar groovende langhaarige Bluesrock-Jamhorde nicht mehr los. Was musste ich mir alles anhören dafür. Von Geschmacksverirrung bis blankem Hohn für meine Affinität zu einer nicht aus den Südstaaten stammenden Südstaatenband war alles vertreten. Wer bei den beiden Gator Partys dabei war, wird, nein, muss jetzt anderer Meinung sein.

The Savoy Truffle Es ist sinnlos und nahezu unmöglich auf einzelne Songs dieses Konzertes einzugehen, dafür ist die Performance viel zu komplex und in sich geschlossen, es gibt keinen Spannungsabfall, keine langweiligen Songs, keine Banalitäten. THE SAVOY TRUFFLE sind wie ein in Betrieb genommener Dieselmotor, der einmal in Gang nie mehr stehen bleibt. Wo der Backbone der Band sitzt kann man nicht lokalisieren, mal scheint es der abgrundtiefe Bass zu sein, mal die Percussionwand der beiden Trommler, dann wieder der einzigartige Gesang und letztlich die nie endende Gitarre. Ergo: Diese Band funktioniert nur in ihrer Gesamtheit, auch wenn immer irgend ein Bestandteil gerade einen Weltrekord aufzustellen scheint.
Meinen S.T.-Lieblingssong Brother To Brother vom formidablen "Take To The Sky And Fly" Album haben sie auch gespielt. Die vorgetragene Version dürfte etwa 7 Stunden gedauert haben, wobei mehr als 6 3/4 Stunden aus einem nie zuvor gehörten einzigartigem Gitarrensolo bestanden haben und dennoch die gesamte Länge nicht etwa Malmsteen'sche Züge hatte, sondern es von Anfang bis Ende ein Lied war.

Mir gehen die Superlative aus, THE SAVOY TRUFFLE sind ein Naturereignis. Und außerdem phantastische Typen.
Eine tiefe Verbeugung vor den Bands, den Organisatoren und all den anderen beteiligten Krokodilen. Seid vorsichtig, dass Ihr nicht als Tasche endet, wir brauchen solche Musik noch länger!

Setlist:
Highway Man, Can't Fight The Blues, Black Hearted, Stormy Monday Blues, Burnouts Stub Their Toes, Until You Can Feel It, Big Legged Woman, Lowdown Blues, I'll Never Know, Brother To Brother

Offizielle The Savoy Truffle Homepage
The Savoy Truffle im Home Of Rock

Unnötig zu erwähnen und auf unseren Fotos zu sehen, dass gejammt wurde auf Biegen und Brechen. Jeder mit jedem und alle zusammen; meine Herren (und die Dame), das war ganz GROSS und eines der schönsten Konzerte in all den Jahren!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.10.2004

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.10.2004

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