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München, Bongo-Bar, 15.10.2002

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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Yardbirds - Jim McCarty
Jim McCarty - 57 KB
Yardbirds - John Idan
John Idan - 30 KB
Yardbirds - Gypie Mayo
Gypie Mayo - 34 KB
Yardbirds - Setlist
Setlist - 37 KB
München, Bongo-Bar, 15.10.2002

Zielgruppe verfehlt. Ich bin zu jung. Hurra!
Das All Music Guide sagt, die Band wurde 1963 gegründet und löste sich 1968 auf.
Der Name YARDBIRDS wird für immer verbunden sein mit den Namen Clapton, Beck und Page.
Die Hits der Band lassen sich an zwei Händen abzählen und ob es noch viele Menschen gibt, die auswendig auf Anhieb mehr als 3 aufsagen können, bezweifle ich.
Wir schreiben das Jahr 2002. Was also machen die Herrschaften heute und was bieten sie mir?

Verblüffend, dass die Bongo-Bar reichlich gut gefüllt war. Verblüffend auch, welche Leute hier erschienen sind. Der Anteil an Frack- und Schlipsträgern war erstaunlich hoch, einige hatte ihre Kinder dabei, viele sahen nicht aus, als ob sie regelmäßig zu Rockkonzerten pilgern.
Legendenstatus? Scheint so.

Drei echte Ärgernisse vorab:
1.) Der als Vorprogramm angekündigte Gwyn Ashton war nicht dabei. Begründung? Naja, ich denk mir meinen Teil...
2.) Als Ersatz gab es geschlagene 90 Minuten Bryan Adams vom Band. Gruselig.
3.) Ich hatte Lust auf Weißbier. Das Angebot bestand aus einer 0,3 Liter Kinderportion aus der Flasche! Auf dem Etikett stand tatsächlich "Flaschenweißbier". Ja sakrament, lieber trink ich Tomatensaft als Weißbier aus der Babyflasche.

Zugegeben, ich bin wirklich nicht die Generation der Fans der ersten Stunde. Aber was Teile der Yardbirds in den Jahren 1984 und 1986 mit der Band BOX OF FROGS gemacht haben, fand ich super. Jeff Beck, Rory Gallagher, Roger Chapman und viele andere veredelten die beiden LPs. Um so mehr war ich gespannt.

Yardbirds - Chris Dreja

Die Yardbirds bestehen heute aus den beiden Gründungsvätern Jim McCarty (Drums & Vocals) und Chris Dreja (Rhythm Guitar & Vocals) sowie dem Leadgitarristen John "Gypie" Mayo (ex-Dr. Feelgood), Leadsänger und Bassist John Idan (der erste Amerikaner bei den Yardbirds) und dem Mundharmonikaspieler Alan Glen (u.a. Nine Below Zero).

Der Zahn der Zeit nagt. Jünger wird keiner (außer Cliff Richard vielleicht) und wenn man sich die alten Bilder von beispielsweise Gypie ansieht, erkennt man ihn heute kaum mehr wieder. Brav schaut er aus. Und gar nicht mehr wie ein wilder Rock & Roller. Trotzdem, von seiner Gitarre lebt die Band heute. Er ist ein Guter! Nur, es darf bitte keiner die Magie und Genialität der drei oben genannten Gitarristen erwarten.
Und schon sind wir bei einem der Probleme der Yardbirds. Lässt man den Nostalgiefaktor mal beiseite, klingt eine 2002er Inkarnation einer Sixtiesband immer wie ihre eigene Coverversion. Vor allem, Problem Nummer 2, wenn sie sich beinahe sklavisch an den Urversionen ihrer Songs festhält, also versucht zu klingen wie anno 1965.

Nach der schier unendlichen Bryan Adams Beschallung hoffte ich auf eine Ladung erfrischenden Rhythm & Blues und Rock & Roll. Aber, oh Schreck, da passierte eine ganze Weile gar nichts. Im Gegenteil, vor meinem geistigen Auge sah ich dauernd Uschi Nerke im Minirock durch den Beat-Club sausen. Au weia, das ist nicht meine Welt. Bei meinem Einstieg in die Rockmusik gab es immerhin schon Deep Purple, Black Sabbath und Uriah Heep und die klangen einfach ganz anders. Shapes Of Things in Originalfassung ist für mich heute schlicht altbacken.
Erst mit Train Kept A Rollin' bekam auch ich meine Ladung Rock. Fast so kernig wie von Aerosmith kam diese Version. Und die coverten den Song immerhin auch schon 1974.

As time goes by. McCarty erinnerte an den letzten Aufenthalt der Band in München. Ungefähr 35 Jahre müsste das her sein meinte er. Der Club hieß "Big Apple" und ob den noch jemand kenne und ob gar jemand von den Anwesenden damals dort gewesen sein. Gut 50 Prozent der anwesenden Hände ging in die Höhe. Und ich musste lachen. Der "Apfe" wurde dicht gemacht, als ich 11 Jahre alt war...

Und so ging das Konzert dahin. Evil Hearted You, ein paar Blues-Standards, Still I'm Sad und so weiter. Dazu die Stimme von Idan, ein McCartney/Lennon für zu spät geborene Zeitgenossen.
Was mir so richtig abging, war der "Startschuss". Keine Explosion auf der Bühne, kein Zeichen, dass hier auch mal gefetzt werden darf. Irgendwie kam mir die Chose reichlich uninspiriert vor. Dreja, zweifellos ein sympathischer Mensch, hielt sich recht krampfhaft an seinem Rhythmus fest, kein fetter Riff, kein Aufzeigen "Hey, wir können das noch!". Einzig von Mayo kamen ab und an hörenswerte Einwürfe.

Yardbirds - Gypie Mayo & Alan Glen

Es kommt nicht sehr oft vor, aber manchmal muss es sein. Nach 70 Minuten hatte ich die Nase voll und wir gingen heim. Vermutlich ein Fehler, denn Ohrenzeugen berichteten mir anschließend, dass noch eine satte Version von For Your Love und ein Led Zeppelin-Medley kam. Warum denn nicht gleich?

Abschließend noch mal zur Zielgruppe. Natürlich in erster Linie die Fans von damals. Es ist sicherlich schön, nach so langer Zeit, mal wieder die (Beinahe-) Originale zu sehen und zu hören.
Eine mögliche zweite Klientel habe ich auch entdeckt. Die Kids von heute nämlich. Denn was die Yardbirds bieten, ist ziemlich punktgenau das, was man seit einigen Jahren als BritPop verkauft. Hmm, warum also nicht gleich das Original hören, anstatt auf zweit- und drittklassige Epigonen a la Oasis zurückzugreifen?
Insofern hat diese Band durchaus ihre Berechtigung und eines kann man ihr nicht absprechen: Ohne sie hätte es vieles in der heutigen Musik nicht gegeben. Nur, ich bin nicht mehr/noch nicht die Zielgruppe.

Eines noch. Es ist völlig unnötig, Gerüchte zu streuen, die Yardbirds hätten einen sehr berühmten Überraschungsgast auf der Tour dabei. Wer glaubt wirklich, ein Mr. B., Mr. C. oder Mr. P. würde plötzlich erscheinen? Solche Art lokaler Promotion braucht es nicht und ich weiß auch, von wem dieser Unfug kam...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.10.2002

Fotos: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.10.2002

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