|
|
| Herford, Elfenbein Entertainment, 08.10.2008 |
 |
Das "Elfenbein Entertainment" ist eine ehemalige Kneipe in Herford, in der regelmäßig Veranstaltungen mit ziemlich guter Musik liefen. Natürlich trägt sich so ein Laden in einer Stadt wie Herford auf Dauer nicht. Daraufhin begannen die Macher, überall in Ostwestfalen Veranstaltungen anzubieten, meist Comedy mit solchen Helden wie Bernd Stelter und Hans Werner Olm. Dadurch ist dann auch hin und wieder mal eine Musikveranstaltung im Elfenbein bezahlbar.
Was macht aber einer, den sie in New York als Saitenwizzard, als Gitarrenwunder gar verkaufen und der seine Brötchen in der Band von Sheryl Crow verdienen muss? Ganz klar, er kriegt den Blues, wählt sich eine adäquate Band, tourt durch Amerika, Deutschland und England. Und weil die Sheryl Crow Fans keinen Blues hören, und die Blues Fans nicht auf Sheryl Crow stehen, spielt er vor gerade mal rund 30 Menschen im "Elfenbein". Und das immer wieder. Hier war er erst vor zwei Jahren. Damals hatte die Band die CD "Why Thank You Very Much" im Gepäck und konnte die wenigen hiesigen Bluesfans total begeistern.
Beim jetzigen Auftritt geht's auch mit einem Basser. Alles, was auf der CD "Borrowed Time" Ed Conova, Rob Frasier, Tad Wadhams und Suavek Zaniesienko gespielt haben, muss nun Suavek Zaniesienko allein spielen. Mit on Tour ist natürlich auch der massige, mächtige Drummer Dave Hollingsworth. Auf Keyboarder Michael Fossa wird dagegen großzügig verzichtet.
Todd Wolfe entert er die Bühne, fragt: "So quiet?" in den erwartungsvoll schweigenden Saal. (Hier klatschen die Leute nicht, nur weil jemand kommt. Er muss schon was zeigen!) Und Todd zeigt einiges. Hendrix, Clapton, Warren Haynes und Rory Gallagher beeinflussten Wolfe. Sein Vorteil ist jedoch, dass er keine Fender spielt, sondern mit seinen SGs ein amtliches Brett auffährt.
Er schnappt sich seine Gibson, meint: "Gonna do some Blues" und wenige Sekunden später klingeln den Zuhörern bereits die Ohren. Erstaunlich, was dieser schmale Mann und seine beiden Begleiter auf die Bühne zaubern. Diese Band wühlt nicht im Rhythmus der ewig gestrigen Zwölftakter, sie spielt einen modernen Blues-Rock, dicht, erbarmungslos und begeisternd.
Das Trio lotet die Grenzen des Blues und des Rock aus, wobei sie Stücke von der neuen CD mit älteren Nummern mischt. Die Band hebt trotz des spärlichen Publikums regelrecht ab, spielt meist mit geschlossenen Augen und entschwindet in einem Spielrausch, ohne dabei die sichere Linie zu verlieren. Da applaudiert auch das Publikum. Schließlich gilt Todd als einer der besten zeitgenössischen Gitarristen.
Wolfe hat mit "Borrowed Time" seine fünfte CD eingespielt und zitiert daraus unter anderem If This Is Love, Cold Black Night und das Titelstück Big Nose Kate, allerdings auch Light Of Day, Silver Blue und Wing Of A Dove von der "Wolfe".
Todd vermeidet es tunlichst, sich und seine Gitarre penetrant in den Vordergrund zu drängen, sondern er groovt und rockt sich geschmeidig durch Songs. Eine Sammlung von Tretminen (Wah-Wah, Buzz und einige unbekannte) sorgen dabei für den gewünschten Sound. Bei alledem macht er einen eher in sich gekehrten Eindruck. Er hat die grün-blau-braune Mütze tief ins Gesicht gezogen und sagt auch nicht viel. Mal ein "Thank you" oder "Thank you so much" in den spärlichen Applaus. Nur einmal fragt er, ob er vielleicht zu laut ist. "Alles bestens", wird ihm signalisiert und weiter geht das Soundgewitter.
Natürlich spielt Todd nicht nur eigene Stücke. Ein paar B.B. Kings (natürlich moderner und geschmeidiger gespielt) mischen sich darunter. Doch als er gegen Ende die ersten Töne zu seinem Wolfe Jam (von der CD "Delaware Crossing") anspielt, da liegt Herford auf einmal mitten in den Südstaaten.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|