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Düsseldorf, Philipshalle, 12.06.2004

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Düsseldorf, Philipshalle, 12.06.2004

Ist es noch notwendig, eine Vorgeschichte zu YES zu verfassen? Sicherlich nicht, es ist soviel geschrieben worden, jeder weiß soviel über die Höhen und Tiefen, Ein- und Ausstiege der Bandmitglieder, interne Querelen etc., dass ich mir dies alles sparen kann.
Ich bin 1972 aufgrund des Wechsels von Tony Kaye zu Wakeman (letzteren kannte ich vorher von Bowie und STRAWBS) auf die Gruppe aufmerksam geworden und habe sie 1977 in Köln zum ersten Mal live gesehen. Nach meinen geschmacklichen Irrungen und Wirrungen sah ich ABWH 1989 und dann nach einigen Jahren Pause die "Ladder"-Tour 2000. 2001 dann mit orchestraler Unterstützung "Magnification" und 2003 die phantastische Reunion mit Rick Wakeman, wo ich sie im Rotterdamer Ahoy sehen konnte.
Schon während des 2003er-Konzertes wußte ich, was all die Jahre vorher gefehlt hat (ER = Wakeman). Wakeman hat - mit Leichtigkeit - eindeutig die zentrale Position von Howe und Squire zurückerobert und war unangefochten "Chef im Ring" (da erleidet man auch gerne das nervige Gutmensch-Gelabere und den Solo-Singsang von Anderson). Jetzt hatte man für 2004 auch ein prima Motto gefunden: 35 Jahre YES und so reanimierte man sogar den ehemaligen Covergestalter Roger Dean, damit er das Bühnenbild zimmern konnte.

Seit Ende April touren sie schon durch die USA und der dort gespielte Set (leider leider festgemeißelt, kein bißchen Bewegung durch Einwechslung anderer Songs) weckte Hoffnung auf einen abwechslungsreichen Abend (in 2002/2003 hätte man das Motto 'Full circle' besser 'Full Fragile' umgetauft, weil fast die komplette Platte gespielt wurde und die Jahre 1977 bis 1999 fast komplett ausgeklammert wurden). Eine neue CD war nicht im Gepäck, dafür fehlte wohl die Zeit (Howe tourte ja vor kurzem noch mit seiner Band REMEDY in Europa). Aber das sollte mir recht sein: Ich geb's zu, die Studio-Alben nach 1978 - kein Druckfehler - (außer "ABWH" von 1989 und die Studiosachen der "Keys to Ascension 1+2") reißen mich nicht vom Hocker.

Ort der Handlung war diesmal die Philipshalle, wo YES im November 2001 das letzte Mal waren. Man kann ja zur Halle sagen, was man will: Häßlicher Ende-der-60er-Jahre-Bau, scheiß Akustik, zu enge Sitze, wenig Parkplätze, miese Ausschilderung der Ränge und Plätze. Aber mit der Kapazität von rund 7.000 immer noch überschaubar und nicht so ein Monster wie die KölnArena.
Merkwürdigerweise war die Halle nur von ca. 2.500 Menschen besucht.

Glücklicherweise hatte YES auf eine Vorgruppe verzichtet (doch, glaubt's mir, in den USA gab's dieses Jahr mehrmals ein Vorprogramm). Nach Stravinskys Feuervogel-Opening marschierten die 5 direkt in Going for the one: Jubel, seit 1977 hatte ich das live nicht mehr erlebt. Was dann die nächsten zwei 3/4 Stunden über mich hereinbrach, war teilweise das bekannte, eh schon erstklassige Material wie I've seen all good people, Yours is no disgrace, And you and I, Ritual. Zum anderen auch die weniger bekannten Songs, die man aber von den letzten 3 Tourneen kannte, z.B. South side of the sky (dieses 2002/2003 gespielte Kleinod der "Fragile"-LP). Wer hätte aber mit solchen Klamotten wie Sweet dreams und Turn of the century gerechnet?

Leider mal wieder eine 15-minütige Pause, die alten Herren schaffen's nicht mehr an einem Stück.
Zu Beginn der 2. Hälfte ein Acoustic Set mit The meeting (von "ABWH"), Long distance runaround, Wondrous stories, Time is time ("Magnification"), Owner of a lonely heart (Bah, pfui) und Roundabout.
Für mich war die Präsentation dieser Stücke im neuen Gewand zwar interessant (insbesondere Wakeman zeigte sein Können: Für ihn wurde extra ein Flügel auf die Bühne gekarrt), aber verglichen mit den Volldampf-Elektroversionen doch teilweise enttäuschend. Roundabout wurde in einer Quasi-"Chicago-Blues"-Fassung total verhunzt.
(YES spielen Blues? Hahaha, da müssen die Urväter aber in ihren Gräbern rotieren. Red.)

Um den intimen Rahmen zu zeigen, kam auch Alan White von seinem Podest herunter und setzte sich an ein 4-teiliges "Kinder-Mini-Schlagzeug". Da fragt man sich doch: Was soll das?
Am Schluß des Acoustic Sets war ich von den obligatorischen Solodarbietungen der Kollegen Anderson (Show me) und Howe (Second initial) wieder enttäuscht: Das ist einfach nix für mich. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Howe vor tausenden grölenden Fans wirklich Spaß hat, auf der akustischen Gitarre zu spielen. Enttäuschend für mich auch Rhythm of love: Das hängt aber damit zusammen, dass ich die 2 Platten und die Besetzung von 1984 ("90125") und 1988 ("Big generator") einfach gräßlich finde. Anderson verließ die Bühne und startete einen Lauf im Innenraum, verfolgt mit einem Roadie mit Suchscheinwerfer: Auch solche Scherze haben YES eigentlich nicht nötig. Aber das Publikum raste und klatschte brav mit.
Auch Songs der ähnlichen schlechten Alben "Union" und "Talk" wurden glücklicherweise ausgespart. Das interessanteste Stück des Abends war Mind drive ("Key to Ascension 2"), was vor dieser Tour noch nie live dargeboten wurde. Aber nur YES weiß, warum das in 2 Teile gesplittet wurde: Das machte überhaupt keinen Sinn, zumal die Stücke dazwischen nicht in Einem gespielt wurden, sondern hübsch unterbrochen waren.

Die Zugabe war Starship trooper. Natürlich stellt man sich hinterher die Frage, warum nicht der oder der bestimmte Song gespielt wurde. Aber der Fundus an YES-Kompositionen ist halt so groß, da müssen die Jungs schon aussuchen. Und die absoluten, jahrelang bewährten Renner dürfen nicht fehlen. Es fiel auf, dass außer Ritual keine überlangen Songs (wie auf den letzten 3 Tourneen noch Gates of delirium, Awaken und Close to the edge) gebracht wurden: So war mehr Zeit für mehr Songs da.
Die aufwendig neugestaltete Bühne war leider ein Witz: Ich saß in Reihe 3 und konnte die aufblasbare (!) Gummidekoration genau sehen. Es erinnerte mich irgendwie an den großen aufblasbaren Gummi-Wal meiner Kinder oder zum Teil auch an ein übergroßes Marsupilami. Aus der Mitte bzw. vom Ende der Halle wirkte das nicht so peinlich, da sah man das nicht so genau.
Die Lightshow (viele Vari-Lights) war schön bunt, aber mehr auch nicht. Der Sound war sehr gut abgemischt: Alle Instrumente und Vocals waren 100%-ig zu verstehen. Klaro, Wakeman ist und bleibt mein Liebling, toll, was er alles an hübschen kleinen, fiependen Geräten dabei hatte. Squires Bass ging wieder durch Mark und Bein: Bei Ritual konnte er und Howe so richtig die Sau rauslassen.

So, für mein 2. Konzert am 23.6. in Frankfurt erwarte ich natürlich nix Neues, aber man kann die Show ganz anders auf sich wirken lassen. Letztendlich ist mein erster Eindruck so, dass ich die 2003er-Show stärker empfand. Aber das liegt wohl an der überraschenden Präsenz von Wakeman, an der zumindest in 2003 keiner vorbeikam.

Hörtipps: Die Alben der 70er Jahre sind auf Rhino remastered und mit Bonusmaterial versehen wiederveröffentlicht worden: Insbesondere "Relayer" und "Tales from topographic oceans" bringen hochinteressante sog. 'Studio runthrus', also komplett ohne Overdubs aufgenommene alternative Durchgänge der bekannten Songs. Live-Aufnahmen neueren Datums gibt es leider nur als amerikanische Radiokonzerte aus 2002: Las Vegas und Camden (die schon Anfang 2003 auf der Homepage angekündigte 4CD-Live-Box läßt immer noch auf sich warten).

Jürgen Preuß, (Artikelliste), 15.06.2004

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