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Konzertbericht:WolfeMünchen, Hide-Out, 18.02.2003 |
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München leuchtet! Naja, zumindest die Gesichter der üppig anwesenden Münchner Zwölftakt-Mafia, ähm, Polizei, tschuldi, Elite, natürlich. Die Band: Neben Todd Wolfe sind da Drummer David Hollingsworth, der übrigens lange Jahre in München lebte, und Bassist Eric Massimino. Eric ist von den beiden ersten CDs der Wolfe Band bekannt, auf der neuen ist er nicht dabei, und er könnte dem einen oder anderen Leser mit der Band FIRE ANTS aufgefallen sein. Bei mir heißt er ab sofort nur noch "Eric der headbangende Blues-Pudel". Irre was der treibt. Eine Mischung aus jugendlichem Leo Lyons, UFOs Pete Way und dem Basser einer beliebigen Speed Metal Band. Photographenfreundlich ist das zwar nicht, aber dafür unheimlich unterhaltsam.
Zum Aufwärmen gibt es ein paar Bluesrocker, schön solide und recht kernig gerockt. Der Stranger Blues, sozusagen als Fingerübung, Light Of Day vom vorletzten Album, Crowded, als kleiner Shuffle hintendrein. Da fällt mir erstmals die stimmliche Ähnlichkeit Todds mit einem gewissen Clapton, Eric auf. Und plötzlich artet der brave Shuffle in einen langgezogenen Jam aus. Immer noch in ziemlicher Hochgeschwindigkeit, aber eben gejammt. Man kann sich vorstellen, dass die Nummer jeden Abend anders klingt. Die Band hebt regelrecht ab (außer Eric, der headbangt wie besessen) und entschwindet in einen kleinen Spielrausch. Der Uralt-Blues-Kalauer Come On In My Kitchen kommt noch zwischendurch und dann greift Todd zur Resonator. Ein schönes Teil. Und ein wunderschönes Lied folgt. See What Love Can Do. Ich schwöre, ich kannte das Lied nicht. Während die Band noch spielt, sag ich zu meinen beiden Mädels (Am Dunklen Bier: Erika! Am Photoapparat: Adelina!), "wenn der Clapton den Song spielen würde, der hätte einen Riesenhit damit". Ein Blick ins CD-Cover und anschließend zum All Music Guide im Net verrät mir heute, dass der Autor Jerry Williams heißt und dass die Nummer erstmalig auf Claptons CD "Behind The Sun" von 1985 erschien. Wahrscheinlich HATTE Clapton damit einen Hit. Nur leider habe ich den Mann in den 80ern nicht mehr wahrgenommen. Die LP war damals von Phil Collins produziert. Ein absolutes Totschlageargument.
Noch ein "Special Event" gab es an diesem Abend. Todd bat für einige Songs eine junge Frau als Gastsängerin auf die Bühne. Die Frau heißt Erin Perry, kommt aus L.A. und ist normalerweise Sängerin ihrer eigenen Band. Mein lieber Schwan. So eine Röhre hört man selten. Nicht nur das, man sieht ihr regelrecht an, was für einen Spaß sie hat. T-O-L-L! Wenn Ihr Leser also irgendwann mal diesen Namen lest: Sofort hingehen! Todd Wolfe ist ganz offensichtlich von Hendrix, Clapton, Warren Haynes und Rory Gallagher beeinflusst (das bestätigt er später auch mit einer tollen Version von Who's That Coming). Sein Vorteil ist, dass er nicht "fendert", sondern ein anständiges Brett spielt. Das tut dem Sound sooo gut. Ein weiterer Resonator-Song ist One Lost Love. Gänsehaut! "One lost love is another man's gain". Pause, Smalltalk unter den Szenekennern, einhelliges Kopfnicken ("...toller Blueser...", "...ja, aber Rock und Roll kann er auch...", "du, aber Robert Johnson haben wir auch schon gespielt...", "...logisch, a bisserl was vom Muddy Waters könnt er noch bringen, oder vom Hooker..."). Ja, so spricht der wahre Kenner. Ich gebe zu, im zweiten Set musste ich zu Beginn ein paar mal gähnen. Zu viel Blues und Rock & Roll der herkömmlichen Sorte. Natürlich war das klasse. Aber man kennt das alles schon zur Genüge. Eigentlich.
Und dann plötzlich, wie Phönix aus der Asche, kommt er, der ultimative Song. Der Wolfe Jam. Liebe Güte, das ist Groove wie zu besten Little Feat-Zeiten. You know what i mean, Leser? Da zieht es dir direkt die Schuhe aus. Wenn eine Band 10 Minuten oder länger einfach nur rockt und groovt. Die Gitarre erhebt sich über alles und man ist für einige viele Minuten im siebten Allmans-Himmel. Zimperlich sind die Jungs nicht und mit Zugaben geizt man auch nicht. Nach reichlich zweieinhalb Stunden ist erst Schluss. CDs unterschreiben (und mit einem dicken "Peace" versehen - so denkt der kluge Amerikaner), Smalltalk, Bierchen trinken. Nur abbauen können sie nicht so richtig. Auf der Bühne hat sich nämlich inzwischen ein riesiger Hund häuslich eingerichtet und macht keine Anstalten, seinen Schönheitsschlaf von irgendwelchen Musikern unterbrechen zu lassen.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.02.2003
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.02.2003 |
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